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rg und Butzbach gegen Abend den Wald umſtellten und, wo möglich, ohne
Fett. 1848.
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auflauern wollten.
Intelligenz- Glatt
fuͤr die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke
im Beſonderen.
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WM 12.
Mittwoch, den 9. Februar
1848.
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So war's recht. (Schluß.) Während im Schloſſe Kranichſtein Alles ſo ruhig blieb, Als ſei nichts Ungewöhnliches vorgefallen, ritt ein Adjutant
des Landgrafen nach Darmſtadt und beorderte in aller Stille eine hinreichende Anzahl tüchtiger Soldaten, daß ſie
Aufſehen, dem Orte in immer ſich verengerndem Kreiſe näher rückten, den der Zigeuner als den Schlupfwinkel bezeichnet hatte, wo die Meuchelmörder dem Landgrafen Zugleich begleiteten die Reiter, welche in Kranichſtein lagen, in einiger Entfernung die zwei Kut— ſchen des Landgrafen, als er Abends nach Darmſtadt fuhr.
Als es acht Uhr war, fuhren ſie ruhig aus dem Schloſſe Kranichſtein die Straße gegen Darmſtadt hin; allein die erſte, in welcher ſtets der Landgraf zu ſitzen pflegte, war leer, er aber und drei tapfere Begleiter ſaßen, wohl— bewaffnet, in der zweiten.
Als die erſte Kutſche an die Stelle kam, die der Zigeu⸗ ner bezeichnet hatte, gab es plotzlich am Saume des Waldes ein Geräuſch in den Blättern, vier Zigeuner ſtuͤrzen auf den Wagen los und feuern zu gleicher Zeit ihre Gewehre ab, deren Kugeln alle durch die Wände des Wagens dran— gen. Gewiß, daß ſie ihre Abſicht erreicht hätten, wollten ſie eiligſt wieder in den Wald zurück,— aber der Land⸗ graf und ſeine Begleiter vertraten ihnen den Weg, und im ſauſenden Galopp ſprengten die Reiter heran.
Ganz verdutzt und ohne Rath ſtanden die Mörder da und ließen ſich gefangen nehmen und binden. Während man ſie band, gab's einen wahren Höllenlärm im Walde. Die Soldaten erhoben ein wildes Siegesgeſchrei, denn ſie hatten die ganze Zigeunerhorde gefangen.
Der Landgraf war nun nicht mehr zu halten, und
laum konnten ihm ſeine Begleiter folgen, ſo eilte er tiefer in den Wald hinein.
Noch nicht drei hundert Schritte war der Landgraf in den Wald hineingedrungen, da bleibt er plotzlich am Stamme einer Eiche ſtehen, denn zu ſeinen Füßen ſpielt ein Zigeuner Knäblein arglos mit einem jungen Hunde. Das Kind war ganz unbekümmert um das, was um es vorging, von dem es ja auch noch keine Vorſtellung hatte. Es war ein gar ſchönes Kind, und als nun die Soldaten die Gefangenen herzu brachten, zeigte es ſich, daß es das Kind des Wildeſten der Mörder war, die eben nach dem Landgrafen geſchoſſen hatten, deſſen Mutter nicht mehr lebte.
Was that der Landgraf?
Ergriffen von den Ereigniſſen dieſer Stunde, ergriffen von dem Gedanken an die wunderbare Rettung, die ihm durch Gottes allwaltende Barmherzigkeit zu Theil geworden — hebt der edle Landgraf das ſchöne Kind auf ſeine Arme, liebkoſt ihm und ſchwört, ihm ein Vater und Verſorger zu ſein, um ſich alſo dankbar gegen Gottes Gnade für das ſo wunderbar gerettete Leben zu bezeugen.
Die Mörder traf wohlverdient die ganze Schwere des Geſetzes. Sie wurden gehängt. Die Zigeunerhorde wurde über die Grenze gebracht, und ihr angekündigt, daß jeder Zigeuner, der ſich auf heſſiſchem Boden betreten ließe, ohne Weiteres gehängt werden würde; das Kind aber ließ der edle Fürſt vaterlich erziehen, ließ es unterrichten, und als es ein wackerer Mann geworden, wurde er Föoͤrſter in dem⸗ ſelben Walde, in welchem ſein Vater nach dem Leben ſeines hochherzigen Wohlthäters getrachtet hatte.
Seinem Retter aber, dem jungen Zigeuner, taufte der Landgraf in dem Städtchen Gernsheim Haus und Gut. Er ließ ſich da nieder, verheirathete ſich, baute fleißig ſeinen Acker, und genoß die Achtung und Liebe ſeiner Mitbürger wohlverdient bis an ſein Ende.
Wenn Ihr, liebe Leſer, aber ſo mit mir die hochherzige That des Landgrafen bedenkt, ſo werdet ihr auch mit mir ſagen:„So war's recht!“ So vergilt der ächte Chriſt! Gott lohn's ihm; aber Ihr denket vielleicht mit mir an einen


