Ausgabe 
8.4.1848
 
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ee Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

n fz den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke Krit 1 im Beſonderen. * 8 r ññññ:˙̃ñ̃

n M29. Sonnabend, den 8. April 1848. kuden ä

gehörig ihren. Sind die Kartoffelſtücke weiß, ſo hat das Saflerwaſſer eine braungelbe Farbe und einen übeln

bocalſection des Gr. Heſſ. Gewerbvereins

fuͤr Friedberg und die Umgegend.

Da viele Schüler der hieſigen Gewerbſchule, insbe⸗ ondere die Bauhandwerker für den Sommer ſo ſehr be⸗ chäftigt ſind, daß ſie dem Unterrichte nicht regelmäßig zeiwohnen können, ſo iſt derſelbe vom 1. d. M. an bis nach Oſtern, vorerſt ausgeſetzt worden. Dagegen wird der Anterricht im Zeichnen nach dieſer Zeit an den Sonntagen wieder ſtattfinden und erſuche ich daher diejenigen Schüler, welche an demſelben Theil zu nehmen wünſchen, ſich vorher ei mir zu melden. Friedberg den 6. April 1848. F. d. Vorſtand Wahl.

Kartoffelmehl oder Stärke mittelſt Schwefelſäure aus Kartoffeln zu gewinnen.

Sehr wichtig iſt die Erfindung des Chemikers Haſſen dein, Oberlehrers am Gymnaſium zu Gotha, aus den Nartoffeln mittelſt Schwefelſäure Kartoffelmehl oder Stärke mit Leichtigkeit und geringen Koſten zu gewinnen. Die Sachſen⸗Meiningen'ſche Regierung hielt den Gegenſtand Für werth, ihn im Regierungs- Amtsblatt zur allgemeinen Renntniß zu bringen. Um Kartoffelmehl oder Stärke zu Sereiten, wurden ſonſt die Kartoffeln auf gewöhnliche Art zu Brei gerieben und dann ab- und ausgewäſſert, wodurch man im Durchſchnitt 1015 Procent zwar ſehr feines aber dadurch auch theures Mehl gewann. Nach Haſſenſteins Methode werden aber die Kartoffeln, um die eben ſo un⸗ angenehm riechende als der Geſundheit des Menſchen weniger zuſagende narcotiſche Feuchtigkeit, welche bei dem Brannt⸗ weinbrennen das Fuſelöl veranlaßt, wegzuſchaffen und durch Mehrgewinn an Mehl eine größere Wohlfeilheit deſſelben zu bezwecken, wenn ſie gehörig gewaſchen, in 46 Stücke ſcheibenförmig geſchnitten. Auf 100 Pfund reines Waſſer wird nur 1 Pfund engliſche Schwefelſäure zugeſetzt, und in dieſes geſäuerte Waſſer werden die geſchnittenen Kartoffeln in ein verhältnißmäßig größeres Gefäß eingeſchüttet, wo ſie 2448 Stunden, oder ſo lange ſtehen bleiben, bis ſie tatt des glaſigen Anſehens und der gelbbraunen Farbe eine weiße angenommen haben, d. h. das narkotiſche Fuſelwaſſer usgezogen iſt. Alle 6 8 Stunden muß man die Maſſe

Geruch angenommen; es wird nun abgegoſſen und die Kar⸗ toffelſcheiben werden ſo lange mit reinem Waſſer abgewäſſert, als daſſelbe keinen ſauren Geſchmack mehr beſitzt. Man kann dies auch durch Lakmuspapier unterſuchen: färbt daſſelbe nur wenig roth, ſo ſind die Kartoffeln genug gewaͤſſert. Um die Kartoffelſcheiben nun zu trocknen, breitet man ſie frei auf Leinwand oder Horden aus und bringt ſie in die Luft oder an die Ofenwärme. An Gewicht erhält man 25 Procent trockener roh ungeſäuerter Kartoffelſtücke von ſchönem, weißem kreideartigem Anſehen, die auf der Getreidemühle gemahlen, ein feines, ſehr weißes Mehl und nur wenig Kleie geben. Grob geſtoßen und durch Siebe geſchlagen, bekommt man einen dem Sago ähnlichen Gries. Das gewonnene Mehl iſt wenigſtens zu dem Durchſchnittswerthe von Weizen- und Roggenmehl anzunehmen, das Pfund davon kommt auf 10 ¼ Pf. zu ſtehen, und der Dresdner Scheffel Kartoffeln läßt ſich hierdurch zu 21 Ngr. 6 Pf. verſilbern. Die beſten Kartoffeln zur Mehlbereitung ſind die Lerchenkartoffeln. Das Mehl läßt ſich ſehr gut zu Semmeln und Brod ver backen, und zwar nimmt man zu Semmelu drei Viertel Weizen- und ein Viertel Kartoffelmehl. Dieſes Gebäck hat ein beſſeres Anſehen und ein beſſern Geſchmack als das aus reinem Weizen- und Roggenmehl dargeſtellte. Die Vortheile des Verbackens des Kartoffelmehls mit Roggen und Weizenmehl beſtehen aber hauptſächlich darin, daß erſteres faſt doppelt ſo viel Waſſer annimmt als letztere beide Sorten, mithin im Gewicht mehr Brod liefert, und dies beſonders ſehr ſättigend und nachhaltend iſt. Man kann dieſes Mehl auch zu Kuchen und allerhand Speiſen, zu Bier, Stärke, Syrup und Zucker verwenden, zu welchem letztern Zwecke man die Kartoffelſtuͤcke nach dem Auswaſchen ſogleich zu Brei verarbeitet und mit Waſſer von 70 Gr. Wärme mit Gerſtenmalzſchroth in Stärkeſyrup umwandelt.

Mannigfaltiges.

Streichriemen aus Lindenholz. Wenn ein Raſirmeſſer auf Leder gedrückt wird, ſo gibt dieſes dem Drucke der Hand nach, erhebt ſich aber ſchnell wieder, ſo bald die Schneide entfernt iſt, und durch tägliche Wieder- holung dieſer Operation wird die Schneide ſehr bald abge⸗

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