Ausgabe 
7.10.1848
 
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Hatte nun ſchon ſein Verſuch, eine Frau zu ernähren, die bedeutendſten Hinderniſſe gefunden, ſo lief derſelbe, als noch die Ernährung des Kindes hinzutrat, weit unglück licher ab!

Allein Pietſche senior war bald ſeiner Sorge für den Pietſche junior überhoben. Kaus hatte Letzterer ſeinen Erſtlingsgruß der Welt des Lichtes dargebracht, ſo war auch ſchon der Verein für unbemittelte Wöchnerinnen uner⸗ müdlich für Mutter und Kind beſorgt, und der Verein für arme Wochenkinder hüllte ſogleich den kleinen Schreihals in weiche Windeln, Pietſche senior verſicherte noch in ſpaͤten Jahren ſeine Freunde, daß er nie ſo viel und ſo gut gegeſſen habe, als während des leider erſten und einzigen Wochen⸗ bettes ſeiner ſeligen Pietſchin! b

Pietſche senior hatte fur ſein Kind durchaus nicht zu ſorgen! Er legte es vertrauensvoll in die Arme der Vereine ſeiner Vaterſtadt, und ſah mit inniger Freude das Gedeihen und Wachſen des kleinen Vereiners. Die Taufe hatte der hiezu geſtiftete Verein übernommen, ein anderer verſah ihn mit den nöthigen Kindermützchen, und als das Knäblein erkrankte an langwierigen Kinderkrankheiten, ſo entfaltete der Verein für arme, kranke Kinder eine ſtaunenswerthe Ausdauer und Anſtrengung an ſeinem Krankenbettlein.

Endlich war der boͤſe Feind des Siechthums über⸗ wunden, und klein Traugott beſuchte die Schule ſeines Kirch ſpiels, nicht wenig ſtolz auf die ſchönen Bücher und Hefte, welche er von dem Vereine zur Vertheilung von Schulbüchern an arme Schulkinder erhalten hatte. Den größten Nutzen vom Schulbeſuche hatte ſonderbarer Weiſe nicht ſowohl der kleine Traugott, als vielmehr die Speiſekammer ſeines älterlichen Hauſes, denn er brachte von den Siebenſachen, die in der Schule gelehrt wurden, nur wenig in ſeinen Kopf; regel⸗ mäßig aber trug er zweimal die Woche einen Laib Brod nebſt einem Säckchen Kartoffeln nach Hauſe, welche der Verein zur Ernährung armer Schulkinder in der Schule vertheilte.

So nahm er zu, nicht an Weisheit, aber an Jahren und Ungezogenheit, denn der Erziehungsverein war damals noch nicht geſtiftet, und als er vierzehn Jahre zählte, erhielt er vom Konſtrmandenverein den unerläßlichen Konfirmations⸗ rock. Nun ſollte er in die Lehre treten, was auch mit Hilfe des Vereins für Lehrgeldzahlungsunfähige Lehrjungen glück- lich zu Stande kam. a

Traurig iſt es, daß Traugott die edlen Bemühungen ſo vieler lobenswürdiger Vereine ſo ſchlecht belohnte! Er zeigte frühzeitig ſchon Spuren von Herzloſigkeit und Grau⸗ ſamkeit! So fand er das größte Vergnügen darin, den Schweif eines armen Hündleins in ein halbgeſpaltenes Holzſcheit zu klemmen, und wollte ſich todtlachen, wenn das gequalte Thier raſend und heulend treppauf, treppab, im Hauſe und auf der Straße umher rannte! Sehr oft hatte er über dieſe und ähnliche Quälereien von dem Vereine gegen Thierquälerei die empfindlichſten Strafen erhalten allein es half nichts.

Sogar lebloſe Gegenſtände mußten zum Spiele ſeiner Zerſtörungsluſt dienen! Unweit der Stadt befand ſich auf einem Hügel eine Ruine aus dem Jahre 3821 v. Chr., zu welcher von Nah und Fern Reiſende herbeiſtrömten, welche ſich theils für die antiquariſche Seltenheit, theils für die entzückende Aufſicht intereſſirten. Traugott fand aber ein inniges Vergnügen daran, die ohnedies nur noch loſe und locker zuſammenhängenden Mauer- und Thurmreſte zu zer⸗ ſtören und Stein fuͤr Stein den Abhang des Hügels hinab zurollen. Der Verein zur Erhaltung der alten Burg nahm dies natürlicher Weiſe gewaltig übel, und im Bunde mit dem hiſtoriſchen Vereine und dem Vereine für Landwirthſchaft, welcher ſeine üppigſten Muſterfelder durch das Herabrollen

der Steine gefährdet ſah, brachte er es dahin, daß Traugott ſeinen jugendlichen Uebermuth nach Tit. MDC CCCLXXV, cap. 584299,§. 782900341 des ſchen Strafcodermuth⸗

willige Zerſtörung von Alterthümern betreffend durch einen

dreijährigen Aufenthalt im öffentlichen Strafarbeitshauſe

abbüßen mußte.

Daſelbſt wurde er abermals Gegenſtand der zarteſten Sorgfalt des Vereines zur moraliſchen und religiöſen Ver⸗ edlung junger Sträflinge, und man durfte die ſchönſten Hoffnungen für den jungen Mann hegen, als er bei ſeiner Entlaſſung aus dem Strafarbeitshauſe, vom Bibelverein noch eine Bibel mit auf den Weg bekommen und dem Ver eine für entlaſſene Sträflinge in die Arme gelegt wurde.

In der Stille und Zurückgezogenheit ſeines Aufent- haltes hatte er ſich mit auffallender Vorliebe dem Schloſſer⸗ handwerke gewidmet, und ſo kam es, daß ein Vereinsmitglied,

ein Schloſſer, ihn aufnahm und beſchaftigte. Hier unter

den Augen und Fittichen des Vereins gedieh er zu einer ziemlichen Kunſtfertigkeit, allein, was zu verwundern iſt, er, das Kind und der Zögling ſo vieler Vereine, war nie zu bewegen, ſelbſt einem der beſtehenden Vereine beizutreten. Weder der Kunſtverein, noch der Mäßigkeitsverein, noch der Dombauverein, der Miſſions⸗, Kreuzer⸗, Turn⸗, Leſe⸗, Freihandels-, Weinproduzenten⸗, Geſellenverein zählten ihn zum Mitgliede, deſto inniger aber hielt er zu dem nicht⸗ ſanktionirten Nichthutabnehmungsvereine, und einem Zweiten zur Fertigung von Nachſchlüſſeln.

Letztere Anhanglichkeit zog ihm einen zweiten längeren Aufenthalte im Zuchthauſe zu, während deſſen er, Dank den Bemühungen des Frauenvereines zur Tröſtung und Erheiterung ruckfälliger Delinquenten, ſo weit gedieh, daß er nach ſeiner Entlaſſung durch abermaliges Verwenden des Vereines für entlaſſene Sträflinge eine Stelle als Aufſeher in der Vereinsbeſchäftigungsanſtalt erhielt.

Dieſe Wohlthat ſollte er aber nicht lange genießen! Schon war er im Begriffe, mit Hilfe des Trauvereins ſich eine Gattin als Lebens verſchönerung auszuwählen, als er eines Abends in einem Anfalle von Schwindel die Treppe der Vereinsbeſchäftigungsanſtalt hinabſtürzte, und ſo zu früh für die Menſchheit ſein hoffnungsreiches Leben aushauchte!

Der Verein für prunkloſe Beerdigungen übernahm die Beſtattung ſeiner irdiſchen Reſte, und an ſeinem Grabe hielt ein Mitglied des Vereines für paſſende Grabreden eine Geiſt und Gemüth gleich anſprechende Rede: über die Nich⸗ tigkeit und Thorheit menſchlicher Beſtrebungen.

So war Traugott von der Wiege bis zum Sarge beſtändig ein Gegenſtand der Sorgfalt der edelſten Vereine. Der groͤßte von allen aber, der mächtigſte, hatte ihn nach dem Tode in ſeinen Schoos aufgenommen, denn ſein Grab liegt innerhalb der Gränzen des Zollvereins!

(Flg. Blitr.)

Mark. Neri cn Friedberg, am 4. Oktober 1848.

Aufgefahren Verkauft 1 Gattung. wurden wurden Mittelpreiſe (Mltr(Mitt.). I. k. Wasen 00 20 9 3 n 28 16 5 5 Gerte 36 28 4 10 7 n 10 15 8 5

artoffeln 8 18 05 Erbſen 3 1 6 10

NB. In Friedberg wurde das Malter Waizen zu 200, Korn 190, Gerſte 170, Base 120, Rartoffeln 240 und Erbſen 220 Pfund gerechnet.