Ausgabe 
5.7.1848
 
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Intelligenz- Blatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke

im Beſonderen.

M52.

Mittwoch, den 5. Juli

1848.

Der deutſche Michel.

Und ſo trug es ſich zu im Jahre des Herrn 1574, da führte Kaiſer Maximilian II. das Regiment im deutſchen Reiche. Im ſelbigen Jahre wurde dem ehrenwerthen Herrn Johannes Bartholomäus Obentraut, churpfälziſchem Rathe und Amtmanne zu Stromburg, ein Söhnlein geboren, wel⸗ chem er den Namen Hans Michael beilegen ließ in der hei⸗ ligen Taufe, ſintenmal kein Heiliger im Kalender einen Na⸗ men führe, der ſo gut deutſch klänge, als gerade Hans Michael.

Der junge Michel hatte ſchon als Knäblein ein ſon⸗ derbarlich Wohlgefallen an Helm und Schild, wie ſie auf

den Conterfeys ſeines Schutzpatrons, des heiligen Erzengels

prangten, welche ihm zu Geſichte kamen. Nachgerade merkte der Vater, wie ſein Sohn eine gewaltige Vorliebe hege für das Soldatenhandwerk. Dieſem Hange gab er denn auch nach, und ſo wuchs Hans Michel Obentraut unter Kampfſpiel und rühriger Leibesuͤbung heran, und ward ein tüchtiger Kriegsmann.

Dazumal entſpann ſich der Streit um das reiche Erbe des Herzogs Johann Wilhelm, welcher Jülich, Cleve, Berg und die Mark beſeſſen. Churbrandenburg, die ſächſiſchen und pfälziſchen Herzoge machten ihre Anſprüche geltend, und der Strauß, den die Partheigänger auszukämpfen hatten, ward um ſo erbitterter geführt, als Religionshaß beiderſeits das Feuer ſchürte.

Im deutſchen Lande war es von jeher ſo der Brauch, daß, wenn ihrer zween ſich zankten, der Fremdling als Schieds⸗ richter oder Auskämpfer beigezogen wurde, der ſodann, wie der Fuchs in der Fabel, auf des Streites Erbſchaft für ſich Beſchlag legte. So wurde denn auch der Pfalzgraf von Neuburg katholiſch, um der Spanier Beiſtand zu erhalten, und der Brandenburger trat zur reformirten Kirche über, damit er Holland für ſich gewänne; fürder hauſeten nun Spanier und Holländer gar übel im Reiche.

Michael Obentraut hielt ſich auf Seiten der Luther⸗ ſchen, und als im Jahr 1610 die proteſtantiſche Union zu Stande kam, ward ihm ein Fähnlein von 500 Reitern an⸗ vertraut, darüber er ſollte das Commando fuͤhren. Mit

dieſem rückte er nun in die Pfalz ein, und fügte den Spa niſchen vielen Schaden* Pfalz füg pa⸗

Alsbald gewannen aber die Streitigkeiten ein ernſteres

Anſehen. Der Lärm erwachte in allen Gauen, und der 30jährige Krieg brach herein über das unglückliche Vater⸗ land. Aber das Heer des Winterkoͤnigs, wie ihn das Volk nannte, ward geſchlagen am weißen Berge, juſt als er ſelber im fröhlichen Gelage zu Prag ſaß, und er mußte ſich mit den vornehmſten böh⸗ miſchen Herrn kopfüber zur Flucht wenden. Der edle und tapfere Graf Ernſt von Mansfeld war es nun allein, der mit einem kleinen Häuflein, ſo er dem Churfürſten zu Hülfe in das böhmiſche Land geführt hatte, einer Macht die Stange zu halten wagte, davor Deutſchland ja ganz Europa zitterte. Aus Böhmen verjagt zog er ſich in die Oberpfalz zurück und erſchien unvermuthet mit einem auf 20,000 Mann an⸗ gewachſenen Heere zum großen Schrecken der Spanier im Elſaß. Obentraut kämpfte unter ſeinen Fahnen. Des Heer⸗ führers mannlicher Sinn und heldenmüͤthiger Geiſt lebte auch in ſeiner Schaar. Obentraut war nicht der Letzte bei den waghalſigen Unternehmungen des Grafen, und ſchon dazumal machte er ſich den Kaiſerlichen bemerkbar, die ihm ſofort den Namen des deutſchen Michels beilegten; die Chro⸗ nik erzählt uns einige ſeiner Handſtreiche.

Im Herbſte 1620 hatte der Marquis von Spinola mit einem ſpaniſchen Heerhaufen Kreuznach beſetzt, und machte Miene, gen Oppenheim vorzurücken. Die Unirten, welche ſich zur Zeit in der Nähe dieſer Stadt verſchanzt hatten, verließen nun eiligſt das Lager, zuͤndeten es an, bra chen die Rheinbrücke ab, und ſchlugen die Straße ein nach Worms. Auf dem Zuge war nun dem Obentraut Kund⸗ ſchaft zugekommen, wie der Herzog von Espinoy auf eigene Fauſt eine Schaar Kriegsvolk geworben, um es zum Dienſte kaiſerlicher Majeſtet dem Marquis von Spinola zuzuführen. Da überkam ihm die Luſt und an der Spitze von 220 Rei⸗ tern überfiel er ohne alle weitere Ordre den ſpaniſchen Gran⸗ den, um ihn deutſche Weiſe zu lehren. Nach kurzem Wie⸗ derſtande waren die neugeworbenen Kaiſerlichen nach allen Seiten zerſtiebt bis auf etliche 50, die nicht weiter verlang⸗ ten. Der ſpaniſche Werber aber ward mit andern Haupt⸗ leuten gefangen in's Lager der Unirten gebracht.

Obentraut hatte inſonders auf die Spaniſchen ein Auge, und als ihm hinterbracht wurde, wie zu Kapplmaersheim ein Trupp des älteſten und beſten hiſpapiſchen Kriegsvol⸗ kes läge, unternahm er mit 120 Mann ſeines Schlages

Obentraut blieb ſeinen Grundſätzen getreu, und nahm Partei für Friedrich V. von der Pfalz.

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