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8 auf das Schloß und wilt den Landgrafen ſprechen. Das wurde ihm nun freilich nicht gleich geſtattet; als es aber der Landgraf hörte, ließ er ihn ſogleich hereinführen.
„Herr Landgraf,“ begann der Zigeuner,„Du(ſie dutzen Jedermann, ſelbſt einen Landesherrn) gehſt einem großen Unglück entgegen. Wenn Du mir erlaubſt, in Deinem Lande zu bleiben, um mich ehrlich zu ernähren, ſo kann und will ich Dich vom Tode erretten, der Dir heute noch unver- meidlich droht.“
Beſtürzt ſahen ſich die dabei ſtehenden Hofleute an; allein der Landgraf, der die Vögel kannte, und auf die ſpitzbübiſchen Wahrſagereien dieſes Geſindels nichts hielt, den hübſchen Burſchen aber mit Vergnügen betrachtete, ſagte:„Ich weiß, daß ich, wenn es der Herr ſo will, heute noch ſterben kann, aber nicht, weil Du es ſagſt. Doch will ich Deine Bitte, wenn ſie ehrlich iſt, nicht abſchlagen; aber Du mußt ein Chriſt werden und als ein Chriſt leben. Laß aber Deine dummen Wahrſagereien bleiben, ſonſt geht's quer!—
Der Zigeuner blickte dem Landgrafen ruhig in das Auge und ſagte:„Herr Landgraf, verachte meine Worte nicht, weil ich ein Zigeuner bin. Wahrſagen will ich Dir nicht, ſondern Dir die Wahrheit ſagen. Du haſt geſtern den Hauptmann der Horde hängen laſſen. Groß Unrecht war's nicht; aber die ganze Horde, die ſich in dem dichten Walde neben der Landſtraße verborgen hält, hat Dir den Tod geſchworen. Wenn Du heute Abend nach der Stadt fährſt, wirſt Du todt geſchoſſen, ſo gewiß, als ich jetzt vor Dir ſtehe.“
Der Ernſt des Zigeuners machte doch auch nun den Landgrafen betroffen. Unmöglich war's bei der Geſinnung dieſes Volkes nicht, daß ſie's thaten.
„Wenn Du die Wahrheit geſprochen haſt und es ſich beſtätigt, daß ſie mir nach dem Leben ſtanden, ſo will ich Dir Deine Redlichkeit reichlich belohnen, doch mußt Du bis morgen hier im Schloſſe bleiben. Es ſoll Dir an nichts fehlen,“ ſprach der Landgraf.
Der Zigeuner wurde hierauf in ein ſicheres und auch überdieß wohlbewachtes Zimmer gethan, den Zeugen ſeiner Ausſage das tiefſte Stillſchweigen auferlegt und in aller Stille, ja ohne daß es ſonſt Jemand ahnete, die nöthigen Vorkehrungen getroffen.
(Schluß folgt.)
42.
ihre Kinder am beſten kennen.“
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dem Anſcheine nach ermordet worden war. fernung von demſelben erblickten ſie zwei Brüder, deren ſie ſich ſofort bemächtigten, weil ſie dieſelben für die Mörder des Erſchlagenen hielten.“ Da dieſer Letztere indeß nur eine Wunde hatte, die Mordthat alſo nur von einem Menſchen begangen ſein konnte, entſtand die Frage, wer von Beiden die Miſſethat begangen? Keiner der Brüder wollte den Andern anklagen; ſondern ein Jeder von ihnen behauptete, daß er, und nicht ſein Bruder der Mörder ſei.— Der Fall ward vor den Monarchen gebracht.
„Beiden das Leben ſchenken, hieße einen Mörder be— gnadigen, beide hinrichten aber, da nur einer ſchuldig ſein
74 2 77 1 8 1 Für Stiefmütter. Ein Bild aus China. Unter der Regierung des
chineſiſchen Herrſchers Sweng Yang fanden die Wachen einſt auf freiem Felde den Leichnam eines Mannes, der
In einiger Ent⸗
kann, wäre grauſam und hieße gegen die Geſetze handeln. Wohlan! man rufe die Mutter der beiden Angeklagten, ſie ſoll entſcheiden, wer der Schuldige geweſen, denn ſie muß
Wie er befahl, ſo geſchah's. Die Mutter ward von dem Gebot des Herrſchers benachrichtigt.„Wenn ich, ſprach das unglückliche Weib, indem ſie in Thränen aus brach,„wenn ich gezwungen bin, den Ausſpruch zu thun, ſo möge der Aelteſte leben!“— Der Monarch äußerte ſeine Verwunderung: daß die Mutter nicht zu Gunſten des Jüng⸗ ſten entſchieden habe, weil die jüngeren Kinder von den Müttern doch gemeinhin am meiſten geliebt würden; die
Frau aber entgegnete:„Der, deſſen Leben ich jetzt rette, iſt ö
nicht mein Kind, ſondern der Sohn meines verſtorbenen Gatten aus deſſen erſter Ehe. Ich habe ſeinem Vater feier⸗
lich gelobt, ihn ſtets als mein eigenes Kind zu betrachten und zu behandeln, und habe bis heute mein Wort gehalten; ich würde es brechen, wollte ich jetzt das Leben meines juͤngſten Sohnes auf Koſten des älteſten retten. Ich fühle, wie viel dies Opfer meinem Herzen koſtet, aber—/ hier
hemmten Thränen und Seufzer ihre Stimme. Der Monarch verzieh Beiden. M. (Aus Maltens Weltkunde.)
rk Bere Friedberg, am 2. Februar 1848.
Aufgefahrenſ Verkauft* N Gattung. wurden wurden Mittelpreiſe (Mltr.)(Mltr.) f%. eee 35 1 35 10 14 Korn 3 48 18 7 30 Gerſte. 62 145 5 53 Hafer. 50 2 4 50
NB. In Friedberg wurde das Malter Waizen zu 200, Korn 190, Gerſte 170 und Hafer 120 Pfund gerechnet.
Bekanntmachungen von Be⸗ phioͤrden.
rr
Bekanntmachung.
(111) Der Gemeinderath der Stadt Friedberg beabſichtigt ein Kapital von 6400 fl. à 4 pCt. Zinſen aufzunehmen, wovon vorerſt die Summe von 2000 und in 2—3 Monaten von 4400 fl. angeliehen werden ſollen.
Diejenigen, welche geſonnen ſind, von frag⸗
lichem Darlehen übernehmen zu wollen, werden hiermit erſucht, längſtens in 14 Tagen dem Unter⸗ zeichneten Mittheilungen zu machen. Friedberg am 26. Januar 1848. Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.
Bekanntmachung. Brenn⸗ und Baus, Werk⸗ und Nutzholz⸗Verſtei⸗ gerung im Revier Oberrosbach, Forſt's Fried⸗ berg, betreffend. (125) Montag den 7. Februar d. J. ſoll in dem Gr. Domanialwald, Weſterfeld'ſcher
Wald bei Oberrosbach, nachbemerktes Hol; an die Meiſtbietenden öffentlich verſteigert werden, ungefähr: Brennholz: 55 Stecken buchen Scheitholz, 7
„„ birken„ 10„ eichen 8 11%„buchen Prügelholz, 28%„ birken und eichen Prügelholz, 12½„ aspen und weiden 5
8„buchen Stockholz, 19%„ eichen 5 4437 Wellen buchen Reiſerholz,


