Ausgabe 
4.11.1848
 
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Tagesordnung: 1) Wahl des Vorſtandes und Aus⸗ ſchuſſes.) Miktheilungen über Gutta⸗Percha über waſſerdichtes Leder und uber die Pruͤfung der Butter auf Käſeſtoff.

Friedberg den 1. November 1848.

Der Vorſtand: C. Wahl

Auszuͤge aus dem Regierungsblatte. f Auszug aus dem Regierungsblatt Nr. 54 von 1848.

1) Bekanntmachung, die Zahlung der Vertretungsſummen für Kriegsdienſtpflichtige, welche an der diesjährigen Loosziehung Theil ge⸗ nommen haben, betr. 2) Bekanntmachung, den Holzpreistarif für die Großh. Domanialwaldungen betr. 3) Bekanntmachung, die Abände⸗ rung des Mainz⸗Homburger Eilwagen⸗Courſes betr. 6) Bekannt⸗ machung eines rechtskräftig gewordenen Straferkenntniſſes in Gemäßheit des Art. 30 des Strafgeſetzbuchs. 7) Bekanntmachung, die Verthei⸗ lung der Preismedaillen in dem philologiſchen Seminar zu Gießen betr. Am Schluſſe des Sommerſemeſters 1848 wurden Preiſe zuerkannt und ertheilt: dem stud. philol. L. Noir é aus Mainz der 1., Chr. Rumpf aus Gießen der 2. und E. Glaſer aus Grünberg der 3. Preis. 8) Dienſtnachrichten. Am 21. Aug. wurde der Oberconſiſtorialrath Wernher dahier zum Miniſterialrath bei dem Miniſterium d. J. ernannt. Am 29. wurde der Poſtaſſiſtent F. Maurer zu Offenbach in gleicher Eigenſchaft bei dem Poſtamte zu Gießen und der Poſtpracticant Alefeld zu Darmſtadt als Poſtaſſiſtent bei dem Poſtamte zu Offenbach beſtätigt. Am 12. Septbr. wurde dem Zeichnenlehrer Lind enſchmit zu Mainz, unter Entbindung deſſelben von der Zeichnenlehrerſtelle an der daſigen Realſchule, die erledigte Stelle eines Zeichnenlehrers an dem Gymnaſium zu Mainz übertragen; am 14 wurde dem Schulvicar Eder zu Zorn⸗ heim, Reg.⸗B. Mainz, die 2. kath. Schullehrerſtelle daſelbſt und dem Schuloicar Würth zu Gonſenheim, Reg.⸗B. Mainz, die erledigte 3. kath. Schullehrerſtelle daſ. übertragen; am 15. wurde der von dem Hrn. Gr. zu Stolberg⸗Ortenberg und Roßla unterm 7. Juli d. J. auf die evang. Schullehrerſtelle zu Mittelſeemen, R.⸗B. Nidda, präſ. Schul⸗ vicar Glockengieſer daſelbſt für dieſe Stelle beſtätigt, ſowie dem Schulvicar Heidenreich zu Wohnfeld, R.⸗B. Nidda, die evang. Schul⸗ lehrerſtelle daſ. übertragen. 9) Militärdienſt nachrichten. Am 25. Auguſt haben S. K. H. der Großherzog den penſ. G. M. Irhrn. o. Stoſch zur Suite der Infanterie zu verſetzen und ihren bisherigen Ad⸗ jutanten, Major Ca me ſas ca, 5 Ihrem Flügeladjatanten zu ernennen, am 26. den Kriegsminiſter G. ⸗L. v. Steinling a. ſ. N. in den Ruheftand zu verſetzen und demſelben zum Zeichen der allerh. beſonderen Zufriedenheit m. ſ. l. tr. D. den Charakter als General der Infanterie u ertheilen, und am 27. den G.⸗M. Grafen v. Lehrbach, unter eactivirung deſſelben, zum Kriegsminister zu ernennen geruht. Am 13. Sept. wurde der function. Oberſtabsarzt Dr. Ammanm a. f. N., unter Ertheilung des Charakters als Oberarzt, in den Ruheſtand verſetzt. 10) In den Ruheſtand find verſetzt worden: am 15. Sept. der Schul⸗ lehrer Völſing zu Oberſeibertenrod und der Revierförſter Pfannſtiel zu Hainbach a. ſ. N. 11) Geſtorben ſind: am 22. Aug. der penf. Oberſt v. Roſenberg zu Darmſtadt; am 19. Sept. zu Frankfurt der Sberlieutenant Zimmermann vom 1. Inf.⸗Reg.; am 20. der Revier⸗ förſter Schmidt zu Großbieberau.

Verordnung, die Waldſtreunutzung in den Domanial⸗ und Communal⸗ Waldungen betreffend.

Auf den Grund des Art. 2 der allerhöchſten Verord nung vom 1. dieſes Monats werden die Normen, inner⸗ halb welcher die Benutzung der Waldſtreu zuläſſig iſt, und die Beſtimmungen, nach welchen deren Gewinnung und Abgabe ſtattfinden ſoll, in Nachſtehendem zur allgemeinen Kenntniß gebracht.

I. Allgemeine Beſtimmungen für Domanial⸗ und Communal⸗ Waldungen.

§. 1. Da das Bedürfniß an Waldſtreu in den ein⸗ zelnen Theilen des Großherzogthums ſehr verſchieden iſt und auch, je nach Lage, Boden- und Holzbeſtand, eine größere oder geringere Menge von Waldſtreu aus den Waldungen verabfolgt werden kann, ſo werden die Forſt⸗ behörden angewieſen, unter genauer Berückſichtigung dieſer Verhältniſſe innerhalb der nachbezeichneten Grenzen die Waldſtreuabgabe zu bewirken:

daß in den Domanialwaldungen,

10 In Nadelholzwaldungen ſollen von je 100 Morgen

des ganzen Waldes(Wirthſchaftsganzen) hoͤchſtens

20 Morgen und mindeſtens 6 Morgen, 2) in Laubholzwaldungen von je 100 Morgen des gan⸗

zen Waldes höchſtens 19 Morgen und mindeſtens

5 Morgen zur Streunutzung jährlich eingegeben werden.

3) In gemiſchten Laub⸗ und Nadelholzwaldungen iſt die

7 Streunutzungsfläche nach den vorſtehenden Beſtim⸗

mungen, je nachdem die eine oder die andere Holz, art vorherrſcht, feſtzuſtellen.

4) Außerdem iſt den Forſtbehörden geſtattet, die Nutzung

der Waldſtreu an den Stellen anzuordnen, wo dieſelbe in tiefen Schluchten oder auf Wegen vom Winde

zuſammengetrieben, oder wo dieſelbe vorausſichtlich

entkommen wird.

5) Wo Gemeinden keine Nutzung oder in einem gerin geren Umfange, als dem eben zugelaſſenen, in ihren Waldungen verlangen, ſoll nur die verlangte Nutzung

ſtatt haben. Ebenſo ſoll ſich in ſolchen Domanial⸗ waldungen, wo die Nachfrage den erwähnten Umfang nicht erreicht, die Nutzung auf die Nachfrage be⸗ ſchränken. 8

b§. 2. Die Abgabe der Waldſtreu ſoll vorzugsweiſe in folgenden Zeiten ſtattfinden:

a) Zu Ende Winters oder im Frühjahr;

b) Kurz vor der Kornerndte;

c) Zu Ende des Sommers vor dem Abfalle des Laubes. Auf Antrag der Ortsvorſtände können ſtatt dieſer in 55 Gemeindewaldungen auch andere Zeiten beſtimmt werden.

II. Beſondere Beſtim mungen fur die Domanial⸗ Waldungen. 2

§. 3. Die Art und Weiſe, wie die Waldſtreu ge⸗ erndtet und wie dieſelbe aus dem Walde weggebracht wer⸗

den ſoll, wird in Domanialwaldungen durch den Revier

förſter geordnet. §. 4. Die Waldſtreu ſoll abgegeben werden: a) nach Haufen oder Schichten von beſtimmter Größe vorzugsweiſe dann, wenn die Streu gegen Lohn aufgearbeitet und zur Verſteigerung beſtimmt wird; b) nach Tragläſten, Schiebkarren oder Wagen, beſonders bei Handabgaben, wenn der Empfänger die Streu ſelbſt einſammelt; c) nach Flächenlooſen nur ausnahmsweiſe, wenn dies den ortlichen Verhältniſſen nach zuläſſig iſt und zweckmäßig erſcheint. §. 5. Die Preiſe für Streumittel, welche aus der Hand abgegeben werden, ſollen von Zeit zu Zeit naß Verſchiedenheit der örtlichen Verhältniſſe geregelt werden.

Für das Jahr 1849 ſollen, was die Abgabe in Trag. läſten und Schiebkarren betrifft, die Preiſe des Jahres 1848 gelten. Gleichzeitig ſoll in denjenigen Bezirken, il welchen in dieſem Jahre noch keine Herabſetzung der Preiſ⸗ für Waldſtreu ſtattgefunden hat, eine ſolche für Abgaben der letzterwähnten Art verhältnißmäßig bewirkt, ſowie ein allgemeiner Tarif für die Preiſe bei Handabgaben demnächſt

publicirt werden. 1 a

. 6. Die Forſtbehör ben dafür

5 Fial a nach den örtlichen Verhältniſſen, ein größerer oder kleinerer Theil der ganzen Streuerndte zur Verſteigerung, ein anderer Theil zur Handabgabe beſtimmt wird.

§. 7. Die Abgaben aus der Hand geſchehen haußte ſaͤchlich nach Tragläſten und Schiebkarren, nach Wagen nur da, wo der größere Vorrath oder die Entfernung die Erlaubniß dazu räthlich macht.