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Der alte Maierbauer, welcher nebſt dem Feldwebel den Zuſammenhang ſchnell durchſchaut hatte, bebte vor einem abermaligen Zuſammentreffen mit dem Gerichte. Er bat die fremde Frau um Gottes willen, von ihrem Vor⸗ haben abzuſtehen, er bot ihr den dreifachen Werth der Kette— umſonſt!
„Nein! nicht um den zehnfachen Werth werde ich ſchweigen!“ kreiſchte ſie,„Ihr wißt gewiß um den Dieb⸗ ſtahl! ich muß nicht nur die Kette, ich muß alle meine Juwelen wieder haben! das ſchlechte Weibsbild wird man ſchon zum Geſtändniſſe bringen!“
Nun erſchien ihr Gatte in Begleitung zweier Gens⸗ darmen.„Wo iſt die Kette?“ frug einer derſelben mit barſcher Stimme. 5
„Hier!“ erwiederte Georg.
„Her damit!“— Nach kurzem Weigern übergab ihm Georg die Kette.
Nun ſchritt man zu Maria's Verhaftung, allein nach der wiederholten Betheuerung Georgs, daß er erſt heute Morgen Marien die Kette zum Angebinde gegeben habe, wurde dieſe freigelaſſen und Georg verhaftet.
VII.
Der Maierbauer und der Feldwebel begaben ſich am nächſten Morgen in aller Frühe auf das Gericht, erfuhren aber dort weiter nichts, als daß vor der Hand an eine Entlaſſung Georgs nicht zu denken ſei, vielmehr die Unter⸗ ſuchung erſt eingeleitet werden müſſe. Der alte Vater ſprach auf dem Heimwege kein Wort, aber ſein Geſicht drückte hinlänglich den Gemüthszuſtand des tiefgebeugten Mannes aus. Der Feldwebel wiederholte unzählige Male ſein ganzes Fluchregiſter, konnte aber trotzdem ſeiner Galle nicht hinlänglich Luft machen.
Am dritten Morgen trat der Commiſſär mit einem Aktuar und Gerichtsdiener in die Stube des alten Maier⸗ bauern und verlangte ungeſäumte Oeffnung aller Käſten und Schränke des Hauſes, weil gegründeter Verdacht vor⸗ liege, es möchten ſich noch mehrere der geſtohlenen Effecten hier vorfinden. Als nach genauer Unterſuchung ſich nichts vorgefunden hatte, entfernte ſich der Commiſſär mit dem Bedeuten, daß der Georg deſſenungeachtet noch nicht los⸗ gelaſſen werden könne.
(Fortſetzung folgt.)
Friedberg den 30. November 1848.
Dieſe Woche hatten wir wieder ganz unerwartet einen Militär⸗Wechſel. Das ſeither bei uns anweſende 2. Ba⸗ taillon des 3. Regiments marſchierte geſtern Morgen von hier nach Darmſtadt ab, und geſtern Mittag um 4 Uhr zog das erſte Bataillon des 2. Regiments mit Stab und Muſik, zur größten Freude der Bewohner, bei uns ein.
Heute ſieht es aber gerade bei uns aus, als ſollte unſre Stadt in Belagerungszuſtand geſetzt werden; an allen Eingängen werden Strohütten gebaut und mit Wache be⸗ ſetzt, auf dem Rathhauſe iſt die Hauptwache eingerichtet u. ſ. w. Jedenfalls ſoll es zur Uebung für das Militär dienen, denn käme ein ſolcher Zuſtand jetzt in Wirklichkeit über uns, ſo könnte es blos deßwegen ſein, weil wir keinen Kravall gemacht haben.
An die Bewohner Friedbergs.
Mehrmals ſchon haben die Bewohner hieſiger Stadt ihre Liebe zur zarten Jugend, ihre Theilnahme an der zum Beſten derſelben auch unter uns gegründeten Klein⸗ kinder⸗Bewahranſtalt höchſt erfreulich und dankens⸗ werth dadurch bethätigt, daß ſie die Mittel aufbrachten,
eine einfache Chriſtbeſcherung fuͤr die ſie beſuchenden Kleinen zu veranſtalten. Sollte ihnen für dieſes Jahr der ver⸗ einigte Jubel derſelben verloren gehen? Wer mit„Nein⸗ antwortet, weil ſein Herz ihm verbietet, das Alter der Unſchuld am Weihnachtsfeſte den Druck der Zeit entgelten zu laſſen,— der wolle ſeine Beiſteuer an Geld oder ge— eigneten Chriſtgeſchenken jeder Art, und auch das geringſte Scherflein wird mit Dank hingenommen werden, — an eine der Vorſteherinnen der gedachten Anſtalt(Frau Major Keim, Frau Bürgermeiſter Bender, Frau Pro⸗ feſſor Dieffenbach, Frau Hauptmann Wolf, Frau Apotheker Wahl) ſobald wie möglich abliefern! Friedberg den 24. November 1848. In Auftrag Dr. Sell.
An die Bewohner der Wetterau.
Robert Blum, der wackere Kämpfer für unſere Freiheit,— der Mann groß an Wort und ſtark an That, iſt am 9. November in Wien ermordet worden!—
Der vaterländiſche Verein aus beiden Heſſen hat in ſeiner Sitzung vom 26. November beſchloſſen: eine Geldſammlung fuͤr Blum's Familie zu veranſtalten und fordert deßhalb alle, die die Freiheit von Herzen wollen, zu reichlichen Beiträgen auf.—
Mitbürger! Bleibet eingedenk des erhabenen Beiſpiels dieſes großen Todten und ſucht wie er durch beharrliches Ringen um die Freiheit derſelben würdig zu werden!
Namens des vaterländiſchen Vereins aus beiden Heſſen
Schaub, Präſident. Schweitzer, Schriftführer.
Beiträge nehmen in Empfang und legen darüber öffentlich Rechnung ab: in Windecken, Kaufm. Schmidt und Gaſtwirth Menger; in Heldenber gen, Gutsbe⸗ ſitzer Dott und Gaſtwirth Gruner; in Büdesheim, Rechner Iſer; in Kaichen, Gaſtwirth G. Hörle.
Aufruf!
Bürger aus Stadt und Land! Der„deutſche Volksverein“ und der„Bürgerverein“ in Friedberg haben ſich vereinigt, um gemeinſchaftlich eine Sammlung für die Familie Robert Blum's zu veranſtalten.
Die Unterzeichneten ſind beauftragt Euch aufzufordern, für die Hinterlaſſenen des Mannes, welchem Deutſchlands Freiheit und Einheit zur Herzensangelegenheit geworden war, und der im Kampfe für die Freiheit unterlag, nach Kräften beizuſteuern.
Zur Empfangnahme von Beiträgen ſind wir bereit und werden wir öffentlich darüber Rechenſchaft ablegen.
Friedberg den 1. Dezember 1848.
Namens Namens des deutſchen Volksvereins des Bürgervereins H. Betz. Textor. Ph. Vogt. J. Steinhäußer. Schaub. Krach. Deut ſche Brüder!
Allerwärts in Deutſchland huldigt man dem Deutſch⸗ thume durch eine Liebesgabe an die Hinterlaſſenen des Ge⸗ fallenen Volksmann's Robert Blum. Auch unſere Gegend wird bei ſolcher Huldigung nicht zurückbleiben wollen. Die Unterzeichneten erbieten ſich derartige Liebesgaben zur wei teren Beförderung in Empfang zu nehmen und laden zugleich die Ausſchußmitglieder des 5. Wahlbezirks dieſſeits zur wei⸗
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