Ausgabe 
30.12.1888
 
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gehrt, und sie führen sich auch in solcher Vollendung ein, daß man nicht

umhin kann, sie schön, wunderbar schön zu finden, denn trotz des schweren

Stoffes haftet der Bildung dieser Blüthen durchaus nichts Schweres an,

ja, sie zeigen sogar eine Leichtigkeit in ihren gewellten und gerollten Blumenblättern, über denen es wie ein Flaum, wie ein Schmelz liegt. Und nun gar das Kolorit! Wie herrlich sind jene rothschattirten, sammetnen Mohnblumen, jene feuerfarben strahlende Kresse, und diese Malven, welche, freilich im Widerspruch zu ihren natürlichen Schwestern, in allen modernen grünen Nüancen schillern, jede Malve in sich verschieden getönt, hier olivengrün beginnend und sich in das hellste Pistaziengrün verlaufend, dort moosgrün ansetzend und in's lichte Frühlingsgrün übergehend, oder epheu⸗, auch myrthengrün anfangend und sich in jenes graue Grün ver⸗ lierend, das man bald mit Weiden- oder Schilforün, bald mit Reseda bezeichnet! Aber die duftigen Stoffe leihen sich gleichfalls zu den Blumen, wie uns jene schönen, rosa und weiß wie rosa und gelb panachirten Nelken beweisen, welche zu einer pistaziengrünen Ballrobe bestimmt, oder diese lila Akazienblüthen mit den lila abgestuften Astern, welche sich von einer gelben Moiretoilette abheben sollen. Denn wenn man auf der einen Seite Farben-Uebereinstimmung in Blumen und Kleid liebt, so begünstigt man auf der andern Seite die Farben-Kontraste, und hier bringt man deren oft ganz seltsam zusammengestellte zu prächtigster Wirkung.

Immer noch viel Aigrettensträuße für das Haar, und eine so große Abwechselung darin, daß keiner dem anderen gleicht! Gold oder andere funkelnde Effekte werden oft unter die Blumen gemischt, ferner Schmetter⸗ linge und winzige Kolibris. Ich habe duftige Sternblumen aus Gold⸗ tüll gesehen, aus rosa Tüll, mit Gold umzirkelt, weiter Rosenknospen mit goldenem Kelch, welche sich um ätherische Maraboutfedern schlangen:

alle diese Aigretten unten mit einer kleinen Bandschleife gehalten.

Aber man trägt auch noch andere Formen in Coiffüren: kleine Watteaukränzchen, mit oder ohne Aigrette, und für junge Frauen hat

man zur aus geschnittenen Ball⸗Toilette, zur Diner⸗ wie zur anderen

Abend⸗Toilette zierliche Haar⸗Garnituren hervorgerufen, bestehend aus zwei Blumenspangen oder Blumenbandeaux, welche vorn eine kleine Schnebbe zeichnen und hinten nicht geschlossen werden. Diejenige Spange, welche unten liegt, ist aus Blumen ohne Laub gewunden, diejenige, welche sich oben befindet und durch einen Zwischenraum von vier Centimetern von der anderen getrennt wird, aus feinem Laubwerk, zart und licht und so angebracht, daß die Spitzen der Blätter in die Höhe steigen. Diese Art von doppeltem Halbkränzchen wird ziemlich weit nach vorn in das Haar gesetzt, und man läßt dazwischen das duftige Haar sich kräuseln und

herauslocken, so, als ob die Blumen sich darin versenkten. Das gleiche

Arrangement der Coiffüre stellt man durch Bandelettes in Gold oder Perlen her. Zuweilen hält man dieselben mit einer Schleife aus schmalem 815 zusammen, deren Enden sich dann durch die lockige Haarfrisur mischen.

Denn es ist nicht mehr die hohe Haartracht, welche dominirt, sondern man fängt an, sich den tiefer fallenden von neuem zuzuneigen. Gewiß, man trägt noch immer den verschiedenartig gewundenen Haarknoten auf dem Wirbel des Kopfes, aber neuer, moderner ist der leicht gedrehte oder leicht geflochtene, in den Nacken fallende Chignon mit Kamm, oder die Anordnung aus zwei Flechten, welche mit einem Kamm hochgenommen und auf den Hinterkopf gesteckt werden, um dann schlingenförmig nieder zuhängen Hier wie dort bleibt der Wirbel vollständig frei. Weiter führt man, zumal zur Balltoilette, Haarfrisuren ein, in welchen sich der beider⸗ seitige Geschmack vereint. Sie beginnen mie einem legeren Haarpuff, einem Knoten oder einer Schleife auf dem Wirbel und fallen dann in leichten Gewinden über den Hinterkopf, hier entweder in eine breite, ge lockte Haarsträhne, in drei Locken unregelmäßiger Länge oder in einen leicht geschlungenen Chignon auslaufend, welche Arrangements auf dem Nacken ruhen.

Wie wir schon gesehen haben, sind die Bänder nach wie vor beliebt. Man stellt sie in abstechenden Farben mit Blumen oder Laubwerk zu⸗ sammen und formt reizende Ball-Garnituren für das Haar, das Leibchen und den Rock. So z. B. bildet man entzückende Kränze aus Band schlingen, auf der einen Hälfte von apfelgrünem Sammetband, auf der anderen Hälfte von weißem Faflleband, letztere bedeckt mit hellgrünen Blättern aus jenem feinen Seidenplüsch, welchen man Satin antique nennt, und aus leichtem Stoff(Naturlaub); vorn prangt daran ein voller Blättertuff, überragt von Schleifen aus apfelarünem Sammetband. Die Taillengarnitur, welche man neuerdings wieder häufig in schräger Richtung vorn bis unterhalb der Taillenbiegung anbrinat, besteht, ebenso wie die Rockgarnitur aus Verschlingungen von beiden Bändern, abgeschlossen mit Schleifen oder verknoteten Enden nebst Blättertuffs, auch wohl hier oder dort überlegt mit Blätterranke. Andere derartige Parüren sind aus lachs rosa Failleband und feuerfarben schattirten Sammetrosen komponirt, aus malvenlila und frühlingsgrünen Bändern und Veilchen oder Flieder, aus purpurrothen Sammetbändern und Schneebällen, aus olivengrünen und apfelgrünen Bändern im Gemisch mit weißen Akazienblüthen, aus kreme⸗ farbenen Bändern und rothsammetnen Mohnblumen ꝛc. Wieder andere präsentiren kleine Bouquets, welche durch gewundene Schilfbänder ver einigt werden. Alle Blumen finden dazu Verwendung, und man liebt es, den Ballfächer mit diesen Garnituren in Uebereinstimmung zu bringen.

Aber es wird Zeit, denk' ich, auf die Kleider der nicht tanzenden Damen zurückzukommen. Alle Prunkstoffe, welche die Seiden⸗Industrie nur ersinnen konnte, stehen denselben zu Gebote: die am Eingange er⸗

wähnten Seidenfabrikate, ferner der phosphoreszirende Sammet, welcher

in zwei abstechenden Farben wie ein Chamäleon schillert, die gestreiften

Moires, die Pompadourstoffe: hellfarbige Moires antigues mit großen

Chinéebouquets, zweifarbige Pekings, in Faille und Atlas gestreift, mit durchwirkten Blumen, wie denn überhaupt die Pekings sich in den mannig⸗

faltigsten Streifen⸗Dispositionen geltend machen.

Die Schleppe ist bei solchen Ball⸗Toiletten nicht obligatorisch, doch wird sie gern dazu angenommen, da sie immer ein großesCachet giebt und sich auch leicht auf den runden Kleidern anbringen läßt. Denn alle Schleppen werden gegenwärtig besonders oderunabhängig gefertigt und über den Kleiderrock gelegt, auf welchem man sie mittelst englischer Haken befestigt. Will man ein ausgeschnittenes Ballkleid zu einer ele⸗ ganten Dinerrobe umgestalten, zu welcher die Schleppe unerläßlich ist, so kann man das Leibchen durch einen großen Direktoirekragen mit Revers halb offen formen. Am hübschesten sind diese Kragen aus Sammet, doch müßte in solchem Falle die Schleppe oder die Rockgarnitur aus Sammet sein Anderenfalls ließe sich der Direktotrekragen aus dem ein- farbigen Stoff des Rockes oder der Schleppe herstellen. Man füttert letztere mit Atlas in hellerem Ton oder in abstechender Farbe und giebt ihr im Innern rings einen Rahmen durch einen Tüllbausch in gleichem Kolorit wie das Futter.

Zu derartigen Ball- und Gesellschafts⸗-Toiletten viel Empireleibchen mit Gürtel, doch gleichfalls viel Frackleibchen, mit Taschen auf den Schößen! Trotzdem hat man die Schnebbenleibchen noch nicht aufgegeben, welche man, sind sie ausgeschnitten, mit Draperien, sind sie hoch, mit Revers Direktoire ausstattet.

Die Gesellschaftskleider aus einfarbigen Seidenstoffen und Spitzen er⸗ halten sich in unveränderter Gunst. Man schmückt sie häufig mit Schleifen aus Sammetband aus. Ebenso bleiben die weißen und die elfenbein⸗ gelben Spitzenkleider in der Mode. Man giebt denselben neuerdings einen Kragen oder eine Krause aus gleichnüanzirten Straußfedern und um die Aermel entsprechende Bordüren. Das ist von sehr duftigem und jugendlichem Effekt.

Ueberhaupt tragen die jungen Mädchen zu festlichen Gelegenheiten viel Weiß, zumal in leichten Wollengeweben. Um derartige Kleider ele⸗ gant zu gestalten, verziert man sie mit scharf abstechendem Sammet wie: roth, granatbraun, myrthengrün, moosgrün, dunkelblau; oder man stattet dieselben mit einem farbigen Untergewand aus. Andere weiße Wollen⸗ kleider sind an der einen Webekante mit einer bedruckten Bordüre ab gepaßt; sie bringen folglich den Ausputz gleich mit sich und liefern so

nicht kostspielige Anzüge von gefälligem Reiz.

JLose Blätter.

Sylvester.(Siehe Illustration.) Vom neuen Jahr erwartet die hoffende Menschenseele neues Glück. Die Stunde, welche unsere Zeit⸗ rechnung als Grenze bezeichnet hat zwischen dem alten und neuen Jahre, wird daher von den meisten Sterblichen in jener Stimmung verlebt, welche der Enthüllung eines Geheimnisses vorauszugehen pflegt. Man fragt sich: Was wird das neue Jahr bringen? Gutes oder Böses, Leid oder Freude? Um den Schleier zu lüften von den Ereignissen der kommenden Tage, haben naive Gemüther von Alters her ihre Zuflucht zu allerlei Orakeln genommen. Die Sylvesternacht hielt man für zauber⸗ kräftig. Man achtete auf Träume, man legte Karten und goß Blei, man suchte im Wasserglas durch Krystallisirung gewisser Substanzen besondere Figuren zu erhalten, aus denen sich das Schicksal deuten ließe. Auch jene Mädchen, welche der böhmische Maler Wenzel Tornoe uns im Bilde vorführt, befragen das Orakel in der Sylvesternacht. Was sie zu⸗ nächst wissen wollen, ist leicht zu errathen. Ob ihnen ein Gatte bescheert sein wird, das ist die Kapitalfrage der Zukunft. Kein Orakel wird ihnen die Frage lösen können. Die Schicksalsgöitin läßt sich weder durch List noch durch Gewalt ihre Geheimnisse entreißen und so werden auch die Schönen ihre Sehnsucht bändigen und die Ereignisse des neuen Jahres geduldig abwarten müssen..

Chin⸗sische Neujahrswünsche Die Mode der Neujahrswünsche be⸗ steht in China seit undenklicher Zeit. Die Glückwunschkarten sind ziemlich groß und mit Bildern versehen, welche die drei vorzüglichsten Gegen⸗ stände des Glückes nach chinesischer Ausicht vorstellen, nämlich einen Erben, ein Staatsamt(oder Beförde ung) und ein langes Leben. Diese drei Wünsche sind durch das Bild eines Kindes, eines Mandarinen und eines alten Mannes neben einem Schwane, dem Symbol des langen Lebens, ausgedrückt. Aber nicht bloß Wünsche tauschen die Chinesen zu Neujahr gegen einander aus, sondern auch Geschenke, welche gewöhnlich in Leckereien, seltenen Früchten, Bonbons, vorzüglichem Thee und bis⸗ weilen in Seidenzeug zu Kleidern bestehen. M.

Der abgefertigte Schmeichler. Cimarosa, dem berühmten Componisten, schmeichelte ein unbedeutender Maler durch das Geständniß, daß er ihn über Mozart stelle.Was würden Sie sagen, entgegnete der bescheidene Künstler,wenn ich Ihnen über Raphael den Vorzug einräumte?

7.* Nun ruhen alle Wälder! Ein Gutsbesitzer, der seine großen Schulden durch immerwährendes Holzschlagen zu decken suchte, fragte eine Dame kurz vor seinem Tode, zu welcher Grabschrift sie ihm wohl rathe? Eröffnen Sie, antwortete die Dame,die Grabschrift mit dem Motto: Nun ruhen alle Wälder! 3 M.

Richt gelogen. Ein Soldat kam etwas angetrunken in die Kaserne. Wo hast Du Deinen Säbel gelassen? fragte ihn der Hauptmann. Ach, Herr Hauptmann.Nun was?Ich war so ver⸗ drießlich, so ärgerlich Herr Hauptmann, wenn ich's denn sagen soll, ich war so unzufrieden mit mir selbst, daß ich mir den Sähel durch den Leib gejagt habe. Er hatte ihn verkauft und das Geld vertrunken, gelogen hatte er also nicht. M.

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