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1 Am nächsten Tage begab sich Ludwig in der That nach Mirewicz' Wohnung. Dort theilte ihm das Dienstmädchen mit, daß der Herr ausgegangen sei. Ozymski wollte bereits den GHHeimweg antreten. Kaum hatte jedoch Paula seine Stimme erkannt, als sie eiligst aus ihren Gemächern kam und den lang vermißten Freund herzlich willkommen hieß. Ludwig Ozymski wurde sichtbar verlegen. Sie gingen in das Wohnzimmer und setzten sich.

Warum sind Sie so lange uns fern geblieben?“ rief Paula. „Und wie haben Sie sich verändert, mein Herr!“

„Mein Fräulein, Sie sehen heute ebenfalls so traurig und— so bleich aus.“

Ich hatte gestern großen Aerger.“

Mit verschleierter Stimme erzählte sie ihm die Veranlassung und den Hergang des gestrigen Streites mit Johann. „„Seit einiger Zeit hat er sich verändert und ist ein Pedant geworden,“ klagte sie,„und er scheint sich zu einem Tyrannen ausbilden zu wollen. Freilich haben ja die Frauen nichts Anderes zu erwarten, als von den Herren tyrannisirt zu werden.“ Sie sprach noch lange Zeit über dieses Thema, allein Ludwig var gegen all' ihren Zauber gefeit, erhob sich rasch, und indem er eine ungeduldige Bewegung mit der Hand machte, sagte er: Johann ist weder ein Pedant, noch ein Tyrann, er ist der beste NMensch von der Welt. Seine Unzufriedenheit und seine häufige BVerstimmung haben vielleicht einen andern Grund, eine andere Geranlassung.“

Gern stimmte Paula in das Lob des jungen Mannes ein, soch fügte sie hinzu, daß sie niemals sich dazu verstehen würde, cgend einem Zwange sich zu unterwerfen und drückende Fesseln zu bagen, wie Mirewicz solches verlange.

„O Herr Ludwig, wenn Sie an Johann's Stelle wären,“ if sie aus,„dann würden Sie gewiß anders handeln! Ich bin überzeugt, Sie würden solche Forderungen nicht stellen.“

siese Worte berührten, welchen Sturm sie in seinem Herzen leraufbeschworen! Er kam sich vor wie eine Taube, welche in ke Krallen des Habichts gerathen ist. Er warf einen scheuen Flick nach ihr hin, aber er beherrschte sich und schwieg. Er llickte zur Decke empor, dann schaute er ringsum, sah auch die arte Hand in den Falten des schwarzen Kleides, aber er ergriff keselbe nicht, sondern nahm seinen Hut, welcher auf dem Tische g, und sprang mit finster zusammengezogenen Augenbrauen om Sessel auf. „Ich bedauere, Sie schon verlassen zu müssen,“ sagte er mit gedämpfter Stimme.

N

zu den

Oberhessischen Nachrichten.

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Gießen, den 25. November.

Wenn er an Johann's Stelle wäre! Wie eigenthümlich ihn

Seifenblasen.

Erzählung von Eliza Orzeszko. Deutsch von Johanna Ruhe. (Schluß.)

In diesem Augenblicke hörte man an der Thür läuten, im Vorzimmer vernahm man zwei Männerstimmen, und bald darauf trat Mirewicz mit einem fremden jungen Herrn ein. Der junge Mann konnte höchstens zwanzig bis dreiundzwanzig Jahre zählen, war groß und schlank, hatte blondes Haar und ein hübsches, frisches Gesicht und trug elegante Kleider, mattlilafarbige Glace— handschuhe.

„Herr Julian Krzycki— Herr Ludwig Ozymski,“ stellte der Hausherr die beiden jungen Leute einander vor.

Paula erhob sich langsam vom Sopha und stand bald in ihrer ganzen Schönheit vor dem Fremden da.

„Ihr Name ist mir nicht unbekannt, mein Herr,“ begann sie. Der Edelhof des Herrn Krzycki lag nahe bei meinem väterlichen Gute, und ich erinnere mich noch recht gut, daß ich in meiner Kindheit in dem schönen Parke oft gespielt habe.“

„Ich bin der jetzige Besitzer von Krzywina, welches Ihnen früher so gut gefallen hat, gnädiges Fräulein,“ entgegnete der junge Mann mit französischem Accent.

Er legte seinen Hut neben den Stuhl auf die Erde, was hinlänglich bewies, in welch' eleganter Schule er gewesen war. Sein blasses Gesicht schien sich rosig zu färben, und seine Augen ruhten fortwährend auf Paula's schöner Gestalt. Die Unter⸗ haltung drehte sich um Allgemeines.

„Sind Sie schon lange in Ongrod, gnädiges Fräulein?“ fragte der junge Mann.„Ich bin sehr selten hier gewesen, und seit einem Jahre komme ich heute zum ersten Male wieder hierher. La petite ville ne semble pas avoir rien de très attrayant.“

„Si!“ rief Paula und fing an in französischer Sprache Ongrod zu schildern. Schließlich schien der junge Mann seine Mission, die ihn nach Ongrod geführt, ganz vergessen zu haben. Mire⸗ wicz jedoch sprach gerade zu seinem Freunde Ozymski davon, als sie sich in den kleinen Salon begaben.

„Arme Paula, ihre Mutter fühlt sich sehr schwach,“ sagte er,„und sie hat Herrn Krzycki gebeten, ihre Tochter in jedem Falle mitzubringen. Sie wird sich grämen, daß sie so schnell abreisen muß.“

Ludwig wurde infolge dieser Nachricht sehr traurig.

„Wer ist denn dieser Herr Krzycki?“ fragte er.

„Nun, er ist ein selbstständiger und reicher junger Mann. Seine Eltern starben früh, und seit seinem zwanzigsten Jahre lebt er auf seinem Gute und tritt sehr nobel auf.“

„Und in welchem Verhältniß steht er zu ihrer Mutter?“

„Paula's Vater war sein Güterdirektor, und ihre Mutter lebt jetzt auf einem Vorwerk und steht gewissermaßen dem Haus⸗ halte des jungen Julian vor.“

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