Ausgabe 
2.12.1888
 
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auf dem Gebiete des Magnetismus, Galvanismus und der Magneto⸗ Elektrizität; es find die Studien, deren Resultat schließlich die Ent⸗ deckung der Galvanoplastik und die technische Anwendung der Mag⸗ neto⸗Clektrizität als bewegende Kraft war. Wir können hier den Inhalt dieser Briefe, welche für den Laien wenig interessant sind, nicht mittheilen; wir wollen nur erwähnen, daß sie durch die ausführliche Schilderung der vielen kleinen und subtilen Versuche so recht deutlich den Beweis liefern, daß Entdeckungen auf wissen⸗ schaftlichem Gebiete nicht, wie das vielfach geglaubt wird, mit Leichtigkeit zu machen sind, sondern daß eine lange Reihe von oft schwierigen und scheinbar unbedeutenden Experimenten dazu gehört, und daß der Weg zu dem erstrebten Ziele nicht in Sprüngen, sondern schrittweise zurückgelegt werden soll.

So hat Jacobi, in hunderten von Versuchen unentwegt dem Ziele zustrebend, endlich die Methode gefunden, das Kupfer auf galvanischem Wege in fester Form niederzuschlagen und so auf mechanischem Wege Nachbildungen zu liefern, welche dem Original in vollkommener Weise entsprechen. Der Ruf dieser Erfindung, welche auf dem bis in fremdes Land vorgeschobenen Posten deutscher Wissenschaft gemacht worden war, verbreitete sich schnell durch die

ganze Welt, und die russische Regierung meinte, daß sie einen

Gelehrten, welcher in so vortrefflicher Weise die Wissenschaft dem praktischen Leben dienstbar zu machen verstand, besser in Peters burg als in Dorpat gebrauchen könne; und so wurde er gleich nach seinen ersten Resultaten auf dem Gebiete der Galvanoplastik nach Petersburg an die kaiserliche Akademie berufen. Von hier aus verschickte er erst eine ausführliche Arbeit über seine Ent deckung; es gestatteten ihm aber auch die reichen Mittel, welche die russische Regierung dem Gelehrten zu Gebote stellte, seine Versuche zur Benutzung der Elektrizität als bewegende Kraft fort zusetzen, und wenige Monate, nachdem er der industriellen Welt ein fürstliches Geschenk mit der, durch keinerlei Patent der all⸗ gemeinen Benutzung entzogenen Galvanoplastik gemacht hatte, gelangte er zu dem gewünschten Resultat: er fuhr zum Staunen der Petersburger auf der Newa in einem Boote spazieren, dessen Räder durch eine magneto-elektrische Maschine gerrieben wurden, so den Beweis liefernd, daß der Clektro-Magnetismus sehr wohl als bewegende Kraft für Maschinen benutzt werden könne, wie er dies schon in seiner im Jahre 1835 erschienenen Schrift be hauptet hatte.

So sind denn in diesem Jahre fünfzig Jahre verflossen, daß die Technik durch zwei Erfindungen bereichert wurde, welche, in ihren Wirkungen ganz verschieden, doch beide nichts anderes sind als Kraft-Aeußerungen der Elektrizität, jener seit dem Alterthum bekannten, aber bis dahin technisch unbenutzten Kraft. Heute mag es allerdings Manchem wunderbar erscheinen, daß es eine Zeit gab, wo die Elektrizität, welche wir heute als eine allzeit bereite Dienerin des Menschengeschlechtes zu betrachten gewohnt sind, zu keinerlei praktischen Zwecken benutzt wurde; wo man die Elektrisir⸗ Maschine als einen interessanten physikalischen Apparat betrachtete und die chemische Wirkung des Stromes als ein interessantes Ex periment durch die Zersetzung des Wassers zeigte. In dieser Zeit der absoluten Unkenntniß der technischen Bedeutung der Elek trizität trat nun plötzlich Jacobi mit zwei so bedeutungsvollen Erfindungen hervor; das Aufsehen war ein kolossales, und der neue Stern am Himmel der deutschen Gelehrsamkeit erstrahlte in hellem Licht.

Sehr verschieden aber war für's erste der Erfolg der beiden Erfindungen; während die Galvanoplastik schnell aus dem engen Raum des Laboratoriums in die Welt hinausgetragen wurde und sich ganz neue Industriezweige auf ihr aufbauten, war Jacobi mit der Anwendung des Elektro-Magnetismus als bewegende Kraft ganz entschieden der Technik seiner Zeit vorausgeeilt. Die Spazierfahrt auf der Newa in dem elektromagnetischen Boot blieb Jahrzehnte hindurch eineinteressante Thatsache, welche man. leider nicht in der Technik verwerthen konnte; erst vierzig Jahre später gelang es unserem genialen Werner Siemens, die technischen Schwierigkeiten zu überwinden und durch Vorführung der elek⸗ trischen Eisenbahn der Welt den Beweis zu liefern, daß man den Elektro-Magnetismus sehr wohl als bewegende Kraft an wenden könne.

Es liegt uns fern, dadurch, daß wir an die Uranfänge der heutigen Erfindungen erinnern, die Verdienste unserer Zeitgenossen

schmälern zu wollen wir meinten nur, daß wir auch derer ge⸗

denken sollen, welche schon vor fünfzig Jahren die Bedeutung 5 4 Elektrizität für die Technik erkannt hatten und bestrebt waren, sie praktisch zu verwerthen. 6.

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W. r

Kleine Frauen-Zeitung.

Die Mode.

Wenn ich in meinem Bericht über Dinge spreche, welche ich schon mitgetheilt, so will es mir scheinen, als ob ich mich wiederhole, und ich zögere, denselben Gegenstand wieder aufzunehmen. Indessen, wie mir verschtedene Anfragen unserer alten wie neu hinzugetretenen Abonnentmnen beweisen, habe ich doch so Manches nicht hinreichend erörtert, und es folgt daraus, daß das, was für die einen bereits bekannt, für die anderen ganz neu ist, und da ich gerechterweise die Forderungen einer jeden be⸗ rücksichtigen muß, so komme ich heut zuerst auf die wollnen Py i stoffe zu Kleidern zurück, welche in dieser Saison reichhaltiger als je sind.

Die Redingotes und die einfachen Rock-Draperien, so verschieden sie geartet sein mogen, bieten in ihren Formen doch nicht eine jo große Mannigfaltigkeit wie die Raffungen fruherer Zeit. Man muß daher, um nicht in Eintonigkeit zu verfallen, dieIdee in den Stoffen selbst finden und künstlerische Wirkungen in den Komomationen hervorzubrungen suchen. Die bunt durchwirkten Kaschmir- und Palmenstoffe, auf welche ich schon früher einmal hingewiesen, sind zu den elegantesten Garnituren auf ein⸗ farbigen Wollenkleidern erhoben worden, und man verwendet sie in gleicher Art, wie die Stickereien auf den Toiletten aus Seide oder Sammet. Jene Stoffe sind entweder durchgehends gemustert oder bordürenarug ea sei es, daß die Bordüren der Länge oder der Quere nach gehen. gesammt dienen sie zu dem ersten Rock und zu den verschtedenen Zier⸗ rathen des Leibchens oder der Redingote. Da hat man den Rock z. B. einfarbig, nur um den Saum mit emer breiten Bordüre in buntem Genre, gänzlich mit Borduren versehen, deren untere sehr breit gehalten ist, und deren folgende sich allmahlich in der Breite abstufen, so daß die obere ganz schmal erscheint. Dieses Arrangement bildet ein hübsches Tablier zu Redingotes, allein ich rathe es nur schlanken und großen Damen, da Quer-Garnituren die Figur immer etwas Als allgemeine Regel gilt, daß die Redingote oder das Leibchen aus ein⸗ farbigen Stoff sein mussen, welcher den Grundton des brochirten Ge⸗ webes wiederholt.

Mit dieser Mode sehen wir all' die zarten Farben Indiens, welche in den alten Kaschmirs so geschatzt waren, wieder erscheinen: die un⸗ bestimmten blauen Nüancen, das Empire-Grün, welches kein anderes als das indische Kaschmirgrun ist, die duntelrothen Töne bon reizendem ein blaues Schwarz und ein violettes Schwarz, welche beide alle anderen Farben so rahlend hervortreten lassen, endlich jenes glänzende Gelb, das, ohne schreiend zu sein, nur in orientalischen Geweben existirt. Was das letztere betrifft, so kann es selbstverständlich nur im Muster oder in einem bedeckten Fond sich geltend machen, denn die einen derartigen Rock be⸗ gleuende Redingote dürfte selbstverständlich nicht gelb sein. Man hat sich indeß an die genannten Grundfarben nicht allein gehalten. Die Schattirungen, das Tabakbraun, Heliotrop, Mastix, Mandelgrun, Braun roth, capuei und capueme(man unterscheidet hiermit namlich das Braun der Kapuzinerkutte und das warme röthliche Gelboraun der ind N Kresse), Nakarat und noch verschiedene andere Tone sind ebenfalls sichtbar.

Die Kaschmirstoffe, deren Fond durch das Muster ganz bedeckt, u. sich oft nochstilboller aus, als die abgepaßten, zumal wenn der weiß ist. Ein solcher Stoff bringt in der Oeffnung der Redingote einen der glücklichsten Effekte hervor. Da jedoch die Redingote in dieser für den Promenaden oder Besuchs-Anzug nicht weiß sein kann, so wa man sie in einer Farbe, welche am besten mit dem Kaschmmmufter monirt, und man fertigt den Kragen, die großen Revers und die aus dem weißgrundigen, ramagirten Stoff. Zuweilen fügt man einen doppelten Aermel hinzu, einen engen aus dem bunten Kaschm und einen weiten, geoͤffneten Aermel aus dem einfarvpigen Stoff. dem GenreKaschmir, welches ein hervortretender Zug der dies Wintermode ist, degunstigt man zum Ausputz der schoͤnen Wollen a der feinen Tuche, der Seide und des Sammets je nachdem die ganze Serie der Soutache- und Applikations⸗Stickeretien, der Seiden und Per Stickereien, denen sich noch Spitzen, Passementerien und Pelzwerk

Die Soutache, grob geflochten, wird immer eu relief, stehend, gesetzt. Man bedeckt mit ihren Verschnürungen Westen, Rock-Einsatztheile ze. Das soutachirte Tuchtoftum wird vielfach un Genre arde-trangaiser gefertigt, mit Jaquetteleibchen und mit breiter Saum Bordüre oder mit Quilles, alles in reicher und dichter Verschnürung. schwarz auf rothem, blauem, beigefarbenem, schlangengrünem,. und chaudron⸗farbenem Grunde. Man verbramt es dazu auch mit moirtrtem Astrachan,Karakoul genannt, und vollendet das durch eine kleine Toque in Turbanform, welche in Stoff und genau mit demselben übereinstimmt; die Toque erhält außerdem einen kleinen Panache schwarzer Straußfedern, welcher sich weit vorn neigt. 5 Da ware ich bei den Kopfbedeckungen aus Tuch angelangt, welche N eine sehr beliebte Mode geworden, vornehmlich in der. 1 wie in der Kapoteform, während zu den runden Hüten wie zu den 8. im GenreHalbkapote vorzugsweise Filz, doch auch viel Sammet Verwendung finden. Beide Matarialien sind freilich ferner e a

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den vorbenannten Fafons vertreten, aber das Tu