Ausgabe 
12.6.1887
 
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191.

vorgelesen hatte.

schreiben.

Turban versehener Priester, der dem General soeben aus der Bibel In einem Halbkreise umgaben diesen etwa zwölf höhere Offiziere. Die ganze Gesellschaft machte den Eindruck, als ob sie der Flasche tüchtig zugesprochen hätte und der General war kaum im Stande, die kleinen trüben Augen zu öffnen. Er nickte leicht mit dem Kopfe, reichte den Reisenden die Hand und ließ sie sich setzen. Lohse's Diener legte die mitgebrachten Geschenke zu den Füßen des Generals, der seinen Dank mit einem gnädigen Kopf⸗ nicken zu erkennen gab. Lohse hatte erfahren, daß Ras Alula Ab⸗ synth und Wermuthwein am meisten liebe und davon beträchtliche Mengen mitgenommen. Im übrigen bestanden die Geschenke aus einem Hinterlader⸗Gewehr mit Patronen, Seidenzeug, Rosinen und Teppichen. Ras Alula ließ darauf durch den Dolmetscher nach der Nationalität der Fremden fragen und verlangte die Empfehlungs- Diese wurden dem Sekretär übergeben, der sie dem General, zu dem er sich herabneigte, leise vorlas. Ras Alula schien davon wenig befriedigt zu sein, denn er wunderte sich sehr, daß unter denselben ein Brief des Deutschen Kaisers fehle. Kurz an⸗ gebunden ließ er nunmehr den Reisenden sagen, daß er ihnen ohne besondere Erlaubniß seines Königs den Aufenthalt in seinen Ge bieten nicht gestatten könne.

Nach der freundlichen Antwort und Einladung von Ras Alula, in welcher es hieß:Du bist uns willkommen und brauchst nichts zu fürchten, wenn Du in mein Land kommst; Du kannst meiner Freundschaft versichert sein, hatte Lohse solche schnöde Abweisung nicht erwartet. Er bat den Dolmetscher, auf die großen Kosten der Vorbereitung und die friedliche Mission hinzuweisen, die ihn in das Land führe doch vergeblich. Ras Alula hatte nur ein Wort darauf und das lautete Nidus mache, daß Du fort⸗ kommst. Damit endete die Audienz. Der General blieb un⸗ erbittlich, gestattete den Aufenthalt in Asmora indessen für einige Tage, damit die Fremden sich von den Strapazen der sechstägigen Reise erholen konnten und erwiderte die empfangenen kostbaren Geschenke mit der Uebersendung eines mageren Ochsen und einer alten Kuh, welche bei ihrer Rückkehr in Massauah für wenige Maria ⸗Theresien⸗Thaler verkauft wurden.

Gebrüder Reiche hatten schon mehrere Expeditionen nach Afrika, selbst nach dem südlichen Abessynien, unternehmen lassen, indessen so wie diese war keine verunglückt.

Lose Blätter.

Die Nase. Nach des Historienmalers Sophus Schack lauch dänischer Major)Phystognomie bei Mensch und Thier steht die Nase im Zusammen⸗ hange mit der Entwickelung der Lunge und der Brust. Deshalb finden wir auch bei den heroischen Statuen der griechischen Künstler große Nasen⸗ löcher, da das beftige Athmen diese erweitert. Auch trägt die Erweiterung der Nasenlöcher viel zur Stärkung der Stimme bei, daher mächtige Bassisten große Nasen besitzen. Beim Kinde ist die Nase der unbedeutendste Gesichts⸗ theil; mit der geistigen Entwickelung wächst sie aber. Bleibt sie zurück, so ist dies auch mit dem Charakter der Fall. Die Gestalt der Nase zeigt auch die Stufe der Civilisation an; denn die wilden Völker besitzen nur kleine und plumpe Nasen, die an die Schnauze des Thieres erinnern. Die Griechen des Alterthums hatten schöne, gerade Nasen, sie vertraten gewisser⸗ maßen die Kunst, die Römer besaßen Adlernasen; ihnen war Gewalt und Herrschsucht zu Theil geworden. So finden wir die griechische Nase bei den meisten Künstlern und Dichtern, die römische bei den meisten Gewalt⸗ habern aller Zeiten, doch bilden Richelieu, Napoleon J., Friedrich der Große Ausnahmen. Aufgestülpte Nasen deuten auf fan und Verschmitztheit, feine auf Zartheit und Geschmack, grobe auf Plumpheit und Urtheillosigkeit.

W. G.

Ueber einen Heirathsantrag, der einst Schiller gemacht wurde, schreibt dieser unter dem 25. April 1788 an seinen Freund Körner:Einen Spaß muß ich Dir erzählen, wenn es noch nicht geschehen ist. Vor einigen Wochen ist durch die vierte Hand die Anfrage aus der fränkischen Reichsstadt Schweinfurt an mich ergangen, ob ich dort nicht eine Rathsherrnstelle mit leidlichem Gehalt, verbunden mit einer Frau mit einigen tausend Thalern, die, setzt man hinzu, an Geistes⸗ und äußerlichen Vorzügen meiner nicht unwerth sei, 1 wolle. Die Stelle soll mich wöchentlich nur zwei oder drei Stunden kosten, und dergleichen Vortheile mehr. Wie ich mich dabei benommen, magst Du Dir leicht selbst einbilden; doch möchte ich eigentlich wissen, wie man auf mich gefallen ist. Da die ganze Sache mehr der Gedanke einiger Privatleute ist und man nur sagt, daß wenn ich mich melden würde, sie mir nicht schwer fallen würde, so erkläre ich es mir so, daß das Ganze eine Idee der Person sein mag, die ich heirathen sollte. Diese hat vielleicht einige Lektüre, die ihr den Menschenzirkel um sie herum verleiden mochte, und da sie nun denken mochte, daß sie mit ihrem bischen

Geld und der Lockspeise einer Stelle einen e fischen könnte, der auch andere Forderungen befriedigt. Der Zufall hat ihr von meinen Schriften einige vielleicht in die Hände gespielt, an denen sie Geschmack gefunden hat, und für einen Juristen hält sie mich ohne Zweifel. So muß ich mir das Räthsel erklären, und der Meinung ist auch Wieland.

W. G.

Der Lapachobaum. Der Lapacho ist der schönste und majestätischste aller Bäume und unsere Eiche kann keinen Vergleich mit ihm aushalten. Aus dem Stamm einer dieser ungeheuren Bäume schnitzte ein Portugiese zu Villareal ein Kanoe, auf welchem 22 000 Pfund Nerba oder Paraguay⸗ thee, einige aus zusammengenähten Häuten bestehende Schläuche mit Syrup, 70 Pack Taback und acht Matrosen, welche die drei Masten und die Segel des riestgen ausgehöhlten Lapachostammes regierten, nach Assumption kamen. Aus diesem Baume werden Fahrzeuge gemacht, die, 50 Jahr alt, noch bei⸗ nahe neu genannt werden können. Sie bleiben fest und unerschütterlich bei allen Stößen, welche sie auf den Sandbänken des Parana empfangen und ebenso wenig schaden ihnen die brennenden Strahlen der tropischen Sonne und die heftigen Regengüsse. In das eisenharte Holz dringt weder ein Wurm noch Fäulniß. In Buenos⸗Ayres werden sowohl die Wagen wie die Dachsparren und die der Witterung sehr ausgesetzten übrigen Holz⸗ geräthe aus diesem Lapachobaume hergestellt. M.

Bestrafter Verrath. Sieben englische Meilen von Killough in Irland liegt die alte Stadt Downpatrick, in der Mitte eines Amphitheaters von Hügeln. Hier sollen der Tradition nach auf dem Kirchhofe bei der Kathedrale, deren Ruinen immer noch die Stadt überschauen, die Gebeine des Schutz⸗ heiligen von Irland ruhen. An diesen Kirchhof knüpft sich jedoch noch eine andere Erinnerung. De Courcey, früherer Lord⸗Oberrichter von Irland, wurde von König Johann als Verräther angeklagt. Als er, um Buße zu thun, barfuß um den Kirchhof herumging, Pease ihn seine eigenen, von seinen Feinden erkauften Diener an und überwältigten ihn nach langer Gegenwehr. Ihre That fand den verdienten Lohn. Sie wurden in ein Fahrzeug gesetzt, welches sie angeblich nach England hinüberschaffen sollte, doch gab man ihnen, obschon sie mit Lebensmitteln versorgt wurden, keinen Piloten und Steuermann mit, auch gab man ihnen die Weisung, bei Todes⸗ strafe nie wieder einen Fuß auf irischen Grund und Boden zu setzen. Der Geleitbrief, welchen man ihnen mitgab, um sie der Gunst der Engländer zu empfehlen, war versiegelt und durfte nicht früher erbrochen werden, als sie englischen Boden betraten; derselbe lautete folgendermaßen:Ich, Hugh de Lacy, Lord⸗Oberrichter von Irland, Diener meines gefürchteten Oberherrn, Königs Johann, Allen, welche dieses Schriftstück lesen, meinen Gruß! Wisset, daß diese Leute, deren Namen am Schlusse verzeichnet sind, einige Zeit dem Sir John de Courcey, gewesenen Grafen von Ulster, gegenwärtig im Tower in Haft, gedient, ihn aber für eine Summe Geldes in meine Hände ge⸗ liefert haben. Sie sind in meinen Augen nicht besser als Judas, der Ver⸗ räther. Wie hart ich auch über de Courcey urtheile, so halte ich die se doch für zehnmal ärgere Verräther, weshalb kein Unterthan in des Königs Reich ihnen Schutz angedeihen lassen möge, sondern ihnen ins Gesicht speien und sie ausstoßen soll, damit sie umherwandern mögen, wie der ewige Jude. Die Verräther fanden jedoch keine Gelegenheit, von dem Geleitbrief Gebrauch zu machen, unbekannt mit der Führung des Fahrzeuges, wurden sie nach Irland zurückgetrieben und nachdem sie in den Hafen von Kork eingelaufen, sogleich festgenommen und, wegen Uebertretung des Verbots, sämmtlich aufgehängt. M.

Voß und Lichtenberg. So wohlbekannt der Uebersetzer Homers und der Satiriker Lichtenberg dem deutschen Volke sind, so wenig kennt man den Streit, den die Beiden führten und der an Heftigkeit kaum seinesgleichen besaß. Die Quelle war die Orthographie des Griechischen, oder besser dessen Aussprache; denn Voß bestand auf dem Etacismus, dem Erasmus von Rotterdam das Wort geredet, Lichtenberg auf dem Itacismus, die Reuchlinsche Aussprache. Zwei Epigramme rühren aus dem sonst uner⸗ quicklichen Streite her. Voß dichtete auf Lichtenberg:

Sein Witz Schärft Pfeile nadelspitz; Selbst keine Zauberrüstung schützte, Wenn er den Pfeil der Wahrheit spitzte; Doch witzelnde Sophisterei Prallt ab wie spitzes Blei. Lichtenberg antwortete auf dieses Epigramm mit einem anderen: Die ganze Spitz ist's Wörtchenspitz, Der ganze Witz das WörtchenWitz; Drum hat trotz seinem Witz und spitz Das Ding so wenig Spitz' als Witz. W. G. 2

Ein Kompliment. Ein Schriftsteller, der sich auf seine literarischen Kenntnisse viel einbildete, kam zu dem bekannten Humoristen M. G. Saphir mit dem Manuskript einer Komödie, um sie ihm vorzulesen und sagte: Sie wissen, Herr Saphir, daß, wenn Moliere ein Stück geschrieben hatte, er es einer alten Frauensperson vorlas, welche bei ihm diente. Er meinte, daß die Stellen, welche der alten Frau Gelächter erregten, dieselbe Wirkung später bei den Zuschauern hervorrufen würden. Deshalb will ich Ihnen mein Schauspiel vorlesen, nicht zweifelnd, daß, was Ihren Beifall findet, allen Lesern gefallen werde.Ich danke Ihnen vielmals für Ihr schönes Kompliment, erwiderte Saphir,aber so lange Sie nicht Moliere sind, werden Sie mir erlauben, nicht Ihr altes Weib fein zu wollen. M.