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geworden?“„Die Frau Kommerzienräthin hat ihren falschen Zopf vergessen, hahaha!“„Wo befestigt man diesen Orden?“ so tönten jetzt die heiteren Stimmen der Anwesenden in übermüthiger Laune durcheinander.
„Er hat das Etui verloren!“ jammerte Frau Rath.
Aber im Unglück zeigt sich erst die Größe eines Menschen. „Hier, Herr Auskultator,“ sagte ernst und würdevoll der unglückliche, beraubte Ordensritter, indem er dem betroffen dastehenden Vertreter des Jus den dunkeln Haarbusch in die offene Weste schob,„bewahren Sie ihn zur Erinnerung an Ihr erstes Spitzbubendebüt, und möge dieser schwarze Zopf sie stets daran erinnern, daß man seine Hände nicht in fremde Taschen stecken soll!“ Er wandte sich zum Gehen. „Kommt in den Saal, meine Freunde. Wir erregen hier bereits Aufsehen.“ 5
„Herr Kommerzienrath!“ rief Franz, indem er dem Erzürnten lebhaft den Weg vertrat, und mit seiner Rede die größte Heiterkeit der Gesellschaft erregte,„ich schwöre es: Ihr Orden befindet sich in der Paletottasche des Friseurs. Todt oder lebendig schaffe ich diesen Piefke noch heute zur Stelle, und wenn ich ihn bis an's Ende der Welt verfolgen sollte. Auf nach Charlottenburg!“
„Er kann das Etui verloren haben,“ jammerte Evchen,„wenn
die Tasche nun ein Loch hatte?“ „Gut,“ lautete die erregte Antwort,„aber das Loch muß mir erst bewiesen werden. Ich nehme die Untersuchung selbst in die Hand.“ Wie eine Windsbraut stürzte der Auskultator dem Friseur nach, welcher seinerseits mit Brenneisen, Kämmen, Bürsten und, ihm selbst unbewußt, mit dem Orden des Kommerzienraths, fried⸗ fertig auf der Pferdebahn saß, die nach Charlottenburg fuhr. Unsere Gesellschaft begab sich endlich unter lauter Heiterkeit über die seltsamen Ereignisse in den Ballsaal.
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Mitternacht war herangerückt; Evchen schluckte fortwährend Thränen herunter und die Frau Kommerzienräthin blickte neidisch auf jeden schwarzen Frack, der nur mit dem kleinsten Ordensschmuck versehen war, indem sie dabei traurig des verwaisten Knopfloches ihres armen Gatten gedachte, der so unverschuldet um den Triumph des Abends gekommen war. Aber der Rath fand einen Trost darin, mit einigen Freunden dem bekannten Monopol zuzusprechen, in dessen Anerkennung alle Politiker des Reichstages einig sind, dem Heidsick Monopole. In den süßen Tropfen dieses Göttertrankes löschte er nicht nur seinen Durst— welcher alle Ballväter aus— zeichnet— sondern auch allgemach die Erinnerung an den fatalen Umstand, daß der Traum seines Ehrgeizes in der Paletottasche Piefke's begraben liege.
Zehn Minuten vor zwölf Uhr trat Franz athemlos an seinen Onkel heran.„Komm schnell, Onkel, ich hab' ihn. Ueberzeuge Dich nun selbst.“
Beide eilten aus dem Saale. bleiche und vor Schrecken schlotternde Piefke. Paletots waren umgekrempelt.
„Herr Rath, man hat nichts bei mir gefunden,“ stammelte er trostlos,„der Herr Auskultator muß sich geirrt, oder ich das Etui in der Pferdebahn verloren haben. Gott! Gott! lassen wir den Orden nur morgen gleich in die Zeitung setzen. Für ein gutes Trinkgeld bringt ihn Jeder wieder.“
Mit einer wahren Berserkerwuth hatten sich nun Onkel und Neffe an's Untersuchen begeben. Franz schüttelte den armen Haar⸗ künstler rechts, der Onkel links. Man visttirte den Beklagenswerthen bis auf's Unterleibchen, seine Taschen wurden abermals um und um gekehrt. Wer weiß, wie lange diese Visitation noch gewährt hätte, wenn nicht plötzlich der Garderobier bemerkt hätte:„War etwa der Paletot defekt, und sollte etwa der Herr Auskultator das Etui an⸗ statt in die Tasche, zwischen das losgetrennte Unterfutter des Reckes und das Oberzeug gesteckt haben?“
„Dann könnte es ja zwischen Futter und Oberzeug ganz hinuntergerutscht sein!“ schrie Piefke.
Franz bückte sich nun rechts, der Rath links; man untersuchte den Unterstoff des Paletots der ganzen Länge und Breite nach, und siehe da!— Franz fühlte endlich das theure Kleinod unter seinen tastenden Fingerspitzen.
„Messer her! Hier steckt's, unter dem Futter!“ rief er. Welch ein Wiedersehen! Das Etui kam ganz am untern Saume
In der Garderobe stand der Alle Taschen seines
des Rockes wieder an's Licht der Welt. Der Orden wanderte endlich aus seiner undelikaten Verborgenheit an die Brust des Kommerzien— rathes.
Mit der neu verliehenen, ihm jetzt doppelt theuren Dekoration stolzirte unser Ordensritter bald darauf strahlend, mit leuchtenden Mienen, durch die glanzerfüllten Festräume des Opernhauses, auf und ab, her und hin, in mitternächtiger Stunde. Als er plötzlich
seiner Ehehälfte, welche den Tanzenden im Ballsaale zuschaute, an⸗
sichtig wurde, trat er hocherfreut an die Räthin heran und flüsterte ihr, auf den Orden deutend, heimlich zu:„Rosinchen, welche Angst habe ich um den Flüchtling ausstehen müssen, ich habe ihn mir— weiß Gott!— erst heute sauer verdient.“ f
Franz und Evchen tanzten aber jetzt überglücklich alle Tänze, die das Orchester aufspielte,, und jagten wie toll durch die Ball⸗ räume; ja, der Auskultator war so übermüthig geworden, daß er einigen befreundeten Referendaren, die ihn fragten, was das für ein Orden sei, den der Onkel plotzlich trage, zur Antwort gab:„Das ist ein mitternächtiger Orden, er darf nur in der Gespensterstunde getragen werden!“
Als aber einer der Freunde weiter fragte:„Für welche Verdienste hat denn der Kommerzienrath diesen Orden erhalten?“ da neigte sich der Auskultator zum Ohre des Fragenden, damit es Evchen nicht hören sollte, und flüsterte lächelnd:„Das mußt Du den Kommerzienrath selber fragen; es hat dies— beim besten Willen! noch kein Mensch ergründen können.“
So rächte sich der Auskultator. schwarzen Zopf nicht vergessen.
Er hatte seinem Onkel den
Lose Blätter.
Rosario de los comicos wurde die berühmte Prozession genaunt, die alljährlich am 2. Juli in Madrid stattfand. Sie wurde von den Schau⸗ spielern mit vieler Pracht ausgeführt und ist kaum seit fünfzig Jahren auf⸗ gehoben. Ein reichgekleideter Herold ritt mit der Fahne des heiligen Stephanus dem Zuge voran, in dem sich noch andere Fahnen befanden, an denen geweihte Rosenkränze hingen. Kein Priester, als die„Brüder⸗ schaft der Todsünde“, durfte diesen Zug der Bühnenkünstler begleiten. Mit Kerzen in den Händen gingen die Ordensangehörigen zu beiden Seiten der Prozession und klingelten fortwährend, so zu reichlichen Spenden ein⸗ ladend. Hin und wieder erhoben sie auch ihre Stimmen zu den Worten: „Opfert! opfert, daß wir Messe für diesenigen lesen, die in der Todsünde leben.“ So geschah es auf Befehl der Ingquisition. W. G.
Der berühmte Hallesche Professor Thomasius besaß einen Hauslehrer, den Kandidaten der Rechte Rüdiger, der ihm eines Morgens erzählte, er wolle umsatteln.—„Weshalb?“—„Mir ist ein Engel heute Nachts im Traum erschienen und sagte zu mir, ich sei würdig, den Acker Gottes zu bestellen. Ich will also ein Geistlicher werden.“—„Nicht doch mein Freund! Ihr babt den Engel falsch verstanden, er hat ohne Zweifel den Gottesacker gemeint, das heißt Ihr müßt Arzt werden.“ W. G.
Der Entwöhnte. In einer glänzenden Soirée zu Paris vereinten die Damen in ihren Toiletten Alles, was Geschmack, Eleganz und Reichthum nur gewähren kann; bei manchen e schien es jedoch, als hätte der Stoff in der Höhe nicht ausreichen wollen. Diese ungebührlich weit aus⸗ geschnittenen Kleider erregten allgemeines Aufsehen.—„Haben Sie je so etwas gesehen?“ fragte Jemand den anwesenden Schriftsteller Merimée.— „Nein,“ antwortete dieser,„seit ich entwöhnt wurde, nicht!“ M.
Schlabrendorf. Wie wenig dazu gehörte, unter der Schreckensregierung in Frankreich den Kopf zu verlieren oder auch zu behalten, läßt sich durch eine Thatsache aus dem Leben des originellen Pariser Diogenes, des Grafen von Schlabrendorf, belegen.— Er sah mit hundert Anderen schon einige Zeit dem Tode entgegen, als eines Morgens, wie gewöhnlich, der Karren kam, die zur Hinrichtung bestimmten Opfer abzuholen. Auch sein Name wird aufgerufen; er murrt und widerstrebt nicht. Er kleidet sich schnell an, aber— die Stiefel sind nicht zu finden. Er sucht sie; auch der Kerkermeister hilft suchen— sie sind nicht da.„Ohne Stiefel kann ich nicht gehen,“ sagte er endlich zum Kerkermeister,„das sehen Sie doch ein; nehmen Sie mich d'rum morgen statt heute, es kann ja auf einen Tag nicht ankommen!“ Der Kerkermeister, von Natur nicht bösartig, willigt in einen unbedeutenden Aufschub von vierundzwanzig Stunden. Ein Kopf mehr oder weniger macht auf dem Karren keinen großen Unterschied.— Am andern Morgen steht der Graf gestiefelt da. Die Machthaber aber glaubten, sein Kopf sei abgethan, und der Kerkermeister fühlte sich nicht berufen, ihn be⸗ sonders anzugeben; er entließ ihn zwar nicht der Haft, aber es dauerte nicht lange, so war Robespierre gestürzt und Schlabrendorf frei wie hun⸗ dert Andere. 5


