Ausgabe 
29.8.1886
 
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darauf baute ich meine Hoffnung, Dich hierher zu schmeicheln. Du hast mir tausendmal gefehlt; denn obgleich das Leben mir hold und verschwenderisch seine Gaben streute, so war mir doch das Herz

unter Deiner Hut etwas zu weich geworden, so daß es sich an

mancher Ecke blutig stieß, die Andre gar nicht gewahrten. Aber trotz der kleinen Schmerzen erscheint mir das Leben heut noch wie damals, da ich so selig seinen geöffneten Thoren zuschwärmte, als ein wundervolles Geschenk, das nur Thorheit oder überfrommer

Eifer hinter düstern Mauern begräbt.

Im milden Abendschein schritten die Beiden nach dem Schlosse. Franz gab dem Freund ein lebensvolles, buntes Bild der verflossenen Zeit, fragte zwischendrein nach den Klostergenossen, nach der Moos⸗ bank unter der Tanne und den Waldtauben, denen er Futter ge streut hatte.

Wie gut Du bist, daß Du aus Liebe zu mir Antheil nimmst an Waffen und Pferden und Falken, sagte er plötzlich, indem er des Mönches Hand ergriff.Doch noch Eins, was das Herz süßer bewegt als Jagd und Kampf, mußt Du mit mir theilen, ach, daß Dein hoher, heiliger Sinn auch dieses Eine verstehen lernte!

Kein Fürst hätte sich einen ehrenvolleren, freundlicheren Empfang wünschen können, als er dem schlichten, bescheidenen Gast bei seinem Eintritt in den Burghof zutheil ward. Der stolze Gehringer kam ihm von der Bank unter der Linde, wo er wartend gesessen, ent⸗ gegen geschritten und bot ihm mit ehrsurchtsvollem Gruß die Hand; die Schloßfrau neigte sich wie vor keinem Waffengenossen ihres Gemahls, vor dem Manne, dessen Liebe und Theilnahme ihres Sohnes Prüfungszeit erwärmt und erhellt hatte; lächelnd und feuchten Auges wehrte Silas die Ehrenbezeugungen ab, mit denen man ihn überschüttete.

Der Jüngling ließ es sich nicht nehmen, den theuren Lehrer, von dessen Seite er nicht wich, heut noch durch alle Räume der Burg, durch Garten und Hof zu führen.

Bewundernd sah der Mönch vom Söller aus die weite, prächtige Schau, die sich im verbleichenden Tageslicht wie ein gesegnetes Traumland zu seinen Füßen dehnte. Das letzte Roth des gesunkenen Maitages verrann. in der unbewegten Abendluft und in großen Bogen kreisten die Schwalben hoch über den Zinnen, zwischen denen ihre traulichen Nester hingen.

Wie groß! Wie schön! sagte Silas, und sein Auge suchte den Blick des jungen Gefährten. Franz aber hatte den lockigen Kopf gesenkt und sah in dem ganzen, lieblichen Bilde nur eins; drunten im Gärtlein, wo die Blätter der Apfelblüthen wie leichter Schnee ins Gras wogten, beugte sich ein feines, schwermüthiges Mädchengesicht über den Kelch einer Lilie, deren schimmerndes Weiß von dem blassen Rosenlicht des Himmels überhaucht war. Die Hand des Mädchens hielt einen Krug, aus dem sie die Wurzeln der Blume getränkt hatte, und wie sie nun mit dem goldenen Haar und dem lichten, luftigen Gewand träumerisch neben dem schlanken Blüthen stengel stand, glich sie einem Engel, der seine Heimath über den Wolken verlassen, um seine Lieblinge auf Erden mit Thau zu netzen.

Eine lichte Blutwelle überzog des jungen Gehringers Wangen, als er des Mönches Blick freundlich forschend auf sein Antlitz ge heftet sah. Noch lange, nachdem des Mädchens Schritt drunten auf dem Sande der Gartenwege verhallt war, standen die beiden Männer auf dem Altan, und der Eine barg in die treue Brust des Andern das liebliche Geheimniß seiner jungen frühlingsduftigen Liebe, von der noch kein Laut zu dem schönen, stillen Mädchen er⸗ klungen war, die er still und heimlich gehegt und die nun im sonnigen Lenz traumhaft ihren geheimnißvollen Wunderkelch erschloß.

Silas hörte das zagende Geständniß liebreich an; spät Abends, als er allein am Fenster seines Zimmers stand, als die Schwalben längst in ihren Nestern schliefen und der Mond licht und bleich über den dunklen Stämmen des Hochwalds stand, zogen die Bilder des Tages noch einmal an seiner Seele vorbei; statt des schönen, blassen

Maoäͤdchens aber drängte sich ein frischeres, rosigeres Bild aus ferner,

ferner Zeit in den Rahmen seiner Gedanken, und ob er gleich das Antlitz in inbrünstigem Gebet auf die gefalteten Hände senkte, um den Zauber zu beschwören, so umklang es ihn doch wie süßes, seliges Kinderlachen und umwehte ihn berauschend wie der Duft längst ver blaßter, verwehter, nun plötzlich frisch und prächtig erblühter Rosen.

Nach unruhvoller Nacht fand ihn der frühe Morgen über sein Gebetbüchlein geneigt, auf dessen letztes, leergebliebenes Blatt er mit zitternder Hand schrieb:

Schon hat dich leise mit goldenem Trug Des Lebens Zauber umfangen.

Du zuckendes Herz, nun ist es genug! Komm heim, ach spanne die Schwingen zum Flug,

Eh dir im Wirbel das Bangen

Nach der Heimath verloren gegangen.

Im Lichte breiten die Fernen sich aus,

Komm heim, du mein Herz, komm nach Haus, nach Haus!

Auf Erden nur bist du ein irrer Gast, Dem sehnend die Schwingen sich dehnen. Komm, eh du dein Heimweh verloren hast, Eh das Leben mit seiner Bergeslast, Mit seinen Räthseln und Thränen Erstickt dein glühendes Sehnen! Im Lichte breiten die Fernen sich aus, Komm heim, du mein Herz, komm nach Haus, nach Haus!

(Schluß folgt.)

Kleine Frauen-Zeitung. Die Mode.

Wir sind in den Hochsommer eingetreten und somit zu der Periode

gelangt, welche in dem Leben der Mode die stillste Jahreszeit bedeutet. Es mangelt also in gegenwärtiger Saison etwas an Neuheiten. Man

hat Alles ausgegeben, und man beschäftigt sich schon mit den kommenden

Moden für Herbst und Winter.

Diese heut schon näher zu betrachten, erscheint mir aber noch zu früh. ö

Schauen wir uns daher lieber ein bischen in der Gegenwart um.

Auf dem Lande und in den Bädern werden große Sonnenhüte getragen, ganz durchsichtig und so leicht, daß sie nur einige Gramm wiegen: Capelines aus Spitzen, welche die Luft durchziehen und um den Kop wehen lassen. Ein Spitzenvolant, rings um die Passe gekräuselt, fällt auf das Haar und wirft einen leichten, kleidsamen Schatten über das Gesicht.

Aus Paris schreibt man uns, daß einige vornehme Damen zu Festlich⸗ keiten an Stelle der Aigretten oder Blumen einen Turban aus weißem Seidentüll als Kopfputz gewählt und daß dies vielen Beifall gefunden. Es

erinnert an die Porträts der Madame de Stasl, welcheà la sultane

frisirt. Ist diese Mode hübsch? Jedenfalls sehr originell, und es giebt Gesichter, welche jene duftige Wolke über der Stirn vortheilhaft kleidet. Schon hat man dieselbe an Hüten versucht. Ein italienischer Strohhut, Form Pamela, der mir als eins der letzten Sommermodelle gezeigt, war im Innern mit einem derartigen Turban ausgestattet, welchen eine Agraffe hielt. Außen wand sich ein Kranz bunt gemischter Rosen um den Hut,

und das Ganze wurde von einem Gewoge weißen Seidentülls umhüllt,

von welchem zugleich die Kinn-Echarpes ausgingen.

Der karrirte und der einfarbige Batist bilden hübsche und leichte Sommertoiletten für junge Mädchen, und die Zusammenstellung von ein⸗ farbig rosa und rosa und weiß karrirtem Batist ist sehr beliebt. Noch luftiger indeß wirkt der Linon-Batist: eine der anmuthigsten Neuheiten der gegenwärtigen Saison. wie sein Vorgänger, in einfarbigem und gemustertem Gewebe, wird aber in abgepaßtem Genre am meisten begehrt. Er findet in allen hellen Tönen Verwendung und erhält eine Unterlage aus gleichnüancirter Satinette. So sah ich zwei hübsche Anzüge aus Batist⸗Linon, den einen mattblau, den anderen blaßrosa, diesen einfarbig, oberhalb des Saumes von Rock und Tunika mit einer Guirlande weißer Maaßliebchen bedruckt, jener mit Korn⸗ blumen überstreut, welche sich in dreifacher Guirlande über dem Rocksaum wiederholten. Das Leibchen, mit 11 Schnebbe, öffnete sich vom Hals bis zur Taille über einem gefältelten Chemisett aus Krepp, eingerahmt von einer Draperie aus Linon, die ein Fichü bildete. Bandschleifen in über⸗ einstimmender Farbe zierten die Schultern und unten die Aermel und rafften, zu einem umfangreichen Büschel geordnet, die Tunika seitwärts in eine graziöse Draperie. Vervollständigt wurden diese Toiletten durch runde Hüte aus weißem Paillasson, bauschig gefüttert, hier mit blaßrosa, dort mit himmel⸗

Dieser seidige und leichte Stoff erscheint ebenfalls,

blauem Tüll und je nachdem geschmückt, der eine mit Kornblumen, der

andere mit Heckenrosen, welche Blumen eine Wolke aus weißem Tüll point d'esprit einhüllte.

Von noch einfacherem Gepräge und der letzten Sommermode entsprechend sind die ToilettenPaysannes, und in den Bädern tragen. Diese Toiletten bestehen aus einem Rock nebst Tunika laveuse, z. B. in dunkelblauer Satinette, bedruckt mit rahmgelben Erbsen, und aus einem Schnebbenleibchen von einfarbiger Satinekte in indischem Roth, umrahmt von einem Matrosenkragen aus rahmgelber Satinette mit dunkelblauen Erbsen. Als Kopfbedeckung zu solcher Toilette dient ein Strohhut, e mit rothen Schleifen und Kornblumen, oder mit Mohn⸗ blumen und rahmgelben Schleifen. Dieses unbedeutendeNichts ist so chic und kleidsam wie möglich.

Zu Röcken aus feinem Mohair, leichtem Flanell oder Wollenserge,

rahmgelb oder weiß, welche in dicke, breite und lose Quetschfalten geordnet und von einer langen, drapirten Tunika begleitet werden, ist bei den jungen Mädchen die Blouse aus mohnblumen⸗ oder purpurrothem Satin merveilleux Die Blouse wird an eine Passe oder auch nur an den Stehkragen fein gekräuselt, und in letzterem Falle wird das Gekräuselte in

in großer Gunst.

der vorderen und hinteren Mitte in eine breite Falte arrangirt, welche vorn

e

welche die jungen Mädchen auf dem Lande

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