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willst, nur daß mir der Rücken frei bleibt und ich nicht mit der Gerechtigkeit in Schwulitäten gerathe.“— Klas lachte höhnisch auf.„O, der liebe Herr! er ist unschuldig wie ein Kind. Immer nur er, immer sein Interesse und dafür soll der Klas nur allein leben und sich an den Galgen arbeiten?“ Er wendete sich nach dem Anbau und schlich sich an die Küchenfenster. Die Köchin war allein in der Küche und er trat vorsichtig ein.„Da bin ich, Lieschen, erschrick nicht; laß es gehen, wie es; mag, wiedersehen aber mußte ich Dich einmal.“ Er drückte einen derben Kuß auf die Wange der Köchin.
„Wie Du mich erschreckt hast, Klas“, sagte das Mädchen ängstlich und doch strahlten ihm ihre Augen glücklich entgegen. „Ach Gott, wenn man Dich hier sähe!“
„Sie sollen mich hier sehen. Wer kann es mir verwehren, meine Braut zu sehen,“ rief er mit einem Ausdruck kühner Heraus- forderung, der Lieschen in den siebenten Himmel versetzte.„Das Verwaltershaus wird jetzt gebaut und dann steht uns nichts mehr im Wege,“ fügte er mit vielsagendem Blick hinzu.„Die gnädige Frau mit der Tochter sind wiedergekommen, wie hat sich das nur gefügt?“ fragte er.
„Ei nun, der Herr Onkel in Ostpreußen ist gestorben, und da hat der Herr die gnädige Frau zurückgeholt. Des Schneiders Jakob aus dem Dorfe hat in Jastrow, keine Stunde von des Herrn Onkels Gute, als Schneidergeselle gearbeitet; der ist vor acht Tagen wieder gekommen und hat erzählt, der Herr Onkel habe Millionen und Millionen hinterlassen und Alles der gnädigen Frau und dem gnädigen Fräulein vermacht. Das wird nun hier in Mandsfelt was geben; ich koche seit vier Jahren in Mands— felt; aber eine Schloßköchin bin ich nicht,“ sagte Lieschen mit be— sorgter Miene.
Klas stand in tiefem Nachsinnen, den Blick auf den mächtigen Herd gerichtet, auf dem es kochte und brodelte.„Der Teufel muß in Herrn Georg gefahren sein,“ dachte er;„im Giftmischen haben wir uns noch nicht versucht. Das wäre freilich keine Hexerei, da in die kochenden Brühen ein Pülverchen zu werfen; aber würde es nicht der Unrechte verschlucken? Ach, was da! es paßt mir nicht, es behagt mir nicht; wenn ich mich dem Teufel verschreiben soll, so muß es wenigstens ein anständiger Teusel sein,— der da in Lengen ist ein gar zu armseliger knauseriger; den muß man über's Ohr hauen, sonst bringt man nichts aus ihm heraus. Die Herrschaften werden bald zu Abend speisen?“ fragte Klas.
„Ei gewiß, ich warte nur auf die Marie; sie soll mir beim Anrichten ein wenig behilflich sein; es ist mir heute daran ge— legen,“ antwortete Lieschen. g
Marie trat in dem Augenblick in die Küche; sie sah Klas nicht, der sich bei den nahenden Fußtritten in einen dunkeln Winkel geschlichen hatte. 1
„O, Liese,“ sagte Marie und näherte das Taschentuch den Augen; das sollte heute ein Freudentag für mich sein; Du weißt, wie manchmal ich zu Dir gesagt habe, ich wünsche nichts mehr weiter auf der Welt, als daß die gnädige Frau mit dem kleinen Dingelchen wiederkäme, das nichts so sehr auf der Welt fürchtete, wie die Adeline. Das ist nun der Freudentag, o Herr Je! Du hast sie nicht gekannt,— wir Andern aber sind erschrocken, als sie ausstieg,— die arme gnädige Frau ist kaum der Schatten von dem, was sie einst war.— O, Liese! sie meinen Alle, sie sei nur hierher gekommen, um hier zu sterben; Du wirst es mir nachsagen, sie lebt kein Jahr mehr.“ Marie weinte in ihr Taschentuch hinein.
„Das sagen sie Alle, daß die gnädige Frau krank sein müsse,“ gab Liese zur Antwort und sah verstohlen nach der dunkeln Ecke. „Nun hat sie den Herrn Onkel so lange gepflegt, bis sie selbst nicht mehr konnte und von den Millionen kann sie nichts mehr genießen.“
„So schön, so blühend kam sie her,“ jammerte Marie,„und nun hat sie die Schwindsucht, darüber kann sich niemand täuschen. Mit dem Abendessen hat es noch gute Wege; die gnädige Frau liegt auf dem Sopha und fühlt sich von der Reise so schwach und angegriffen, daß der Herr in seiner Herzensangst sogleich den Johann zum Doktor gesandt hat.“
Die Augen von Klas leuchteten in unheimlichem Feuer auf; er näherte sich geräuschlos der Thüre und schlüpfte hinaus.
Sein Pferd graste in einiger Entfernung von dem Gute; er
stieg auf und ritt langsam davon. Es eilte ihm nicht, nach Lengen zu kommen, denn er hatte viel zu denken. Nach mehrstündigem Ritt durch die blühenden Fluren und den Wald von Obstbäumen lichtete es sich, der Boden wurde härter und steiniger und die üppigen Fruchtfelder verschwanden allmälich. Dünne armselige Halme deckten kaum das unfruchtbare Land.— Das Reich des Herrschers von Lengen kündigte sich an, Klas gab seinem Pferde die Sporen und jagte eiligst durch die Ebene dem dunkel und düster daliegenden Gasthaus zu. Es lag wie ein graues Ge⸗ fängniß da mit seinen vielen kleinen Fenstern, die in den tiefen Steinhöhlungen wie unheimliche Löcher aussahen. Der Verwalter warf einen prüfenden Blick auf das Gebäude und stieg vom Pferde. Von der sehnsüchtig erwarteten Unterbrechung der nächtlichen Stille aus seinem dumpfen Brüten aufgeweckt, stand der Gutsbesitzer von Lengen schon in der Hausthüre und erwartete Klas. Ein tückisches geringschätzendes Lächeln ging über des Verwalters Gesicht und er beeilte sich nicht seinem Herrn näher zu treten, sondern machte sich an dem Pferde zu schaffen. KR
„Wie geht's, mein Junge, wirst recht müde sein,“ rief ihm Georg freundlich zu.„Oeffne nur dem Pferde die Stallthüre und komme zu mir herein, wir trinken ein gutes Glas Wein zusammen.“ Er zitterte vor Ungeduld und Verdruß, Klas schaffte noch immer am Pferde herum.„Er muß wichtige Nachrichten bringen,“ knirschte Georg zwischen den Zähnen,„vielleicht hat er schon etwas in der Sache thun können; das ist immer seine Art, wenn er weiß, daß ich ihm zu Dank verpflichtet bin,“ und er wartete, bis sein Verwalter es angemessen fand, der Einladung Folge zu leisten.
„So tritt ein, alter Kamerad,“ sagte er endlich und machte Klas geschäftig Platz, der ohne Rücksicht zuerst in die Stube trat. „Setze Dich und restaurire Dich erst durch ein Glas Wein.“
Klas stürzte ein Glas hinunter und dann noch eins, und sein Jugendfreund rieb sich vergnügt die Hände und wußte, daß der grobe mürrische Klas viel besser zu gebrauchen war, wie der höfliche, der die Rücksichten seinem Herrn gegenüber im Auge be⸗ hielt. Klas saß mit breitem Rücken am Tische und sah vor sich hin. Er nahm jetzt erst die Mütze vom Kopfe und warf sie auf einen Stuhl; sie fiel auf den Boden, und der Herr von Lengen bückte sich demüthig und hob sie auf. Darauf unterbrach er, er— muthigt durch diesen Akt, der Klas wohlgefällig sein mußte, das Schweigen:„Wir waren so ruhig und so sicher hier und dachten nicht mehr an die Frau, da muß sie uns noch einmal in den Weg kommen und diesmal lästiger, wie das erste Mal. Die Nach— richt von der Versöhnung traf mich wie ein Donnerschlag, und Du bliebst so lange aus, Klas.“
„Man kauft nicht ein halbes Dutzend Stück Rindvieh von einem Tag zum andern,“ gab er verdrießlich zur Antwort.„Wie lange war ich denn fort? nicht vierzehn Tage. Es ist nun eine ver⸗ pfuschte Geschichte; ich habe noch nichts gekauft, Ihr Brief fiel mir mitten in den Handel hinein, und da war's natürlich aus mit den Geschäften.“
„Wenn nur etwas geschehen kann, wenn nur Mandsfelt für mich gerettet werden kann,“ sagte Georg in höchster Erregung.
„Es kann etwas geschehen,“ antwortete Klas und haftete langsam, durchdringend die tiefliegenden Augen auf seinen Herrn.
„Klas, alter Freund!“ rief Georg tief erbleichend und trat einen Schritt auf den Jugendfreund zu. Klas wendete langsam den Kopf mit unwirscher Miene nach ihm und legte breit die Arme auf den Tisch.„Das sage ich Ihnen, Herr Georg, bei leeren Versprechungen bleibt es diesmal nicht,“ sagte er drohend.„Was habe ich bisher für alle die Schinderei gehabt? Versprechungen, nichts als Versprechungen.“
„Was habe ich denn auf der Welt?“ fragte Georg demüthig. „Haben wir nicht gelebt wie Brüder, hattest Du nicht auch, was ich hatte?“ a a
„Ja, und werde hintendrein noch Ihr Erbe, wenn Sie meinet— wegen im achtzigsten Jahre sterben,“ lachte Klas laut auf.„Ver⸗ schreiben Sie mir die große Wiese, dann will ich in Ihrem Interesse arbeiten; bedenken Sie wohl, daß ein armer Teufel, wie ich, mit dem Gewissen kurzen Prozeß machen muß, und bedenken Sie Ihren Vortheil; was nachher das Hängen oder Köpfen angeht, so bringe ich Ihnen das garnicht in Anschlag.“
„Die große Wiese giebt allein dem Gute noch einigen Werth;, 2
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