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in dem laufenden Jahre zur Kriegsreſerve verſetzt wor⸗
den ſind) haben zur perſönlichen Inſpicirung an den
beſtimmten Tagen und Stunden zu erſcheinen, wenn auch ihre Armatur- und Montirungsſtücke auf der
Rüſtkammer ſich befinden oder in dem Bezirk ihres
Heimathortes vorgezeigt werden, und
4) diejenigen Kriegsreſerviſten, welche im kommenden
Frühjahr ihre Dienſtzeit vollenden und dann wieder
einſtehen wollten, müſſen an dem zu ihrer Inſpicirung
beſtimmten Tage ſchon vor 8 Uhr des Morgens zur körperlichen Unterſuchung erſcheinen.
Hiernach haben Sie die betreffenden Perſonen zu be— deuten und genau zu inſtruiren, und den Empfang dieſes Ausſchreibens, ſowie die Befolgung deſſelben, binnen drei Tagen berichtlich anzuzeigen.
Hungen den 18. Juni 1847.
Follenius.
Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Gruͤnberg an die Großh. Buͤrgermeiſter des Kreiſes. Betreffend: Die Gemeindevoranſchläge für das Jahr 1848. Ich erwarte die Gemeindevoranſchlaͤge für das Jahr 1848 bis zum 15. Auguſt bei Vermeidung der Abholung durch Strafboten.
Grünberg den 25. Juni 1847. N us
Derſelbe an dieſelben.
Betreffend: 8 der Gemeinde Engelrod um Bewilligung mehrerer ärkte.
Sie haben in Ihren Gemeinden zur öffentlichen Kennt— niß zu bringen, daß den 13. und 14. Juli l. J. ein Vieh⸗ und Krämermarkt zu Engelrod abgehalten werde.
Grünberg den 25. Juni 1847.
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Einige Worte über die Witterung des laufenden Jahres.
In verſchiedenen öffentlichen Blättern hat man die met eorologiſchen Erſcheinungen dieſes Jahres mit denen von früheren Jahren verglichen und namentlich Aehnlichkeit mit den in 1783 und 1834 gemachten Wahrnehmungen finden wollen. Von 1783 kann ich nicht aus eigner Erfahrung reden,— aus Notizen damals lebender Männer aber iſt mir bekannt, daß die Witterungsverhältniſſe jenes geſegneten Weinjahres ganz andre geweſen ſind als die von 1847. Daſſelbe gilt von 1834.
Dagegen habe ich bis jetzt wahrgenommen, daß die Witterung des laufenden Jahres der von 1824 auffallend ähnlich iſt, und ich erlaube mir, auf den Grund der von mir ſelbſt aufbewahrten Notizen nachſtehende Ueberſicht.
Der Winter 18% war nicht beſonders ſtrenge; er hielt aber ungewöhnlich lange an, wie denn noch um die Mitte des Monats April heftige Schneegeſtöber faſt an der Tagesordnung waren. Die zweite Hälfte dieſes Monats war ausgezeichnet ſchön, und nicht minder brachte der Mai herrliche Tage, deren faſt allzu große Hitze durch einige Gewitter gemildert wurde. Die Vegetation war auſſeror— dentlich kräftig; die Blüthenzeit ging raſch und glücklich vorüber.
Die erſten 8 Tage des Junius waren ſo warm, daß man in der Wetterau blühende Trauben in Menge fand. Spater kamen zahlreiche Gewitter, durch welche das trockne Erdreich erfriſcht wurde, die aber zugleich für längere Zeit die Temperatur bedeutend herabſtimmten, ſo daß ſelbſt ein— zele kalte Tage eintraten, an denen Alte und Kranke der Ofenwärme bedurften.
Der Monat Juli war warm und dabei reich an be— fruchtenden Regen. Zu bemerken iſt auch, daß der Höh en— rauch in den Sommermonaten ſich zeigte und faſt regel— mäßig von Gewittern begleitet war. Im Auguſt zeigten ſich dieſelben Erſcheinungen; nur war die Hitze für die Wünſche der Winzer nicht anhaltend genug! wie dann auch zwar viel Wein erzielt wurde, die Qnalität aber ſehr ſchlecht blieb. Die erſte Hälfte des Septembers war reich an herr— lichen Tagen; ſpäter traten häufige Regengüſſe ein.
Im October wurden die Freunde der Natur durch einige ausgezeichnet ſchöne Tage erfreut; nach dem 15. aber brauſeten rauhe Winde durch die öden Felder und raſch ſchwand auch die letzte Herrlichkeit des Herbſtes. ä
Die beiden letzten Monate jenes Jahres waren für unſre Gegend nur unfreundlich durch die faſt ununterbrochnen Regengüſſe; für ſo viele Länder Europas, von der Newa bis zum Zuyderſee ſchrecklich durch mächtige Ueberſchwem⸗ mungen.
Nach dieſen Mittheilungen, auf deren Richtigkeit der Leſer ſich verlaſſen darf, kann man beurtheilen, in wie weit die Witterung des laufenden Jahres bis zur Mitte des Juni mit der von 1824 Aehnlichkeit hat.
Fragt man nun nach der Fruchtbarkeit jenes Jahres, ſo bemerke ich nur, daß die Ernte von 1824 faſt unver⸗ gleichlich genannt werden konnte. Ein Beweis dafuͤr iſt, daß man in der Wetterau das Malter Korn à 1 fl. 45 kr. das Malter Kartoffeln à 20 kr. kaufen konnte. Freilich
war auch die Ernte von 1823 eine geſegnete geweſen. Zum Schluß noch eine Bemerkung.
In den Hungerjahren von 1771— 1774,— ebenſo 1816 bis 1818 glaubte und behauptete man, die nothwen⸗ digſten Lebensbedürfniſſe würden nie wieder billig werden, ja man ſuchte dieſe Behauptung in gelehrten Schriften zu beweiſen. Die Erfahrung hat gelehrt, daß ſolch truͤben Zeiten auch wieder Jahre folgten, in denen Tauſende über allzu große Wohlfeilheit murren. Dieſe Erfahrung aber, für welche die Geſchichte von Jahrhunderten ſpricht, möge uns nicht umſonſt geboten ſein. Wir wollen in den Tagen des Mangels Genügſamkeit lernen und dabei auf den ver⸗ trauen, der alle Dinge träget mit ſeinem kräftigen Wort; — wir wollen aber wachen und ſorgen, daß wir die Noth der Zeit nicht vergrößern durch Murren und elende Unzu— friedenheit, nicht ſchärfen durch Hartherzigkeit gegen Andre, nicht unerträglich machen durch das liebloſe Beſtreben, das Elend der Armen zu nützen, um ungerechten Gewinn uns zu bereiten. Dann kann auch die Trübſal der letzten Zeit uns nütze ſein zur Lehre, zur Strafe, zur Beſſerung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit.
F.


