Die Thronrede,
durch welche S. Königliche Hoheit unſer allverehrter Großherzog am 17. d. M. den Landtag zu Darmſtadt perſönlich eröffnete, theilen wir unſern Leſern in der Ueber— zeugung mit, daß wir ihrem Erwarten entgegen kommen. Sie lautete:„Meine Herrn Stande! Ich habe Sie zu Ihrem neuen Berufe ſelbſt einführen wollen— Es würde Mir erwünſcht geweſen ſein, Sie früher im Jahre berufen zu können, indeſſen hatte die lange Dauer des letzten Land— tags die Wahlen zur zweiten Kammer ſo verſpätet, daß eine frühere Einberufung kaum zu bewirken war.— Seit dem Schluſſe jenes Landtags ſind nur wenige Monate ver— floſſen, binnen denen ſich im Großherzogthum Nichts zuge⸗ tragen hat, das eine beſondere Erwähnung forderte.— Die Ernte iſt nicht hinter den gehegten Erwartungen zurückge⸗
blieben. Ein Nothſtand, wie er im verfloſſenen Winter das
Land heimſuchte, wird daher nicht zu befürchten ſein.— Dies wird Mich jedoch nicht abhalten, die Abſicht zu verwirklichen, welche ich bei dem Schluſſe des vorigen Landtags kund gab, die nämlich, Ihnen VPeranlaſſung zu geben, die Frage in Erwägung zu ziehen, ob nicht der Staat durch vorſorgliche Maßregeln die zerſtörenden Folgen etwaiger künftiger Miß— ernten, wie wir jene neue kennen gelernt haben, wenigſtens mindern könne?— Von den noch zurückſtehenden Abthei⸗ lungen des bürgerlichen Geſetzbuches ſind zwei ſo weit ge⸗ diehen, daß dieſelben, nachdem noch einige erforderliche Vor⸗ vereitungen beendigt ſein werden, an unſere getreuen Stände gelangen können.— Um über ein allgemeines deutſches Wechſelrecht Berathung zu pflegen, hat ſoeben ein Kongreß ſtattgefunden, der von faſt allen deutſchen Staaten beſchickt ward. Mir gereicht es zur beſonderen Genugthuung, ſagen zu können, daß dieſer erſte Verſuch, zu einem allgemeinen deutſchen Geſetze zu gelangen, von dem beſten Erfolge ge— krönt worden iſt, Dank ſei dem guten Willen und dem großen Eifer, die von allen Seiten zu jenen Berathungen gebracht wurden. Der aus denſelben hervorgangene Entwurf eines eines deutſchen Wechſelrechtes ſoll Ihnen, ſobald alles Nö— thige vorbereitet ſein wird, zu Ihrer verfaſſungsmäßigen Zuſtimmung vorgelegt werden.— Einiger andern Geſetz— vorſchläge von geringerem Umfange, die Ich an ſie ge— langen zu laſſen beabſichtige, will Ich nicht im Einzeln Er— wähnung thun.— Beſondere Aufmerkſamkeit habe Ich der Prüfung der auch von meinen getreuen Ständen bei früheren Veranlaſſungen angeregten Frage gewidmet, in welcher Weiſe dem Steigen der Communalumlagen vorgebeugt und eine nachhaltige Verminderung dieſer Ausſchläge herbeigeführt werden könne?— Zur Erreichung dieſes wichtigen Zweckes ſind Anordnungen getroffen worden, von denen Ich die ge— gründete Hoffnung hege, daß ſie meinen Erwartungen ent— ſprechen werden.— Vor der Hand werden Sie ſich haupt⸗ ſächlich mit dem Budget und den Angelegenheiten der Finanz— verwaltung zu beſchäftigen haben, die auf jedem Landtage wiederkehren. Wie Ich hoffe und erwarte mit der Thätig⸗ keit, die erforderlich iſt, um eine allzulange Dauer des Land— tages zu vermeiden.— Bei Aufſtellung des Budgets hat man ſich auf das Nothwendigſte beſchraͤnkt, und es iſt für mich beruhigend, daß ohnerachtet der ſchweren Opfer, die die letztverfloſſene Zeit erheiſchte, eine Vermehrung der Ab— gaben nicht nöthig befunden worden iſt.— Schließlich ver⸗ ſichere Ich Sie Meines landesherrlichen Wohlwollens.
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Flurbuch Pohlheim, in der gewöhnlichen Sprache di Polem heißt. Dieſe letzte Beau lieſt 6 7750 auf
der Karte des Generalſtabs, welche an der Hainbach den N
Namen„Polemwiese“ hat. Der Diſtriet zu beiden Seiten dieſes kleinen Baches iſt, wenn ich darüber recht unterrichtet bin—, unter jene drei Orte zertheilt, ſo daß ſich die Grenzen ihrer Gemarkungen in ihm berühren. Das ſcheint um ſo mehr dafür zu ſprechen, daß dort vor Alters ein kleiner Ort, Namens Pohlheim, geſtanden habe“), von dem der jetzt noch dieſen Namen führende Diſtrict die Gemarkung war, welche die drei aufgrenzenden Orte, als der Ort Pohl⸗ heim ſelbſt aufgehört hatte, in Beſitz genommen haben werden. Von dieſem Orte iſt auf der Bodenfläche nicht die mindeſte Spur mehr zu finden; vielleicht daß man einmal zufällig unter der Erde auf Grundgemäuer ſtoßen dürfte! Er muß ſehr fruͤhe ausgegangen ſein, denn er iſt in keiner einzigen bis jetzt bekannten Urkunde auch nur erwähnt. Haͤtte er noch in dem Jahre 1405 geſtanden, ſo käme ſein Name gewiß in dem Kaufbriefe vor, nach welchem Staden, Ober⸗ und Untermockſtadt, Heegheim, Birx, Stammheim, Ober⸗ und Unterflorſtadt und Appelshauſen von Johann, Herrn zu Limburg, und deſſen Hausfrau Hilgard an Sibold Löw von Steinfurth, Eberhard Weis von Fauerbach, Ritter Eppeche von Cleen und Henn von Stockheim verkauft worden(S. Intelligenzblatt v. J. 1845 Nr. 100). Pohlheim war alſo nicht mehr da, während die nun auch längſt ausgegangenen Oertchen Birr und Appelshauſen(Sppelshauſen) noch ſtanden) Dann ſpricht für das Daſein des Ortes Pohl⸗ heim, daß heim auf feſten Wohnſitz deutet?) und der⸗ ſelbe Name auch anderwärs als Ortsname vorkommt. So hieß ein ehedem zwiſchen Garbenteich und Grüningen auf der Nordſeite des Pflahlgrabens gelegener, auch ſchon lange Zeit ausgegangener Ort: Polheim, oder um deutlicher das lange o zu bezeichnen) Pohlheim, nach welchem noch das Polheimer Wäldchen in der Garbenteicher Gemarkung und am Pflahlgraben(beim Volke Polgraben) nach Watzenborn
und Steinberg zu das Polheimer Feld benannt werden.
Dieſes Polheim wurde vor Alters in gedruckten wie unge— druckten Urkunden, in welchen es mehrmals vorkommt, Pal heim geſchrieben 7), und ſo wird wohl auch unſer Pohlheim an der Hainbach in alten Urkunden heißen, wenn ſein Name in ſolchen noch aufgefunden werden ſollte. W.
) Vgl. Ph. Dieffenbachs Auszug aus dem Tagebuche einer in Auf⸗ trag des hiſtoriſchen Vereins unternommenen Reiſe. Dritte Ab⸗ thellung, S. 37. Es hat mich gefreut, mit Dieffenbachs Anſicht über Pohlheim zuſammenzutreffen, ehe ich dieſe kannte
**) Birx hieß im Jahr 1308 noch Birchisheim(S. Intelligenz⸗ blatt v. J. 1845 Nr. 100.), woraus Birx verkürzt iſt. Noch jetzt heißt dort eine ſeit Jahren zu Feld angelegte Bodenfläche bei den Nonnenſtümpfen„die Birkesheide“(S. landwirthſchaftl. Zeitſchr. f. d. Großherz. Heſſen, v. J. 1847. S. 290, woſelbſt ſteht:„Die ſ. g. Birkeshaide und Nonnenſtrümpfe“).— Druckfehler ſtatt„Non⸗ ne ſtümpfe“.— Der Name Birkenſee von der Gemarkung Birx ſcheint neu und den Namen zweier nahe gelegenen naſſen Bodenflächen Todtenſee und Muckenſee nachgeahmt.
) nicht auf Feld.
1) Dasſelbe Wort pal, welches hier in Palheim vorkommt, ſindet ſich auch in dem Ortsnamen Pohlgöns(Polgöns), welcher früher Pailgunse d. i. Palguns' geſchrieben wurde.— Altdeutſch a wird, der Regel nach, wetterauiſch zu langem o.
Pohlheim.
Zwiſchen Oberflorſtadt, Staden und Stammheim, an der aus dem Walde kommenden und der Nidda zufließenden Hainbach liegt, zum Theil in einſamer Gegend, ein Wieſen und auch Feld umfaſſender Diſtriet, welcher im Florſtädter
Markt ⸗ Bericht. Friedberg, am 22. Dezember 1847. Aufgefahren Verkauft 5 8 Gattun g. 0 wurden Mittelpreiſe Altr.)(Mltr.). en Waizgen 106 1 77 11 22 Korn 0 115 789 8 11 Gerſte. 3 59 45/ 6 Hafer 41 25 4
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