Ausgabe 
22.9.1847
 
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meineſt du nicht, daß es beſſer wäre, als der tägliche Wirths hausbeſuch, wenn du daheim ohne beſondere Koſten und ohne ein Räuſchchen oder daß etwas eine angenehme Unter⸗ haltung findeſt, oder wenn du vielleicht deinem Weibe und deinen Kindern eine ſchöne Geſchichte, die du geleſen haſt, erzähleſt oder wohl vorlieſeſt? und ſollte es ſich nicht noch einmal ſo gut am Spinnrocken ſitzen, wenn man dabei etwas Schönes zu hören bekommt, als wenn das Sand mäunchen bisweilen den Spinnerinnen in den Augen juckt? Fände ſich vielleicht ein Vorleſer in der Spinnſtube, der, ich will nicht ſagen immerfort, aber doch zur Abwechſelung, mit den oft faden und unſittlichen Spinnſtubegeſprächen, etwas Drolliges und Unterhaltendes aus einem Buche den Anweſenden mittheilt, ſollte das nicht eine wohlthaͤtige Einrichtung ſein? Dieſes und Aehnliches haben die in Friedberg verſammelten Männer bedacht und beſprochen. Es waren nämlich die Abgeordne ten der Leſevereine zu Berſtadt, Büdesheim, Hungen, Mün- zenberg, Rodheim und Holzhauſen und Oberrosbach. Außer⸗ dem hatte auch Södel, Höchſt a. d. N. und Butzbach ihren Beifall an dem gemeinſchaftlichen Wirken zur Verbreitung nützlicher Bücher zu erkennen gegeben. Welche ſind aber nützliche und unterhaltende Bücher? Nicht jede Schrift, welche den gebildeten Leuten verſtändig und angenehm iſt, ſpricht den Landmann an. Auch iſt er nicht im Stande mit ſeinen beſchränkteren Lebensanſichten Alles zu verdauen, was für Andere weniger verderblich erſcheinen muß. Wer aber ſoll beſtimmen, was dem Volke eine würzhafte, geſunde geiſtige Speiſe gibt? Der Pfarrer, der Schullehrer, oder andere Leute dieſer Art? Woher wiſſen ſie denn, daß das⸗ jenige, was ihrem Geſchmacke entſpricht, auch dem Volke zu⸗ ſagen würde? Es iſt etwas eigenes mit den Volksbüchern im engeren Sinne. Noch fehlt eine ausgebreitete Erfahrung, weil das Volk noch zu wenig geleſen hat. Jedenfalls iſt es von Wichtigkeit, die Stimme des Volkes zu hören und die gemachten Erfahrungen ſich wechſelſeitig mitzutheilen. Letzteres gelobten ſich dann die Vorſteher der genannten Vereine zu thun. Um ſo nöthiger ſchien ihnen die Ausführ⸗ ung dieſes Vorſchlags zu ſein, da ſelbſt die beſtehenden größeren Vereine das Rechte noch nicht immer getroffen haben und da ſelbſt Männer, welche hierbei manche Erfahrungen zu machen Gelegenheit hatten, noch im Finſteren tappen. Beiſpiel iſt der Zwickauer Verein, welcher neben einigen vortrefflichen Schriften ganz Erbärmliches geliefert hat. Selbſt der Berliner, oder norddeutſche Verein, der bei ſeiner Entſtehung große Erwartungen erregte und jedenfalls Be⸗ achtung verdient, darf ſich noch nicht rühmen, es ergriffen zu haben. Doch glaube ich ihn der Theilnahme empfehlen zu dürfen, da ſein ehrenwerthes Ringen Unterſtützung ver dient. Ueber die Leiſtungen des Würtemberger Vereins ſprachen die Auweſenden meiſtens ſich ſehr günſtig aus und es wurde beſchloſſen, wegen des Anſchluſſes der Wetterauer Vereine noch weitere Schritte zu thun; bis jetzt habe ich auf eine deßfallſige Anfrage keine Antwort erhalten. Um nun bei der Auswahl der Bücher das Urtheil einzelner Leſevereine und ihrer Vorſteher benutzen zu können, wurde Unterzeichneter beauftragt, eine Zuſammenſtellung der Bücher, welche bis jetzt in unſerer Gegend am meiſten Beifall ge funden haben, zu verfertigen. Mancherlei Umſtände haben die Ausführung bis heute verhindert. Zum Verſtändniß be⸗ merke ich, daß ich hinter jedem Buche die Vereine anführen werde, welche es empfohlen haben und zwar mit folgenden Zeichen: Berſtadt Berſt., Büdesheim Büd., Rodheim und Holzhauſen Rodh., Höchſt a. d. N.., Oberrosbach Ober., Bücher, welche das Organ des norddeutſchen Volksſchriften Vereins der Verbreitung würdig erklärte, werden mit Org. angedeutet.

A. Bücher über die Landwirthſchaft.

1) Popul. Handb. über d. Landwirthſchaft v. J. A. Schlipf, Büd., D der Bauernſpiegel v. J. Metzger, Büd. Dieſem füge ich noch hinzu Franz Nowak, der wohl⸗ berathene Bauer v. Rothe. Im Odenwalde wurde es, nachdem es geleſen war, von vielen Bauern eigenthümlich angeſchafft.

B. Bücher über Länder- und Völkerkunde.

3) das Morgenland, Zwick. Ver. Büd., 4) Reiſe nach Afrika v. Suder, Buͤd., 5) Geſchichte des deutſchen Volkes v. Duller, Büd., ein vortreffliches Buch; doch nach meinem Urtheil weniger für Landleute, 6) Geſch. Friederichs des Großen v. Fz. Kugler, Büd., 7) Marſchall Vorwärts v. Dr. Rauſch⸗ nick, Büd., 8) Leben Benj. Franklins geſchrieben für das Volk, Büd., Rod.., 9) Guſtav Adolph v. Möſer, Büd., 10) die Erde v. C. Süßkind, 25 Sgr. Org. wird als Muſter populärer Darſtellung gerühmt, 11) Züge aus dem Leben Oberlins v. Schubert, Sgr. Org. Ober., 12) Reiſe nach Java v. Herrmann Schankweiler, Lüden⸗ ſcheid 15 Sgr. Org., 13) die Reformation v. Marheineke, 5 Sgr. Org., 14) Heinrich Peſtalozzi v. der Zürichſchen Schulſynode 2. Aufl. 5 Sgr. Org., ganz vortrefflich, 15) der Miſſionär und ſein Lohn, oder die Früchte des Ev. in d. Südſee v. Beſſer, 10 Sgr. Org., 16) Eram, Skiz⸗ zen aus den Jugendjahren eines Veteranen, mit einem Vor⸗ wort v. Ludw. Rallſtab, 1 Thlr. Org., 17) Neue Rei⸗ ſen von Holthaus, Barmen 1846, 17½ Sgr. Org.., 18) Konrad Wiederhold v. Dieterich, Wuͤrt. Berſt. Rodh. . 15 kr., eine Geſchichte des 30jährigen Krieges, 19) Geſch. v. Algier v. N. Gerber Würt. 12 kr., Ober. Rodh., 20) die deutſchen Auswanderer Würt. 15 kr., Ober. Rodh., 21) der Bauernkrieg v. Dieterich, Wuͤrt. Rodh., 21 kr., 229 meine Rückreiſe v. Deutſchland nach Oſtindien v. Weitbrecht, 45 kr., Rodh., 23) die Pilgerreiſe aus dem heil. Land v. Schwed, 12 Ggr. Rodh., 24) die Schreckens jahre v. Lind⸗ heim v. Oeſer, 24 kr., Rodh. Berſt., 25) Campe's Reiſebeſchreibung, mit Ausnahme der Reiſe nach Meſſina, Rodh. Im Odenwald außerordentlich gerne geleſen, hier weniger, 26) Geſch. der ev. Salzburger., 27) Bor⸗ ſum Reiſe nach Paläſtina., 28) Kirchengeſch. vom Cal⸗ wer Verein,.(Schluß folgt).

Kirchenbuchsauszug vom Juli 1847. Grünberg. Getraute: 25. Chriſtian Pracht, Georg Adam Pracht's Bürgers und Rothgerbermeiſters wie auch Kirchen- und Schulvor⸗

ſtehers dahier, ehelich lediger Sohn, Bürger und Roth⸗ gerbermeiſter und Maria Margaretha Zöckler, des

Martin Zöcklers Bürgers und Metzgermeiſters wie

auch Mitglied des Gemeinderathes, ehelich ledige Tocher. Getaufte:

4. Dem Bürger und Metzgermeiſter Joh. Karl Georg Siegfried ein Sohn, Heinrich Auguſt Konrad Emil, geb. den 12. Juni. Dem Bürger und Maurer Joh. Rupert Hoffmann eine Tochter, Eliſe, geb. den 30. Mai. Dem Bürger und Ackermann Joh. Heinrich Neeb ein Sohn, Wilhelm, geb. den 25. Juni. ö Dem Grßh. Rector Karl Glaſer ein Sohn, Eduard

Ein unehel. Sohn, Bernhard Wolf, geb. den 24. Juni. Dem Bürger und Maurermeiſter Joh. Konrad Lingelbach ein Sohn, Konrad, geb. den 20. Juni. f a

F

Karl Emil Julius Otto Reinhard, geb. den 4. Juni.

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