Ausgabe 
21.7.1847
 
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Sant.

ntelligenz- Glatt

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen, die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

M 56.

Mittwoch, den 21. Juli

13847.

Amtlicher Theil.

Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Gruͤnberg an die Großh. Buͤrgermeiſter des Kreiſes.

Betreffend: J. U. S. gegen Konrad Deckebach von Gedern wegen Diebſtahls.

Sie werden angewieſen, Nachforſchungen nach dem Rubrikaten anſtellen und ihn im Betretungsfalle arretiren und an mich abliefern zu laſſen.

Grünberg den 16. Juli 1847.

In Beurlaubung des Kreisraths: v. Ra bie n a n.

Destſche Sagen.

In Nr. 12. und 14. des Intelligenzblattes ſind einigeWetterauer Sagen mit Bemerkungen von W. mitgetheilt worden, und wir werden dadurch erinnert, die Leſer d. Bl. auf eine Sammlung deutſcher Sagen aufmerk⸗ ſam zu machen, die vor etwa einem Jahre erſchienen iſt unter dem Titel:Deutſche Sagen. Bearbeitet und herausgegeben von C. F. Lauckhard, zweitem Lehrer an der Muſterſchule zu Friedberg in der Wetterau.(Darm- ſtadt 1845. 176 S. Pr. 36. kr.) Der Verfaſſer ſagt im Vorworte:Als unſere Vorfahren noch Kinder waren an Einſicht und Verſtändniß und ſich zum Glauben an das höchſte, vollkommenſte, geiſtige Weſen noch nicht erheben konnten; da bildeten ſie ſich Götter, wie ihr einfacher Sinn ſie be⸗ durfte und begreifen konnte. Demnächſt füllten ſie die Kluft zwiſchen Himmel und Erde in ihrer Kinder-Einfalt, mit einer Menge von guten und böſen Geiſtern aus. So belebte und bevölkerte dann die Einbildung ihre ganze Um⸗ gebung; nichts war todt und ſtumm, alles belebt und beredt; überall webten und lebten die Unſichtbaren. Im Walde hauſten die Elfen und förderten das Wachsthum und Ge deihen. Durch die Stille der Nacht tobte das wüthende Heer. Im Innern der Erde waren die kleinen Zwerg⸗ lein geſchäftig. In Flüſſen und Seen wohnten die Nixen und Waſſerfrauen. In den Häuſern, auf den Speichern, zwiſchen den Fäſſern im Keller, in Stuben, Ställen und Scheuern hatten die Hausgeiſter und Kobolde ihr Weſen.

Deutſchen.

Lanzenſchäften getäfelt.

Und ſo wird uns dann in dem Buche von den Göttern der heidniſchen Deutſchen erzählt, von dem Rieſen, dem Teufel von allerlei Geiſtern: Hausgeiſtern, Erdgeiſtern, Waſſergei⸗ ſtern und Luftgeiſtern; endlich von Heiligen, Helden und Thieren.

Die deutſchen Sagen ſind in neuerer Zeit wieder viel⸗ fach poetiſch bearbeitet worden, theils in ſchlechten, theils aber auch in guten und vortrefflichen Bearbeitungen. Für einen größern Leſekreis aber und der Verfaſſer hat wohl auch den Bürger und Landmann und die Schuljugend, wenig⸗ ſtens die reifere, bei ſeiner Bearbeitung im Auge gehabt ſind dieſe Sagen in der ſchlichten, einfachen Erzählung, wie wir ſie hier finden, gewiß zugänglicher. Wir wollen einige der kürzeren Darſtellungen als Probe hier mittheilen und weil in unſerer Zeit eine neue Walhalla errichtet worden iſt, ſo mögen die Vorſtellungen unſerer heidniſchen Vorfahren von der alten hier eine Stelle finden.

Walhalla.

Die Walhalla iſt der Himmel fuͤr alle tapfere Es iſt der Saal eines ungeheuren goldenen Schloſſes, dem Gott Odin gehörig. Eigentlich heißt Wal⸗ halla die Todten-Halle, denn Wal heißt todt, was wir an dem Worte Walſtadt(Todtenſtätte) noch ſehen können. Die Walhalla war mit lauter Schilden gedeckt und mit Ihre Zinnen waren ſo hoch, daß man ſie mit den Augen nicht erreichen konnte. Sie hatte 540 Thore: jedes war ſo breit, daß 800 Helden neben einander hindurch ein- und ausziehen konnten. Neben dieſem ſchönen Schloß war ein lieblicher Hain, deſſen Bäume gol dene Blätter trugen; auch eine ungeheure Wieſe war hier, auf welcher die Helden bis zum Mittag kämpften; wo denn alle von Wunden und Schmerzen ſchnell geheilt zur Wal halla zurückkehrten. Da tafelten ſie nun köſtlich, Odin an ihrer Spitze. Es wurde Meth(gegohrnes Getränk aus Waſſer und Honig) aus großen goldenen Trinkhörnern ge trunken und von dem Eber Sährimmir geſpeißt, der nie all wurde, ſo viel Braten man auch von ihm herunterſchnitt. Auch koͤſtliche Aepfel kamen auf die Tafel, die Aepfel der Goͤttin Iduna, welche Unſterblichkeit verliehen. Gegen Abend kam ein Skalde(Sänger) und beſang die Thaten des Tages. Die in der Walhalla Ankommenden wurden feierlich begrüßt. Wer mit Schätzen und großem Gefolge kam, wurde deſto beſſer aufgenommen, daher ſich oft die Anverwandten bei dem Tode eines Helden ermordeten, um