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E. Ich hoffte ja, Du würdeſt mir am beſten aus der Verlegenheit helfen.
B. In einigen Minuten kommen die Schulkinder hier vorbei. Ich will Dir ein Mädchen zeigen von unge- fähr ſieben Jahren, ein wohlgeſtaltetes, ſchönes Kind und die Freundlichkeit ſelbſt. Doch ſein Anzug verräth große Armuth. Ich ſeh's immer in demſelben Röckchen und das iſt zerriſſen.
E. Was ſoll Das hier?
B. Nur Geduld! Nimm das Geld, das Du anwen— den willſt, um Deinen Vater etwas Ueberflüſſiges zum Chriſtgeſchenk zu machen, kaufe dafür Kattun, mache die⸗ ſem Kinde ein Kleidchen, ein Hemd kannſt Du ihm auch zurichten und gib ihm ein Sacktüchelchen dazu. Ein Paar Schuhe und Strümpfe hab' ich ihm ſchon zugedacht.
Wenn Euer Chriſtbaum brennt, dann ſtelle dieß Mädchen
in ſeinem neuen Anzuge vor Deinen Vater und ſprich: „hier, Vater, das iſt mein Chriſtgeſchenk für Dich!“
E. Bei Gott, ich glaube, Du haſt's getroffen, Das wäre ſo Was nach dem Sinne meines Vaters.
B. Gewiß auch nach dem Sinne ſeiner Tochter, liebe Emma, wenn Du Dich nur ſelbſt verſtehſt. Die ſchönſte koſtbarſte Stickerei legt Dein guter Vater dankbar zu den andern Sachen bei Seite. Da bleibt ſie liegen, wie ein welker Strauß. An dem Kleidchen kannſt Du auch Geſchicklichkeit, Pünktlichkeit und Ausdauer zeigen. Das aufgewendete Geld iſt nicht todt und wenn die Gabe laͤngſt ihren Dienſt gethan, blüht ſie noch fort in der Er⸗ innerung von mehr, als drei Menſchen.
E. Hätt' ich Dich nicht ſo lieb, ich könnte Dich beneiden, um den herrlichen Vorſchlag.
B. Eins halte ich mir aber aus, ich muß dabei ſein, wann beſcheert wird.
E. Du ſollſt dabei ſein, liebe Bertha.— Horch'! eben kommen die Kinder.
(Sie ſtehen auf und treten an's Fenſter.)
Mannigfaltiges.
Das Frankfurter Journal bringt in ſeiner zweiten Bei⸗ lage von Nr. 341 folgende Mittheilung aus Köln vom 8. Dezember:„Vor unſerm Zuchtpolizelgericht wurde in deſſen vorgeſtriger und geſtriger Sitzung ein Wucher⸗ prozeß ſo empörender Art verhandelt, wie er ſeit längerer Zeit nicht mehr vorgekommen war. Der hieſige conceſſio— nirte Sprachlehrer, Dr. phil. Reifferſcheidt, war näm⸗ lich angeklagt, gegen wucheriſche Zinſen Gelder ausgeliehen zu haben, und dieſe Anklage wurde durch 65 Belaſtungs⸗ zeugen unterſtützt. Im Laufe der Verhandlungen ſtellte ſich heraus, daß der Angeklagte in nicht weniger als 49 verſchiedenen Fällen 25 bis 52 Procent Zinſen genommen und außerdem ſeinen um Zahlung anſuchenden Gläubigern öfters Cigarren, die per 1000 Stück einen Werth von 3 Thalern beſaßen, zu dem Preiſe von 20 Thalern auf⸗ genöthigt hatte. Der letztere Umſtand gab dem offent⸗ lichen Miniſterium begründete Veranlaſſung, der anfangs blos„auf Wucher“ lautenden Anklage auch die weitere Anklage„auf Prellerei“ beizufügen. Da die Zeugenaus⸗ ſagen den Angeklagten der ihm zur Laſt gelegten und fuͤr einen Mann von ſeinem Stande und ſeiner Bildung doppelt ſchmählichen Vergehen vollſtändig überwieſen hatten, ſo wurde er durch das Erkenntniß des Zuchtpolizeigerichts wegen Wuchers zu 2000 Thalern Geldſtrafe, oder im Nichtzahlungsfalle zu zwei Jahren Gefängniß, zum Ver⸗ luſte der Conceſſion als Sprachlehrer und der National⸗ cocarde, und ferner wegen Prellerei zu 18 Monaten Ge⸗ fängnißſtrafe verurtheilt.
einen Ausflug zu machen.
Jhiea er.
Seit 3 Wochen haben wir hier bei uns die Han auer Schau⸗ ſpieler⸗Geſe t unter der Direction des Herrn von Hoxar. Dieſelbe zählt tüchti fte unter ſich, die Stücke gehen ſehr gerundet und find mit vielem Fleiß in die Scene geſetzt. Das Repertoir beſteht meiſtens aus lauter neuen, hier noch nicht geſehenen Stücken und Vaudevilles, und wir können dieſe genußreichen Abende wohl nur der Kurheſſ. Landestrauer zuſchreiben, die Herrn von Hoxar zwang, mit ſeiner Geſellſchaft hieher . 0 1 Vorzugsweiſe müſſen wir zwei junge Leute erwähnen, die Söhne des Herrn Haine, die in Ermangelung eines Orcheſters uns an den Spielabenden mit den ausgeſuchteſten Concert Pièeçen für Violin und Pianoforte erfreuen. Die beiden jungen Leute
leiſten in ihrem zarten Alter ſchon Ausgezeichnetes und machen dem Ber⸗
liner Inſtitute, wo ſie ihre muſikaliſche Bildung erhalten, alle Ehre, ſo, daß man bei anhaltendem Fleiße dereinſt ein paar tüchtige Virtuoſen der Welt verſprechen kann.„.
Markt ⸗ Bericht. Grünberg, am 11. December 1847. Aufgefahrenſ Verkauft l 8 Gattung. wurden wurden Mittelpreiſe (Mltr)(Mltr.) A. ee
Waze 179 165 11— ern f 250 241 7 30 Gerſte. 152 141 6 15 Hafer. 171 162 4 50
n In Grünberg wurde das Malter Waitzen zu 200, Korn 190, Gerſte 170, und Hafer 120 Pfund gerechnet.
Kirchenbuchsauszug vom October 1847. Butzbach. 5
Getraute: Keine.
Getaufte:
3. Dem hieſigen Bürger und Kaufmann Karl Georg Philipp Flach ein Sohn, Theodor, geb. den 6. Sept. 2
10. Dem Bürger und Lohgerbermeiſter Johannes Kuͤchel III. eine Tochter, Maria, geb. den 16. Sept.
24. Eine uneheliche Tochter, Margaretha Chriſtine, geb. den 10. Okt. f
24. Dem Bauaufſeher an der Eiſenbahnſtation Heinrich Held ein Sohn, Saladin Friedrich Wilhelm Ludwig,
geb. den 15. Okt..
24. Dem Bürger und Taglöhner Wilhelm Zott ein Sohn, Johannes, geb. den 8. Okt. 0
5 Nachtrag vom April.
29. April.(Zu Homburg v. d. Höhe.) Dem Bürger und Bäckermeiſter zu Butzbach Jakob Steinhäuſer III. ein Sohn, Karl Wilhelm, geb. den 10. April.
Nachtrag vom September.
26.(Zu Frankfurt a. M.) Dem Bürger zu Butzbach Joh. Georg Kunkel ein Sohn, Johannes, geb. den 10. Sept.
Beerdigte:
3. Friedrich Seulburger, Bürger und Schuhmachermeiſter, ein Hospitalite, alt 70 Jahre und 8 Mon. 1 d. 1. Okt.
2. Chriſtiane, des verlebten Bürgers und Schuhmacher⸗ meiſters Wilhelm Leierzapf sen or hinterlaſſene Wittwe geb. Vieſſel, alt 70 Jahre, 1 Monat und 7 Tage, 7 den 1. Okt. 5
10. Daniel Hammann, Oberwachtmeiſter in der 4. Schwadron des Garde-Regiments Chevauxlegers, alt 60 Jahre, 10 Monate und 23 Tage, 1 den 8. Okt.
24. Suſanna Eliſabethe Thron, des weiland Strumpf⸗ webers Johann Georg Thron hinterlaſſene ehelich ledige Tochter, alt 79 Jahre, 10 Monate und 26 Tage, den 22. Okt. 5
Be
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