Ruhe beim Herannahen des Zuges. Auf unſerm beliebten und allbekannten Schrenzerberge wogte und tanzte es einige Stunden bunt durcheinander, und erſt der herannahende Abend mahnte zur Rückkehr nach der Stadt. Der Ball im deutſchen Hof war ſo zahlreich beſucht, daß der ſonſt bei ähnlichen Gelegenheiten übergroße Saal diesmal bei weitem nicht hinreichte, alle Tanzluſtigen zu befriedigen.
Unſerer Bürgerſchaft gereicht es zum Lobe, daß ſie an dem Feſte den thätigſten Antheil nahm, und gezeigt hat, daß die ſchöne Sitte der Gaſtfreundſchaft Wurzel bei ihr geſchlagen hat.
Angenehm überraſchten 13 Mitglieder unſerer aufge— löſ'ten Turngemeinde die Ballgeſellſchaft durch eine aufge— ſtellte Pyramide, die mit rothem bengaliſchem Feuer beleuch— tet, das den weißen Geſtalten in ihrer ruhigen Haltung ein geiſterhaftes Anſehen gab, ſich herrlich producirte.
Noch lange dürfte dieſer Tag bei allen Anweſenden eine frohe Erinnerung erwecken.
Die diesjährige reiche Aepfelerndte
veranlaßte den Herrn E. in B. zu dem Vorſchlag, aus den Aepfeln Branntwein zu brennen, wie ſolches ſchon vor 30 Jahren in der Schweiz er zu beobachten Gelegen— heit hatte. Wir können in dieſen Vorſchlag nicht einſtim— men; ſondern wünſchen, daß recht viele Obſtdörröfen errichtet werden möchten, damit ſo viel wie möglich Aepfelſchnitten getrocknet werden können, dieſe laſſen ſich viele Jahre aufbewahren, ſind eine vortreffliche Nah— rung für Alt und Jung und können dadurch den Brodbe⸗ darf vieler Familien bedeutend vermindern und den Preis des Brodes drücken. Jede Familie ſollte dieſes beherzigen und ihre Vorkehrungen treffen. Wem die Errichtung eines Dörrofens allein zu ſchwer fällt, der vereinige ſich mit mehreren Familien. Als Muſter können wir einen Obſt⸗ dörrofen empfehlen, welchen der landwirthſchaftliche Verein der Provinz Starkenburg in Reichelsheim und Höchſt hat aufſtellen laſſen. Zeichnung und Beſchreibung deſſelben liegt der landwirthſchaftlichen Zeitſchrift Nr. 34 von dieſem Jahre bei und iſt in jeder Bürgermeiſterei einzuſehen.
Da das Trocknen der Aepfel nicht zu gleicher Zeit geſchehen muß, ſondern bis in den Winter vorgenommen werden kann, ſo iſt es auch nicht unzweckmäßig, wenn Gemeinden große Dörröfen errichten laſſen und nach und nach an Privaten zur Benutzung abgeben.
Des Volkes Noth und Rettung, oder die Mäßigkeits⸗ vereine nach ihrer Nothwendigkeit und ihren ſegens⸗ reichen Wirkungen von Karl Strack, zweitem Pfarrer und erſtem Lehrer zu Oberrosbach in der Wetterau. Friedberg 1843. Bei Bindernagel. VI u. 162 S. 12(24 kr.; Partiepreis billiger.)
Das theologiſche Literaturblatt von Zimmermann ſagt in Nr. 55 von dieſem Jahre über dieſes Werkchen Folgendes.
„Der Verfaſſer erzählt im Vorworte, wie er, den ſchon längſt des Vokes jammerte, angeregt durch Baird's Geſchichte der amerikaniſchen Mäßigkeitsvereine und Böttcher's Gene⸗ ralbericht über die norddeutſchen Vereine, den Entſchluß faßte, eine kurze Geſchichte der Mäßigkeitsbeſtrebungen nach Baird und Böttcher zu ſchreiben,„weil Thatſachen kräftiger reden, als alle Demonſtrationen“, durch mehrfache Auffor— derungen jedoch bewogen wurde, in Sprache und Darſtellung auf das Volk ſelbſt mehr Rückſicht zu nehmen. Welchen
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Weg der Verfaſſer einſchlägt, wird ſich ſchon aus den Ueber⸗ ſchriften der einzelnen Capitel ergeben. 1) Des Volkes Noth. 2) Es iſt nicht immer ſo geweſen. 3) Der Anfang zum Beſſeren wird gemacht. 4) Das Gute findet Nachah— mung. 5) Auch Deutſchland erhebt ſich zum Kampfe. 6) Der guten Sache ſiegreiche Verbreitung. 7) Die Zahl der Kampfgenoſſen mehret ſich. 8) Wie es in Süddeutſchland ausſieht. 9) Auch der mäßige Genuß des Branntweins iſt entbehrlich, ja, ſchädlich. 10) Des Volkes Rettung.“
Mit gutem Geſchicke, in ebenſo warmer, als verſtändlicher
Darſtellung hat der Verfaſſer das Weſentliche, worauf es ankommt, zuſammengeſtellt. Rec. würde ſich wundern, wenn die kleine Schrift nicht ſchon in wiederholten Auflagen er⸗ ſchienen wäre; und es ließe ſich das wohl nur aus dem Umſtande erklären, daß überhaupt fuͤr das ſüͤdliche Deutſch— land, wo freilich nicht ſo allgemein, wie in Norddeutſchland, Branntwein getrunken wird, die Zeit eines ſo entſchiedenen
Kampfes gegen die Trunkſucht noch nicht gekommen zu
ſein ſcheint.“ Ein im Elſaſſe erſcheinendes Blatt macht auf folgende Weiſe ſeine Leſer auf das Büchlein aufmerkſam: i „Mit Wärme ſchildert der Verfaſſer die traurigen Wirkungen des Branntweins, und gibt ſodann mit großer Sachkenntniß die Geſchichte der Entſtehung und Verbreitung der Mäßigkeitsvereine, beſonders in Deutſchland. Leidet auch das Büchlein, beſonders gegen Ende, zu ſehr an Breite, ſo wird es doch manches Gute ſtiften. Die gegebenen Warnungen könnten auch die unmäßigen Wein⸗ trinker auf ſich anwenden. Die Nauſſauiſche Regie⸗ rung hat die Schrift zur Anſchaffung für Volksbibliotheken
empfohlen.“
Markt Bieri ch.
Hungen, am 2. Auguſt 1847. 8 Aufgefahren Verkauft 5 1 Gattung. wurden wurden Mittelpreiſe
(Mitr.)](Mltr.) f,
Waß ef 213 203 10 18 Korn 109 92 8 20 Gerſte 35 29 6 16 fee 9 9 4 20 Erbſen 1 1 10 10 Kartoffelnlnn————
Grünberg, am 28. Auguſt 1847. Waizen— 90 10 20 Korn— 100 9 15 Gerſte..— 80 7 55 Hafer.— 40 4 45 Mehl——— 5 Saamen.— 2. 8
Kirchenbuchsauszug vom Juli 1847. Lich. 8
5 Getraute: 29. Der hieſige Ortsbürger und Leinweber Heinrich Den— hard, des Ortsbürgers und Leinwebers zu Bellersheim, Kr. Hungen, Johann Georg Denhard ehelich lediger Sohn, und Marie Sophie Petri von hier, des dahier verſtorbenen Ortsbürgers und Schmiedemeiſters Philipp
Petri ehelich ledige Tochter. Getaufte:
6. Dem hieſigen Ortsbürger und Leinwebermeiſter Philipp Jakob Meyer ein Sohn, Karl Friedrich, geb. den 27. Juni.


