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Novbr. l. J., Vormittags um 8 Uhr, auf dem hieſigen Rathhaus der Anfang gemacht wird. 4 5 Friedberg den 25. October 1846. Der Grßh. Heſſ. Kreisbaumeiſter des Baubezirks Friedberg Stockhauſen. f
1 1 Aus Oberheſſen, im Oktober.
Im Laufe des vorigen Winters ſind in dieſen Blättern
verſchiedene Mittel bekannt gemacht worden, wie der Wei⸗ terverbreitung der ſ. g. Kartoffelkrankheit Einhalt ge⸗ ſetzt und ein Vorrath von Kartoffeln bis zur nächſten Ernte erhalten werden kann. Einfachheit dasjenige übertreffen, welches im Schwarzwald angewendet wird, und mittelſt deſſen man im Stande iſt, aus den Kartoffeln einen weit über die gewöhnliche Zeit reichenden ſchmackhaften Speiſevorrath zu gewinnen. Das Verfahren iſt einfach folgendes: Die Kartoffeln werden mit beſonderem Fleiße ausgeleſen und an den kranken Kartoffeln die kranken Stellen ausgeſchnitten; die geſunden Kartoffeln und die geſunden Reſte von den kranken werden dann ge⸗ ſotten, geſchält, in Scheiben geſchnitten und gedörrt, in wel⸗ chem Zuſtande ſie ſich Jahre lang aufbewahren laſſen. Vor ihrer Verwendung werden ſie über Nacht im Waſſer einge⸗ weicht.— Ohne dieſes Verfahren, bei welchem nichts ver⸗ loren geht, indem Schaben und Ausſchnitte dem Vieh zur Fütterung dienen können, würden viele Bewohner des Schwarz⸗ waldes im Frühjahr den bitterſten Mangel leiden, und ſor⸗ gen dieſelben jetzt ſchon für die Zeit der Noth: täglich wer⸗ den daſelbſt ſo viele Kartoffeln geſotten, daß ein großer Theil davon gedörrt werden kann; und zum Beweis, wie anerkannt die Zweckmäßigkeit und Nothwendigkeit dieſes Ver⸗ fahrens im Oberlande iſt, mag gelten, daß die Stadtgemeinde Reutlingen ſeit Anfang Septembers acht Oefen zum Dörren der Kartoffeln hat herrichten laſſen, die zu Jeder⸗ manns Gebrauch unentgeltlich täglich geheizt werden.— Da auch bei uns an manchen Orten die Kartoffelkrankheit ſich wieder mehr oder weniger zeigt, ſo dürfte wohl dieſes Mittel, das der Nachahmung werth iſt, nicht unbeachtet gelaſſen werden; in dem Dörren der Kartoffeln müſſen wir, da alle vorgeſchlagenen Mittel zur Erhaltung der ausgear⸗
teten und entkräfteten Kartoffeln ſich nicht durchgängig be⸗
währt haben, das einzige ſichere Mittel erblicken, um uns die nothwendigſte Speiſe für die beſtimmte Zeit zu erhalten. g(Gr. Heſſ. Ztg.)
Das Rettungshaus für ſittlich verwahrloſte Kinder zu Kloſter Arnsburg.
Wer die Geſchichte der Erziehung und des Unterrichts lieſt, wird gewiß unſerer Zeit das erfreuliche Zeugniß geben, daß ſie nicht nur das große Bedürfniß der Volkserziehung fühlt, ſondern anch mit thätiger Hand auf manigfaltige Art an derſelben arbeitet. Abgeſehen davon, was die verſchie— denen Staaten in dieſer Beziehung durch Einrichtungen von Schulen fortwährend leiſten, müſſen wir ganz beſonders der⸗ jenigen Vereine gedenken, welche direkt und indirekt zur Hebung der Volksbildung ein Schärflein beizutragen beab— ſichtigen. Die Mäßigkeitsvereine, die Vereine zur Verbrei⸗ tung guter Volksſchriften, die Vereine gegen die Thierquälerei; alle ſuchen ans freiem Antriebe an der erwähnten hochwich— tigen Sache, näher oder entfernter, thätigſt mitzuwirken. Alleiu trotz der vielen und vortrefflichen Anſtalten im Staate, trotz allen Bemühungen der zahlreich beſtehenden Vereine, erhebt ſich dennoch die gerechte Klage über den zu⸗ nehmenden ſittlichen Verfall unter dem zu erziehenden Ge⸗ ſchlechte. Dieſe traurige Wahrnehmung hat ſchon den men⸗
Keines dieſer Mittel dürfte aber an
ſchenfreundlichen Peſtalozzi beſtimmt ſich als Retter für die verwahrloſte Jugend hinzugeben;. Gründung 8
Rettungshäuſer zu Neuhof und Stanz in der Schwei
die Frucht ſeiner vielfachen Beſtreb inge Die herrliche Idee Peſtalozzis fand in verwandten Gemüthern bald günſtige Aufnahme und Anſtalten für gleichen Zweck ſah man nach und nach in der Schweiz und Deutſchland ent⸗
ſtehen. Allein ganz beſonders ſcheint von dieſer Idee un⸗
ſere Gegenwart ergriffen zu ſein, indem für das Recht der
Rettungsanſtalten von vielen Pädagogen neuerer Zeit in Zeitſchriften und Compendien das Wort geredet wurde.
Welche Reſultate ſich durch die bisherigen Beſtrebungen in unſerm deutſchen Vaterlande von Joh. Falk und Sr. Erlaucht dem Herrn Grafen von der Recl⸗Bollmarſtein bis auf un⸗ ſer in der Aufſchrift bezeichnetes Rettungshaus ergeben haben, wollen wir nicht unterſuchen; allein rühmlichſt müſſen wir unſeres Großherzogthums, und beſonders unſerer lieben Wetterau gedenken, in welcher ſich die regſte Theilnahme zur Gründung eines Rettungshauſes zeigt. Wenn Herr
R. zu F. aus freier Liebe ſich angetrieben fühlt mit einer
Gabe von 3 fl. den Grundſtein zur in der Aufſchrift bezeich⸗ neten Anſtalt zu legen und ihm gegenüber e 12 Herr Graf zu Solms ⸗Laubach„ergriffen von der hochwich⸗ tigen Sache, ein Haus!) nebſt Garten zur unentgeldlichen Benutzung huldreichſt verwilligt; wenn ein Kind ein Sechs⸗ kreuzerſtück der Kaſſe ſchenkt und Herr Baron von** 100 fl. dem Comité überſendet; wenn Herr Kaufmann Sch. in“ durch thätige Mitwirkung bereits ſchon 60— 70 fl. jähr⸗ liche freiwillige Beiträge auf ſeiner Sammelliſte hat und Herr Pfarrer Dr. H. zu““ 80— 100 fl. jährlich der Kaſſe zu 1 1 verſpricht; ſo müſſen wir billig über die aufopfernde Liebe erſtaunen, welche ſich bereits unter Hohen und Niederen für Exrichtung einer ſo wohlthätigen Anſtalt
erwieſen hat. Und daß ſelbſt von Seiten unſerer allerhöch⸗
ſten Staatsregierung die Anerkennung der erwähnten Be⸗ ſtrebungen nicht zu bezweifeln iſt, davon hat ſie den Beweis gegeben, indem ſie allergnädigſt dem unterzeichneten Comité die Genehmigung zu der projektirten Anſtalt unterm 15. Sept. d. J. zugehen ließ; gewiß ein erfreuliches Zeichen wie unſer Staat jedes Unternehmen, was das Wohl ſeiner Unterthanen bezweckt, ſorgfältig ſchützt, und auch die ge⸗ ringen Dienſte, die ihm aus der Mitte des Volkes geboten werden, mit größter Humanität berückſichtigt. Mit befon⸗ derer Freude können wir ſomit unſern verehrten Leſern die Nachricht ertheilen, daß wir nunmehr eine Rettungsanſtalt zu Kloſter Arnsburg beſitzen, welche als die erſte innerhalb unſeres Großherzogthums gewiß herzlich willkommen ge⸗ heißen werden kann.
Allein ohngeachtet der großen Freude über das bishe⸗ rige Gelingen unſerer Beſtrebungen, wovon der gedruckte Jahresbericht am Schluſſe des Geſchäftsjahres den Beweis geben wird, dürfen wir dennoch nicht unſern verehrten Le⸗ ſern eine Frage vorenthalten, nämlich:„Wer ſoll dieſe Rettungsanſtalt für die Zukunft erhalten?“— Daß wir von Seiten des Staates nicht auf Unterſtützung Anſprüche machen können iſt von ſelbſt einleuchtend.“!“) Eben ſo wenig beſitzen wir einen feſtſtehenden Verein, von dem wir etwa Kräfte zum Beſtehen des Ganzen erwarten dürften. Von dieſer Seite aus betrachtet ſcheint allerdings die Exiſtenz der Anſtalt wenig geſichert zu ſein, und in ſofern hat ein Verein, wie z. B. der in Ausſicht ſtehende Peſtalozzi⸗Ver⸗
ein einen Vorzug, indem er ſeine Zwecke durch ſelbſtſtändige
* Das nächſtens lithographirt für weniges Geld beim Comite zu haben iſt.“ 0.
*) Man ſehe hierüber unſere gedruckten Grundſätze. Jeder, der ſich franko an uns wendet, werden wir dieſelben mit der größten Freude zuſenden. R


