8 endeten Adreſſe bekannt gemacht zu werden, ſo übergebe ich dieſelbe der Oeffentlichkeit, damit zugleich einer von ver—⸗ ſchiedenen Seiten an mich gerichteten Bitte entſprechend. Friedberg am 22. September 1846. Dr. Matthias.
Friedberg den 20. September 1846.
An
den verehrlichen Vorſtand des Hauptvereins der Guſtav— Adolf⸗Stiftung für das Großherzogthum Heſſen
der
Wetterauer Zweigverein der Guſtav-Adolf— Stiftung.
Betreffend: Die Abſtimmung der Majorität der Berliner Hauptver⸗
ſammlung rückſichtlich der Zulaſſung des Königsberger Ab— geordneten Dr. Rupp.
Daß im Intereſſe der Erhaltung und des glücklichen Gedeihens des durchaus praktiſchen Liebesbundes der Guſtav— Adolf⸗Stiftung die Vorgänge in Berlin auch die Mitglieder des Wetterauer Zweigvereins ſchmerzlich berührt haben, iſt eine ſehr natürliche Erſcheinung. Es wird darum nicht be— fremden, wenn derſelbe ſein Bedauern ausſpricht, daß man auf einen Boden, welcher die abweichendſten dogmatiſchen Anſichten durch das Band des Friedens und der Liebe zur Einheit einer wahrhaft chriſtlichen Geſinnung verbinden ſollte, die ſich durch Wohlthun in Thaten ausſpricht, die gehäſſigen und trennenden Zuckungen ausſchließender Meinungen ver— pflanzen ſahg. Wie man die berührte Abſtimmung auch rechtfertigen mag, ſo war ſie nur möglich durch ein Urtheil über die kirchliche dogmatiſche Stellung eines Mannes, zu welcher ſich derſelbe durch die beſonderen, in den Verhand—⸗ lungen der Generalſynode zu Berlin ſehr in Frage geſtellten Grundſätze ſeines Conſiſtoriums und der oberen Kirchenlei— tung ſeines Landes gedrängt ſah, während der Mann unter dieſen Geſichtspunct in dem vorliegenden Falle gar nicht zu ſtellen war. Erkannte man den Hauptverein, der ihn geſendet, als zu Recht der Guſtav-Adolf⸗Stiftung beſtehend an, ſo mußte das auch ſeinem Abgeordneten geſchehen, der gar nicht als Vertreter ſeiner perſönlichen Angelegenheiten hier erſchienen war, ſondern im Auftrag ſeines Vereins für rein praktiſche Zwecke. Hat nun der große Verein auch ſolche Glieder in reicher Anzahl, welche uns Andere gar nicht für Chriſten halten, und werden dieſe nichts deſto weniger in allen Rechten, wie auch billig, anerkannt, ſo ſieht man nicht, wie man einen Mann ausſchließen will, der ſich ausdrücklich als Angehöriger der evangeliſch-proteſtantiſchen Kirche erklärt hat und gewiß für ſeine Perſon Liebe genug hat, um ein rechtes Salz im Liebes vereine der Stiftung dar⸗ zuſtellen, abgeſehen davon, daß er gar nicht gekommen war, um etwas Perſönliches, oder eine dogmatiſche Fraktion zu vertreten.
Indem wir indeſſen weit entfernt ſind, den um die Sache des Vereins hochverdienten Abgeordneten des Heſſiſchen Hauptvereins im geringſten verletzen und ſeine bewährte Luſt und Liebe zu den großen Zwecken der Guſtav⸗Adolfs⸗Sache verkümmern zu wollen, überzeugt, daß er nach beſter ſub— ectiver Ueberzeugung geſtimmt hat,— indem wir ebenſoweit
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entfernt ſind, die beſonderen ſubjectiven Anſichten des Dr. Rupp vertreten zu wollen, ſprechen wir lediglich den lebhaften Wunſch aus, daß man doch die für Tauſende noth— leidender proteſtantiſcher Glaubensgenoſſen hochheilige An— gelegenheit der Guſtav-Adolf-Stiftung nicht durch unſtatt— hafte Glaubensgerichte in Gefahr bringen und dadurch den Feinden zum Spott machen, und daß man in den ſpäteren Verſammlungen ſich bei dem Formellen beruhigen und die rein praktiſche Seite allein im Auge behalten möge. Da— durch allein wird der Bund treu zuſammengehalten, und ſein Segen wird die immer größere Einigung der Geſinnung chriſtlicher Liebe ſein, welches Ziel der Herr ſelber im Auge hatte, und woran allein er ſeine rechten Juͤnger erkennen will. a
* Spruͤchwoͤrter und Sentenzen mit Randgloſſen. 29) Eintracht macht ſtark.
Im Lateiniſchen: concordia res parvae erescunt, discordia magnae dilabunfur. Statt der eigenen Gloſſe will ich hier eine gereimte Erzählung von Catel folgen laſſen:
Der Greis und ſeine Söhne.
Ein Greis, der ſich nach ſeiner Gruft Mit frohem Herzen ſehnte, ruft Einſt ſeine Söhne vor ſein Bett, Und ſpricht:„nehmt dieſe Pfeil' und ſeht, Ob ihr ſie brechen könnt, doch ohne ſie zu trennen, Den Sinn davon erklär ich euch nachher.“ Der ält'ſte Sohn verſucht's; umſonſt.—„Das können Nur Stärkere“ ſpricht er. f Der Zweite nimmt das Bündel vor die Kniee Und ſtrebt; vergebens iſt die Mühe. Der Jüngſte macht ſich auch daran; allein Es war verlorne Zeit; das Bündel widerſtehet; Kein Pfeil war eingeknickt.—„Nun ſehet, Was meine Kraft vermag!“— fällt hier der Vater ein Und läßt ſich auch die Pfeile reichen. Die Söhne lächeln, ſeh'n ſich an und ſchweigen. Er aber löſt und bricht die Pfeile, ein für ein. „Ihr ſeht— ſpricht er hierauf— daß Eintracht viel vermag Drum lebt in Fried' und Liebe.“— Jeden Tag Singt er daſſelde Lied, bis ſeine Kräfte neigen, Und er ſich ſterben fühlt. Sein letztes Wort iſt dieß: „Liebt euch einander, lebt als Brüder, „Gebt euch die Hände und ſo ſchließt „Einträchtig mir im Tod die Augenlieder.“ Sie ſprechen weinend:„Ja!, Er ſtirbt. Sie finden Ein ſchön Vermögen, doch auch manchen Zwiſt Mit Nachbarn, Gläubigern. Ihr einz'ger Vortheil iſt Sich gegen Alle zu verbinden. Es wird Prozeß geführt und ſie gewinnen ihn. Allein nicht lange ſieht man ihre Freundſchaft blühn, Das Blut hat ſie vereint, der Eigennutz entzweit; Mißtrauen, Habſucht, Geiz und Neid
Wird eine Quelle von Prozeſſen.
Die Theilung gibt zu tauſend Streit,
Zu der Chikane heimlichen Regreſſen,
Zu Kält und Bruch Gelegenheit. Die Richter zieh'n die Sache in die Länge. Der Gläubiger und Nachbarn Menge Drängt auf Reviſion


