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und Beſondern, dem ſich ein kürzerer des Herrn v. Struve aus Mannheim und dieſem wieder ein allgemeiner Geſang
anſchloß. Hierauf begannen die eigentlichen Turnſpiele, und bewundern mußte man, bis zu welcher Ausdehnung es ſtufen⸗
weis ausgebildete Körperkräfte und Leibesübungen bringen konnen, ohne nur den Schein einer Gefahr an ſich zu tra⸗ gen; erſtaunlich waren die Beweiſe von Kraft, welche hier geliefert wurden, denen ſelbſt die Mainzer Damen, welche den Turnplatz wie eine Roſenguirlande ringsum einfaßten, ihren Beifall laut kund zu thun ſich nicht verſagen konnten. Unter zeitweiſem Aufſpielen der öſterreichiſchen Muſik währ— ten die Turnſpiele bis gegen 7 Uhr, wonach ſich der geord⸗ nete Zug, durch etwas ſehr ſtarke Thautropfen von oben angefeuchtet, ſich zurück bewegte und alsdann auseinander ging, um ſpäter um 8 Uhr ſich zu einem gemeinſchaftlichen Abendeſſen im„Frankfurter Hof“ wieder zu finden. Der Saal dieſes Hauſes war zu dem Zweck ſehr anſprechend decorirt, Laubgewinde und Fahnen, zwiſchen welchen die Namen der Städte prangten, welche bei dem Feſte reprä— ſentirt waren, u. dgl. verriethen den bekannten guten Geſchmack der Mainzer. Verſchiedene Reden, Geſänge und Vorträge, welche mit der herrlichen Muſik wechſelten, machten den Abend
zu einem höchſt genußreichen. Mehrere Fremde mußten ſchon
des Abends ſich von den lieben Mainzern trennen; die meiſten aber blieben über Nacht. Am andern Morgen verſammel—⸗ ten ſich die noch Anweſenden in der Fruchthalle, und wer noch Zeit und Luſt hatte, machte eine Fußparthie über Bi⸗ brich mit. Die Friedberger benutzten noch die wenigen Stunden, um ſich Mainz und Wiesbaden anzuſehen und traten um 11 Uhr Vormittags ihre Ruͤckfahrt mit der Eiſen⸗ bahn an. Wohl und munter trafen ſämmtliche“) um 7 Uhr
) Wir ſagen Sämmtliche, und zwar deßhalb, weil ein Gerücht, welches dieſe Turnfahrt als die Urſache des leichten Erkrankens eines Mitgliedes darſtellte, ſich als unwahr ergab.
Abends hier ein, und werden gewiß die Erinnerung an das Mainzer Turnfeſt als eine höchſt angenehme und freudige bewahren; zugleich aber immer mehr erkennen, daß nur das fortgeſetzte Streben nach wahrer Sittlichkeit und Moralität die ſichere Bürgſchaft für das feſte Beſtehen ſowohl, wie für das gute Gedeihen ihres Vereins bildet.
Mannigfaltiges.
Der Frühling iſt da, der Sommer naht. Rüſte Dich alſo, deutſcher Leſer, daß Du auch in dieſem Sommer die Spielteufeleien möglichſt ſtumpf ertragen magſt, die die Messieurs Blanc in Homburg u. die Konſorten ander⸗ wärts vorbereiten. Dieſe Patronen haben jetzt ſogar einen eignen Taxator mit 600 Fl. jährlichem Gehalt angeſtellt, der Juwelen, Uhren u. dergl. abzuſchätzen verſteht, wenn den Spielern die Baarſchaft ausgegangen iſt u, ſie zum letzten Reſt der Habe greifen. Wer eine Zunge im Halſe u. ein Herz im Leibe hat, das noch einer ſittlichen Regung fähig iſt, der muß gegen den privilegirten Betrug des Hazard— ſpiels, das in Deutſchland ſchon ſo unſägliches Elend be— reitet hat, von Neuem proteſtiren. Fehlen andere Mittel, müſſen ſich freie Vereine bilden, die für ehrlos erklaren, wer die Spielhöllen betreten mag. Wer mit dem Laſter ſpielt, dem haftet ein Fluch an der Ferſe für Kind und Kindeskind.
(Binders Deutſche Eiſenbahn.)
Verbeſſerungen.
In der letzten Nr. d. Bl. auf der erſten Spalte Zeile 8 v. u. lies müſſe ſtatt müſſen und auf der zweiten Spalte Zeile 4 v. o. lies Gefällen ſtatt Gefälle.
Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.
N
Frucht⸗Verſteigerung im Rentamte 0 Friedberg.
(77) Die Reſte der 18451 Fruchtvorräthe des hieſigen Rentamts kommen folgendermaßen zur Verſteigerung:
a) zu Friedberg Mittwoch den 3. Juni d. J., Vormittags 10 Uhr, in der Behauſung des Hrn. Gaſthalters Hieronimus vor dem ehemaligen Mainzerthore von dem Speicher zu Friedberg: ungefähr 120 Malter Korn, 30 Malter Gerſte und 75 Malter Hafer;
b) zu Butzbach Freitag den 5. Juni, Vormit⸗ tags 10 Ubr, in dem Gaſthauſe zum Heſ—⸗ ſiſchen Hofe von dem Speicher zu Butz⸗ bach: ungefähr 68 Malter Korn und 24 Malter Gerſte.
Die Brodfrüchte werden in kleinen Quan⸗ titäten von /½ und 1 Malter ausgeboten und dabei nur ſolche Privaten zur Steigerung zu⸗ gelaſſen, welche ſich mit Beſcheinigungen ihrer Ortsvorſtänden darüber ausweiſen, daß ſie die zu erkaufenden Früchte zur eigenen Con⸗ ſumtion bedürfen.
Friedberg don 20. Mai 1846.
Der Grßh. Heſſ. Domänenrath B u ß.
Aufforderung.
(73) In Sachen der Ebefrau des Johan⸗ nes Zeiß zu Hochweiſel, Juliane, geborne Dämon, Klägerin gegen ihren benannten Ehe⸗ mann, Beklagten, Cheſcheidung wegen böslicher Verlaſſung betr., wird der Beklagte Zohannes
Zeiß aus Hochweiſel, welcher längere Jahre von Haus abweſend iſt und ſeither keine Nach⸗ richt von ſich gegeben hat, hiermit aufgefordert, um ſo gewiſſer von heute an binnen ſechs Wochen, auf die Klage, welche ſeine Chefrau wegen böslicher Verlaſſung gegen ihn dahier erhoben und in welcher ſie auf Eheſcheidung und Zuerkennung der geſetzlichen Vermögens⸗ nachtheile gegen ihn angetragen hat, ſich da⸗ hier vernehmen zu laſſen, als ſonſt der that⸗ ſächliche Inhalt der Klage als wahr angenom— men, dem Antrage derſelben entſprochen und das Erkenntniß durch Anheften an die Ge⸗ richtsthüre eröffnet werden würde.
Butzbach den 16. Mai 1846. a Großh. Heſſ. Landgericht daſ.
Mos ler.
Edictalladung.
(738) Forderungen und ſonſtige Anſpruͤche an Johannes Schmidt von Oppershofen, über deſſen Vermögen der Concurs erkannt worden iſt, ſind im Termin Dienſtag den 23. Juni l. J.,
5 Vormittags 10 Uhr, bei Vermeidung des ſtillſchweigenden Aus⸗ ſchluſſes von der Maſſe dahier anzuzeigen und zu begründen.
Butzbach den 14. Mai 1846.
Großh⸗ Heſſ. Landgericht daſ.
Mosler. Dr. Irle.
Holz⸗Verſteigerung. (JA) Mittwoch den 3. Juni, Morgens 9 Ubr, ſollen in dem Srgih. v. Diedeſchen Kirch⸗ walde dahier 1) 150 Stecken Buchenſcheit⸗, 2 10— anſtößiges, altes Eichen., 3) 8„ Birken u, Kiefern⸗Holz und
4) eirca 30,000 Wellen verſchiedener Holzart und Güte, oͤffentlich an Ort und Stelle verſteigeert werden. Ziegenberg den 20. Mai 1846. Kirchner. Arbeits»Verſteigerung. (75 Die bei Herſtellung des hieſigen Markt⸗ brunnens, an den Gemeinde- Gebäuden, der Stadtmauer und dem Kirchhof erforderlichen Arbeiten, als: fl. kr. Steinhauerarbeit aus den Böttinger Brüchen, veranſchlagt zu
Maurerarbeit, veranſchlagt zu 91
Schloſſerarbeit, 1 1 13 30 Schreinerarbeit,„ N 2 30 Weißbinderarbeit,„„ 17— Pflaſterarbeit, 51 12—
das Brechen, Beifahren und Setzen von Stei⸗ nen, ſowie die Anſchaffung ſonſtiger Bau⸗ materialien,
wird Mittwoch den 3. Juni d. J., Vormit⸗
tags 9 Uhr, auf hieſiger Gemeindeſtube wenigſt⸗
nehmend in Accord gegeben und werden nur
gewerbsberechtigte Leute zur Uebernahme zu⸗
gelaſſen. 5 Oberrosbach den 18. Mai 1846.
Der Grßh. Heſſ. Bürgermeiſter Blecher.
Verſteigerung. (735) Dienſtag den 2. Juni l. J., Morgens um 9 Ühr, wird in hieſigem Rathbauſe die Einfriedigung des Krankenhauſes, beſonders Anfertigen eines eiſernen Thores, beſtehend in Maurer-, Steinhauer⸗, Schloſſer⸗, Weißbin⸗ derarbeiten, ſodann Anliefern von 0,3 Klafter Schichtenpflaſterſteinen und zwei Bütten Kalk öffentlich wenigſtnehmend verſteigert.


