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aus aller Munde, denn die Schnitzarbeit war ſo meiſterhaft wie die Zeichnung.
„Die Mutter nahm ſie in die Hand und beſah ſie mit leuchtenden Augen; denn ſie kannte ihres Gatten Lieb⸗ haberei und beſonders ſein Leid, als ihm der Kopf zerbrach, der ihm hier in erneuerter und ſchönerer Geſtalt gegeben werden ſollte.
„Kinder, ſagte ſie, wir ſind alle überboten. Seht dieſe Schönheit und dieſen Fleiß. So ganz dem zerbroche— nen ähnlich und doch ſo viel ſchöner. Liebſter Arnold, ſagte ſie, ſeine Hand faſſend, Sie bereiten da dem Vater eine unausſprechliche Freude. Nehmen Sie meinen innigſten Dank vorweg. g
„Es war ein ſchöner Anblick für den, der mit beben⸗ dem Herzen hinter dem Fenſterchen des Nebenzimmers her⸗ vorſah. Die Knaben beſahen alles mit großer Neugierde. Roſa lehnte an der Wand. Ihre Gedanken begleiteten den
Geliebten auf ſeinem Wege zur Heimath. Wonne und
Schmerz lag in ihren Blicken. Der Mutter Antlitz glänzte in ſeliger Freude, indem ſie die Geſchenke muſterte, die die Liebe bot.
„An Arnolds Arm lehnte Malchen und die Blicke, welche ſie wechſelten, mochten beweiſen, wie gut ſie ſich ſeyen.
„O wie pochte Karls Herz. Wie hätte er mögen hinüberſtürmen und ſie alle an ſein Herz preſſen; doch er durfte ja noch nicht. Die Stunde war ja noch nicht da.
„Kommt, Kinder, ſagte nunzdie Mutter, als Alles ge— ordnet war, der Vater wird aufſtehen. Malchen und Rös— chen macht den Kaffee. Ich bin nur begierig, ſagte ſie, ob er nicht brummt, denn ich habe ihm die Staatsuniform an's Bett gelegt.
„Sie gingen nun alle hinweg.
„Der Alte war ſchon aufgeſtanden. Er hatte ohne ein Wort die Staatsuniform angelegt. Er ſah's kaum, daß ſie es war; denn ſeine Seele war bei Karl, dem Sohne, den er wiederbekommen ſollte. So rauh auch die Außen⸗ ſeite des alten Werner war, ſo tief war ſein Gefühl. Seine Seele umfaßte ſeine Kinder mit unendlicher Liebe, Und Karl war ein ſo hoffnungsvoller Jüngling geweſen. Sein Verluſt hatte ihn tief gebeugt. Und jetzt fiel ein Strahl von Hoffnung in ſeine Seele. Er ſollte ihn wieder- haben. So tief ſein Gefühl war, ſo innig war ſein from— mer Glaube. Heute hatte er wärmer und inniger als je gebetet.
„Seine Seele war klar und ruhig geworden; aber auch die Hoffnung war feſter. Noch dann und wann ſtieg ein Zweifel auf. Er wollte den Menſchen heute noch ein— mal ſcharf auf's Korn nehmen; aber der war ja ſo wild— fremd. Er wollte in des Forſtmeiſters Dienſte treten. Da hätte ſich ja früher oder ſpäter ſeine füge kund geben müſſen. Die Zweifel ſchwanden wieder, und heiterer als je, trat er aus ſeinem Schlafgemach in das Wohnzimmer, wo ſie alle ſtanden. Er war überraſcht. Alle beſtürmten ihn mit ihren Glückswünſchen und mit ihren Gaben.
„Nun mußte er beſehen. Wie freute er ſich, wie dankte er ſo gerührt. Wie innig drückte er Arnold an ſein Herz. 5
„Kinder, ſagte er, es iſt heute ein Tag der Freden, wie ich ſelten einen erlebt. Gott, ich danke dir!
„Du haſt mich ſehr lieb, mehr, als ich verdiene! du giebſt mir die Hoffnung, den Verlornen wiederzuſehen, den Vielbeklagten; du gabſt mir liebe, gute Kinder, alle ſind geſund; erhielteſt mir mein theures Weib.— Seine Stimme wankte. Alle ſtanden da mit gefalteten Händen und beteten mit ihm. i 8
„Die Mutter ſank weinend an ſein Herz.
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„Nach einer ſtummen Pauſe, ſagte der Vater: Ach, daß er jetzt bei uns wäre!
„Er iſt da! rief Arnold und öffnete die Thüre.
„Alle wandten ſich um— und aus dem Zimmer trat— Karl und flog an des Vaters Bruſt.
„Einen Augenblick ſtand der Alte wie verſteinert, dann drückte er den ihn umſchlingenden ſanft von ſich, drehte ihn gegen das Licht— ſah ihm in's Angeſicht und riß ihn dann mit dem Ausrufe: Ja er iſts! an ſeine Bruſt.
„Alle Andere ſtanden wie vom Donner gerührt.
„Die Mutter ſah ihn ſtarr an, ohne ſich bewegen zu können. Roſa ſank in den Stuhl zurück— Malchen und die Knaben drängten ſich an ihn.
„Jetzt ſank er in der Mutter Arme— dann eilte er zu ſeiner Roſa— zuletzt zu Malchen und den Brüdern.
„Etſch! rief Fritz, wir haben ihn doch zuerſtgeſehen und hat uns den Kranz machen und tragen geholfen; aber ſo wie jetzt, ſah er nicht aus! 5 5 a
„Nachdem die Ueberraſchung und der erſte Sturm der Freude vorüber war, zog ihn der Vater neben ſich nieder.
„Sag' an Kind, wo kommſt Du heute ſchon her?— doch— er fuhr raſch herum zu Arnold, wo iſt der fremde Burſche, der uns vorbereitete?—
„Hier! ſagte Arnold, auf Karl deutend.
„Wie rief der Vater aus, Du warſt's ſelbſt? Wie blind waren wir! Und du Mutter und du Roſa, Ihr habt ihn nicht erkannt! Na, das muß ich ſagen; Aber mein Sohn, du ſahſt auch abſcheulich aus! Wer hätte das geahnet?
„Ihr Schelmen!— Ach, Karl, als du heute früh Solo bließeſt, da ging mir der Ton durch die Seele. Ich kannte ihn. ö
„Aber wie haſt du's ſelber ausgehalten? fragte die Mutter.
„O Mutter, wie ſchwer wurde mir's! Und doch mußte ich, wenn ich nicht am Ende die Freude in Leid verwan⸗ deln wollte.
„Roſa ſtand neben ihm. Die Augen voll heller Thrä— nen und doch ſo ſelig froh.
„Aber du haſt da eine garſtige Schmarre Kind, ſagte der Vater. Wo erhielteſt du die? Doch halt! Ich will erſt einmal ſehen, ob dir die Narbe etwas geſchadet hat.
„Er ſtand auf, nahm Roſa's Hand und legte ſie in die ſeines Sohnes.
„Röschen, ſagte er, haſt du nichts dagegen, wenn ich deine Hand in die dieſes narbigen Soldaten für immer lege? Du kannſt ohne Sorge ſeyn, wenn er als Jäger nicht mehr beſtehen kann, ſo verdient er ſein Brod als Schauſpieler, denn dazu hat er, wie du geſehen haben wirſt, außerordent⸗ liche Anlagen. 5 5
„Das Mädchen erglühte und wurde bleich. Sie lehnte ſich an des Oheims Bruſt und lispelte leiſe! Lieber Oheim!—
„Soll eigentlich heißen: lieber Karl; verbeſſerte der Forſtmeiſter, Halt ihn feſt, Kind, ſonſt lauft er dir noch einmal weg. Er legte die Glückliche an Karl's Bruſt, der ſie an ſein Herz preßte..
„Gott ſegne Euch! ſprachen die Eltern.
„Damit aber die Hochzeit die Alten nicht durch eine baldige Wiederholung zu viel koſte, fuhr der Forſtmeiſter fort, ſo denke ich, wir feiern gleich zweie. Er trat zu Arnold und Malchen und ſagte lächelnd:
„Wie ſtehts? Habt Ihr Euch immer noch lieb! Ja, ja! rief Arnold und Malchen ſenkte erröthend das Köpfchen. „Auch ihre Hände fügte er in einander mit ſeinem Segen. i
„Dann zog er ſeine Frau an ſeine Bruſt. Mutter,
ſagte er, ſieh doch, wie gluͤcklich die Kinder ſind.
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Bekant
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6600. keihfallig toöbach, ſchoͤnſten den 23. auf der! dc weiſ
Ober
00 heſſſchen


