Ausgabe 
28.1.1846
 
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Intelligenz- Blatt

für die Provinz Oherheſſen N im Allgemeinen,

die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

ß

Mittwoch, den 28. Januar

13846.

Amtlicher Theil.

Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Friedberg

an ſaͤmmtliche Großh. Buͤrgermeiſter dieſes Kreiſes.

Betreffend: Den Geſchäftsplan der Kataſterarbeiten für die Finanz⸗ periode von 18.

Diejenigen Gr. Bürgermeiſter, welche meiner Ver fügung vom 13. November v. J. noch nicht entſprochen haben, werden an deren Erledigung binnen 8 Tagen bei Meidung von 1 fl. 30 kr. Strafe erinnert.

Friedberg den 20. Januar 1846.

Küchler.

Derſel be

an die ſaͤmmtlichen Gr. Buͤrgermeiſter des Kreiſes und den Polizei⸗Commiſſaͤr zu Wickſtadt.

Betreffend: Die Muſterung und Conſcription für 1846.

Sie haben alsbald in Ihren Gemeinden zur öffent lichen Kenntniß zu bringen, daß vom Mittwoch den 27. d. M. an die Hauptbezirksliſte der dießjährigen Militärpflichtigen, das eine Exemplar auf meinem und das andere auf dem Bureau Gr. Bürgermeiſters zu Groskarben, 14 Tage zu Jedermanns Einſicht offen liegt.

Friedberg am 23. Januar 1846.

Küchler.

Der Großherzoglich Heſſiſche Rentamtmann des Bezirks Gruͤnberg

an die Gr. Bürgermeiſter dieſes Bezirks. Beireffend: Die Erhebung der Feldſtrafen von der 6. Periode 1845 bei dem Rentamte Grünberg. 8 Die Erhebregiſter über die Feldſtrafen von der 6. Periode 1845 ſind bis zum erſten Februar angefertigt und können an den bekannten Zahltagen, Donnerſtags und Sam ſtags, Feldſtrafen bezahlt werden, was Sie im Intereſſe der Beſtraften in Ihren Gemeinden bekannt machen wollen. Grünberg am 23. Januar 1846. Bötticher.

Die Spinnſtube. Der Geburtstag im Forſthauſe. (Schluß.)

Als der Tag graute, war Karl wach. Er kleidete ſich an und weckte die Jägerburſchen, und dieſe Arnold. Alle ſchlichen hinab unter des Forſtmeiſters Fenſter.

Hier begann Karl, der Meiſter auf dem Horne war, die Melodie des Lieblingsliedes ſeines VatersFriſch auf zum fröhlichen Jagen zu blaſen und nun fielen die drei Andern ein und die ſchöne Melodie jubelte auf.

Der Forſtmeiſter erwachte beim erſten Tone Karls. Großer Gott, rief er aus, was ſind das für Töne? Mut ter, haſt Du's gehört? So blies Karl. Wer iſt der Vierte?

Ach ſagte die Mutter, Du biſt ſo aufgeregt und Deine Einbildungskraft iſt ſo thätig. Es war unſer Arnold und der Vierte iſt der fremde Jaͤgerburſche, denn ich ſah ſie noch geſtern Abend die vier Hörner hinaufholen.

Der Forſtmeiſter ſtand auf, um am Fenſter fuͤr den ſchönen Waidmannsgruß zu danken; aber ſie waren ſchon weg, und er legte ſich noch einmal nieder; aber die Mutter ſtand auf, denn es war ja ſo Vieles noch zu beſchicken und zu ordnen zum Geburtstagfeſte.

Auch die Mädchen waren ſchon auf. Nun gings denn an's Ordnen der Geſchenke. Um des Vaters Bud wurde von Arnold und Malchen der Kranz befeſtigt.

Wie habt Ihr ſchön geblaſen! flüſterte ſie dem gelieb⸗ ten Manne zu. Und er lächelte und ſagte leiſe: Der Gruß galt unſerm Vater. Das Mädchen erröthete und ſchwieg und die Arbeit ging rüſtig fort. Malchen ſelbſt brach die ſchöͤnſten Blüthen von ihren Heliotropen, Monatroſen und Hyazinthen, die ſie ſorglich am Doppelfenſter gezogen, und ſteckte ſie hier und dort in den Epheukranz, was den beiden Knaben, die auch ſchon da waren, nicht geringe Freude machte. Jetzt breitete Roſa, auf deren Wangen heute ſeit langer Zeit ſich eine friſche Röthe zeigte, von der Arnold ſagte, es ſey das Morgenroth des Wiederſehens, ihre ſchön geſtickte Pferdedecke über der Kommode aus. Die Mutter, legte den neuen, reichverzierten Hirſchfänger darauf, Mal chen brachte das prächtige Bandelier, das ſie geſtickt und Arnold ſeine Pfeife, die geſtopft war mit duftigem Knaſter. Eine jede Gabe wurde geprieſen nach Verdienſt; als aber Arnold die Pfeife hinlegte, brach ein Ach der Verwunderung