Ausgabe 
24.10.1846
 
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zu verbreiten; und wenn vielleicht durch Ihre Bemühung oder durch Andere auch in unſerm Lande ein Verein, wie der Zwickauer u. ſ. w. zu Stande kommen ſollte, oder wenn ſich die einzelnen Leſegeſellſchaften zu gemeinſamem Wirken ſollten verbinden, ſo werden Sie auch uns nicht unter den Theilnehmern vermiſſen. Etwas kann ich Ihnen nun zuletzt nicht verhehlen, ich wünſchte, Sie hätten Ihre Bemerkungen über die Oxen, d. h. die Orthodoxen und Heterodoxen aus dem Spiele gelaſſen. Solche religiöſe Diſſidien gehören nicht, nach meiner Ueber⸗ zeugung in ein Blatt für Leſer aus allerlei Volk, beſonders wenn die Sache ins Lächerliche gezogen wird. Auf unſe ren Streitpunkt hatte jener Zwieſpalt keinen Bezug. Das iſt gerade eine empfehlenswerthe Seite der Vereine gegen den Branntweingenuß, daß Männer von allerlei Glaubens⸗ richtungen), Katholiken und Proteſtanten liebevoll die Hand ſich bieten, um eine Leidensquelle zu verſtopfen, welche ohne Unterſchied der Religion, ſich über das deutſche Vater⸗ land verbreitet. Ich hoffe übrigens zu Ihrer Ehre, daß das Wort: Oxen nicht ſo böſe gemeint war, ſonſt würde ſich beſonders Claus Harms beſchweren, den Sie als Ge⸗ währsmann angeführt haben. Ich bin nicht ſeiner Mei⸗ nung, doch achte und ehre ich ihn, wie Jeden, wel⸗ cher der Stimme ſeines Gewiſſens folgt. Wer den harmſiſchen Glauben hat, und von der Wirkſamkeit der Kirche ſoviel erwartet, wie er, der hat Recht, beſondere Vereine zur Unterdrückung eines verderblichen Uebels zu verwerfen. Aber, haben Sie dieſen Glauben? Iſt der Ihrige ſo ſtark, wie bei dem vielfach geprieſenen, aber auch vielfach angefochtenen Prediger zu Kiel? Doch ich bin kein Glaubensrichter. Ein Jeder mag ſeines Glaubens leben, wenn nur der Glaube in der Liebe thätig iſt. Da⸗ rum meinen Gruß in Liebe. Der Ihrige. Ein Mitglied des Wetterfelder

f Vereins gegen das Branntweinübel.

Nachdem ich Obiges niedergeſchrieben und an die

Redaction abgeſendet hatte, drängten ſich mir bei aber⸗ maliger Durchleſung Ihres Schreibens noch einige Be merkungen auf, welche ich als Nachſchrift beizufügen mir er⸗ laube. ö 1) Sie ſuchen unſeren Verein zu bekämpfen und berufen ſich auf die Privilegien, welche man den Brenn aparaten von Schwarz u. ſ. w. ertheilt. Wie wenig ent⸗ ſcheiden aber Privilegien über den Werth einer Sache? Oder haben Sie nicht, allenfalls in den Mystères de Paris geleſen, daß in größeren Städten Geſchäfte, welche der Anſtand zu nennen verbietet, privilegirt werden?

2) Sie geben uns den Rath, den Reichthum des Volkes zu mehren, daß ein Jeder Burgunder und dergl. trinken könne. Das wäre ein probates Mittel gegen das Branntweinübel. Nun, ſo ſagen Sie uns auch, wie wir es bewerkſtelligen können. So lange Sie uns aber kein poſitives Mittel, den Wohlſtand zu heben, bezeichnen, ver dammen Sie unſer negatives nicht, d. h. ſo lange wir die Einnahmen des Volkes nicht vermehren konnen, glauben wir recht zu handeln, wennwir ſeine unnöthigen

) Auch Orthodoxen mein Freund!

Ausgaben zu vermindern ſuchen, um der Armennoth

entgegen zu wirken. Oder iſt das nicht das Verfahren jedes klugen Haushalters, welcher mit ſeiner bisherigen Lebensweiſe nicht auskommen konnte? 4

3) Sie behaupten, durch Aufhebung der Mäßigkeits⸗ vereine würde der Branntweinverbrauch nicht vermehrt werden. Haben Sie ſich gar nicht mit der Sache vertraut gemacht, da Sie ein Wörtchen mitreden wollten? Wiſſen Sie nicht, daß in Hannover, Schleſien u. ſ. w. ſeit dem Wirken der Vereine die Branntwein ſteuer um mehrere Hunderttauſend Thaler jähr⸗ lich geſunken iſt? Wiſſen Sie nicht, daß in Schweden Nordamerika u. ſ. w. viele Brennereien und Wirthſchaften eingegangen ſind? Sollte nicht eine Vermehrung des Ge⸗ brauches zu fürchten ſein, wenn die Urſache der Vermin⸗ derung wegfällt?

4 Sie reden Einiges über die Stutzer à la mode. Befürchten Sie nicht, daß ſich dieſe auf unſere Seite ſchlagen. Solche Leute haben nicht Manneskraft und Bruderliebe, wegen Anderer dem Liqueur, Punſch u. ſ. w. zu entſagen. e

5) Sie berufen ſich zweimal auf Autoritäten. Geben Sie ſoviel darauf? Ich könnte Ihnen Ausſprüche von Staatsbeamten, Theologen, Mediziner, Pädagogen u. A. in großer Menge anführen, welche unſere Beſtrebungen bil ligen. Noch neulich habe ich das Urtheil Dieſterwegs in ſeinem Wegweiſer für Lehrer geleſen. Er empfiehlt dieſen die Sache. Wollten Sie auch ſolche Ehrenmänner, welche wahrlich für des Volkes Wohl mehr thun, als daß ſie im ſchwarzen Fracke langweilige Mäßigkeitsreden halten oder hören, beſpötteln? Um ſolcher Leute willen bitte ich Sie, treten Sie mit würdigeren Waffen auf den Kampfplytz. Spott über das Schlechte; wer es wohlmeinet, verdient Achtung, wenn er gleich irret. Der Obige.

Verſchiedenes.

Sicheres Mittel gegen Hühneraugen. Man binde acht Tage nach einander beim Schlafengehen Perl aſche, von der Größe einer Erbſe, über das Hühnerauge. Die Kur ſoll radical ſein.

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Wer abgeſchnittene Blumen in ihrer vollen Schönheit ſehen will, miſche ein wenig Kampfer mit dem Waſſer, in welchem die Blumen ſtehen.

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Obſtbäume fruchtbar zu machen. Die Aeſte un⸗ fruchtbarer Bäume werden ſo tief zur Erde herabgezogen, daß ſie einen nach unten offenenen Bogen bilden. Durch das hierdurch entſtandene Stocken der Säfte geben ſich die Zweige gern der Bildung von Tragknoſpen hin. Zu Ver⸗ ſailles, einer Stadt in Frankreich, werden ſchon ſeit lange die Obſtbäume nicht mehr beſchnitten, ſondern die Aeſte auf bezeichnete Art gebogen. Die Richtigkeit dieſer Entdeckung ergiebt ſich ſchon aus dem Umſtande, daß Obſtbäume, welche von Natur aus gebogene Zweige haben, viel fruchtbarer ſind, als andere.

Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.

A νιιονιννν

Bekanntmachung.

(1477 Montag den 26. Oktober, Mor⸗ gens um 8 ½ Uht, wird in hieſigem Rathhauſe in Auftrag der Philipp Schmidt'ſchen Che⸗ leute, deren Hofraſthe, beſtehend in Wohnhaus,

Stall und Hofraum, in der Wilheminenſtraße, öffentlich meiſtbietend verſteigert. Friedberg am 12. Oktober 18465. Der Natz Heſſ. Bürgermeiſter e n

Bekanntmachung. (1508) Montag den 26. Oktober l. J., Vor⸗ mittags um 10 Ubr, ſoll in der Wohnung des Gaſtwirths Hieronimus vor dem ehemaligen Mainzerthor dahier die Lieferung der zur Brücke

in Rödelheim erforderlichen 24,5 Fuß langen⸗ 5 Zoll dicken, eichenen Bohlen, zuſammen 2500[I Fuß, öffentlich an die Wenigſtnehmen⸗ den verſteigert werden. der. Der Voranſchlag der im Ganzen 1101 fl. betragt, liegt zur Einſicht auf dem Bureau des Unterzeichneten offen. Friedberg den 18. Oktober 1846. Der Grßh. Heſſ. Kreisbaumeiſter des Baubezirks Friedberg Stockhauſen.

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