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verſteht, der ſoll die Hand ans Werk legen. Für die ganz verwilderten Kinder wollen ſie Häuſer einrichten, wo dieſe beſſere Beiſpiele ſehen und gut zur Schule angehalten werden. Denen aber, die noch nicht gerade Bettelkinder und Vagabunden geworden ſind, wollen ſie mit Allerlei nachhelfen, daß es nicht ſo arg wird. Den Eltern wol— len ſie rathen, die Kinder wollen ſie ermahnen, aber ihnen auch Arbeit geben und ſie vor dem Müßiggang bewahren. Auch wollen ſie alle Jahre wieder einmal zuſammen kom⸗ men und weiter berathen, Was zu thun ſei.
Das hat mir gefallen, und die letzte Rede auch, ob⸗ gleich ich ſie nicht ſo gut verſtand, als die erſten. Und das:„Nun danket alle Gott“ hat mir auch gefallen, denn es wurde von Herzen geſungen.
Darnach gingen die Herren in die Mainluſt zu einem großen Eſſen, das war mir aber zu theuer, denn es koſtete 1 fl. 30 kr. und ich dachte, ſie hätten ſich auch mit Weniger begnügen können und ihre Kreuzer der Pe⸗ ſtalozzi⸗Stiftung zuwenden können. Denn dieſe iſt ein ſchönes Werk und daran kann jeder Theil nehmen, auch Wer gerade nicht viel Geld zu verzehren hat.
Auf dem Nachhauſeweg kam unſer Schullehrer zu mir und wir ſprachen von der Peſtalozzi-Stiftung. Da erzählte er: im Würtembergiſchen gebe es ſchon eine Menge ſolcher Erziehungshäuſer für verwahrloſte Kinder. Das iſt kurios, ſagte ich, wenn ſie im Würtembergiſchen die Sache machen können, wofür haben denn die Herrn heute ſo hin und her geredet, als wäre es gar nicht auszufüh⸗ ren. Dort werden die Dukaten auch nicht auf der Straße liegen.— Ja, ſagte der Schullehrer, das iſt auch etwas Anderes. Dort ſind es die Pietiſten, welche die Auſtalten gegründet haben und alle Jahre Geld dazu hergeben.— Das iſt noch kurioſer, Herr Schullehrer, antwortete ich. Warum ſollen denn gerade die Frommen, das heißt die man ſo nennt, allein gute chriſtliche Werke thun können. Ich zum Exempel bin kein Frommer, und laſſe den Kopf, ſo lange ich ein gutes Gewiſſen habe, nicht hängen, aber zu der Peſtalozzi⸗Stiftung gebe ich doch ſo gut meinen
Beitrag, als irgend Einer. Das muß ich gerade an den Frommen loben, daß ſie zu Gottes Ehre und zum Beſten ihrer Nebenmenſchen auch etwas opfern mögen und nicht Alles an Eſſen und Trinken und Staatskleider hängen. Thäten die Anderen Das nur auch!— Da fragte der Schullehrer, ob ich wirklich glaube, daß etwas Geſcheidtes bei der Sache zu Stande käme? Er meinte, auf dem Lande bekümmere man ſich nicht um den Peſtalozzi. Ich habe ihm aber meine Meinung deutſch heraus geſagt.
Herr Schullehrer, ſagte ich, da kennt Er unſere Bauern
noch ſchlecht. Heutiges Tages iſt das Volk nicht mehr ſo dumm, wie Mancher glaubt. Das begreift unſer Einer doch auch, daß je weniger Bettelkinder und Galgenſtricke in einer Gemeinde aufwachſen, deſto mehr Gedeihen in das ganze Weſen kommt. Die Gensdarmen allein können es nicht zwingen. Wenn da nun die geſcheidten und recht⸗ ſchaffenen Leute ſich zuſammenthun und für die Erziehung ſorgen wollen, daß des nichtsnutzigen Volkes immer we⸗ niger wird, ſo iſt doch Das gewiß wohlgethan und Gott wird ſeinen Segen dazu geben. Summa, Herr Schulleh⸗ rer, wann der Zettel hier ins Dorf kommt, ſo ſchick Er mir ihn nur ins Haus, ich ſchreibe meinen Sechsbätzner auch auf. Von Einem, der dabei war.
Ueberſicht
des im Jahre 1845 zu Altenſtadt geſchlachteten Viehes:
1) 29 Ochſen,) 38 Kühe, 3) 89 Rinder, 4) 68 Käl⸗ ber, 5) 96 Hämmel, 6) 166 Schweine. Altenſtadt den 16. Januar 1846. Der Fleiſchbeſchauer Georg Lehr.
Zur gefaͤlligen Beachtung.
Der Schluß der in der vorigen Nummer abgebrochenen Erzählung kann erſt in der nächſten Nummer folgen.
Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.
a
Edietalladung.
(18) Heinrich Steins Wittwe, Anna Maria, geb. Georg, zu Köddingen hat nachbezeichnetes in dortiger Gemarkung gelegenes Grundſtück XVI/62. 255[IKlſtr. Wieſe in der Lenzen⸗ wies an Heinrich Plock, verkauft. Da ſie keine genügende Erwerbs⸗ urkunde darüber beſitzt, ſo fordert man alle Diejenigen, welche Eigenthums⸗ oder ſonſtige Rechte an dieſes Grundſtück glauben anſpre⸗ chen zu können, zu deren Anzeige binnen 4 Wochen um ſogewiſſer hiermit auf, als ſonſt der Kaufbrief beſtatigt wird. Ulrichſtein am 10. Januar 1846. Großh. Heſſ. Landgericht daſ. Zimmermann.
Arbeits-⸗Verſteigerung.
(62) Mittwoch den 28. l. Mts., Morgens um 11 Uhr, werden in bieſigem Rathhauſe die Herſtellung der Gartenſtakete an der Kreis- rathswohnung, beſtehend in Steinhauer⸗, Mau⸗ rere. Schreiner⸗, Schloſſer⸗ und Weißbinder⸗ arbeit, öff rotlich wenigſtnehmend verſſeigert.
Der Voranſchlag liegt bis zum Verſteige⸗ rungstermin bei Unterzeichnetem offen. Friedberg am 17. Januar 1845. Der Grßh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender. Bekanntmachung.
(S0) Die Montag den 26. und Dienſtag den 27. l. M. anberaumte Verpachtung und Verſteigerung der Immobilien, des Viehes, Schiff und Geſchirr der Adam Kehr'ſchen
Eheleute wird nicht abgehalten, welches zur
allgemeinen Kenntniß bringt Friedberg am 21. Januar 1846. Der Grßh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.
Bekanntmachung.
(65) Montag den 2. Februar d. J., Por⸗ mittags 10 Uhr, ſollen in dem Nauheimer Gemeindewald 85 Eichſtämme Baus und Schiff⸗ baubolz, circa 8000 Cubikfuß haltend, öffent⸗ lich an den Meiſtbietenden verkauft werden. Die weiteren Bedingungen werden vor der Verſteigerung bekannt gemacht und die Zu⸗ W iſt im Holzſchlag, Diſtrict Bau⸗ wald.
Nauheim am 18. Januar 1846. Der kurheſſiſche Bürgermeiſter
1 Hartmann.
Wirthshaus Verſteigerung. (68) Das auf Johannistag dieſes Jahres
leihfällig werdende Stadtwirthshaus zu Ober⸗
rosbach, welches an der Chauſſe und in der
ſchönſten Lage der Stadt liegt, ſoll Montag
den 23. Februar l. J., Vormittags 11 Ubr,
auf der Rathſtube in demſelben Haus öffent⸗ lich meiſtbietend verſteigert werden.
Oberrosbach den 17. Januar 1846.
Der Grßh. Heſſ. Bürgermeiſter
Blecher.
Holz⸗Verſteigerung. (69) Dienſtag den 27. l. M., von Morgens 9 Übr an, ſoll in dem Gräflich Solms⸗Rödel⸗ heim'ſchen Walde bei Wickſtadt das nachfol⸗ gende Holz, nämlich: 5 14 Stecken buchen Scheitholz, 52„ Stangenprügel, 6„ eichen 1 11' gemiſchte 2 125„ gemiſchtes Stockholz, 200„ gemiſchte Reiſer, 7 Stück buchen Werkbolzſtangen öffentlich meiſtbietend verſteigert werden. Aſſenheim den 17. Januar 1846. Gräflich Solms⸗Rödelheim'ſche Forſtverwaltung. 0 Edictalladung. (81) Anſprüche an das Vermögen des ſchon ſeit vielen Jahren abweſenden über 90 Jahre alten Johann Daniel Stetzer aus Niederros⸗ bach ſind von dieſem oder ſeinen Leibeserben ſogewiß in 3 Monaten von heute an hier an⸗
NA baus; hieſtge Vorn


