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ZIntelligenz-Olatt
für die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
Amtlicher Theil.
Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Gruͤnberg an ſaͤmmtliche Großh. Buͤrgermeiſter dieſes Kreiſes. Betreffend: Die Muſterung des Jahres 1846.
Sie werden bekannt machen, daß die Hauptliſte der diesjährigen Dienſtpflichtigen des hieſigen Kreiſes vom 23. Januar bis zum 4. Februar auf meinem Bureau zur Ein⸗ ſicht offen liegt.
Grünberg am 16. Januar 1846.
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Das Peſtalozzifeſt zu Frankfurt.
Am 12. Januar hatten ſie zu Frankfurt ein Feſt, von dem viel Rühmens gemacht wird, und das von vielen Männern aus der Umgegend, alſo auch aus der Wetterau, beſonders von Geiſtlichen und Lehrern beſucht war. Einige hundert Menſchen, auch ſchön geputzte Damen waren in einem großen Saale verſammelt, deſſen Wände mit den Bildniſſen Peſtalozzis ſelbſt und anderer berühmten Lehrer geſchmückt waren; auch ſtand ein Bruſtbild des Mannes, deſſen hundertſten Geburtstag man feierte, am Ende des Saales und war mit grünem Laube bekränzt. Davor war ein Tiſch-mit allerlei ſchönen Blumen beſtellt, hinter wel— chem eine Reihe Männer ſaß, die ſie das Komite nannten. Einige von dieſen hatten Papier vor ſich, und fingen auch bald an, Alles was geſagt wurde, aufzuſchreiben. Neben dem Bruſtbilde Peſtalozzis, nach dem Fenſter zu ſtand ein, wie ſoll ich ſagen? ein Pult, über welchen ſie ein rothes Tuch gehängt hatten, als wäre es ein kleiner Altar.
Einer von den Herrn hinter dem Tiſche ſchellte, und ſogleich ging der Geſang an, nicht aus Geſangbüchern, aber doch ein Lied, wie ſie im Geſangbuche ſtehn:„Dir Gott tönt unſer Lobgeſang.“ Als Das fertig war, ſchellte es wieder und ein Mann mit einer Brille ſtellte ſich hinter den rothbehängten Pult und hielt eine Art von Predigt. Er ſprach von dem Peſtalozzi, daß er aus der Schweiz, aber doch ein guter Deutſcher geweſen ſei, und aus Liebe zu dem Volke und den Kindern allerlei Noth erduldet habe. Der Mann hätte ſtudirt und hätte ein Pfarrer werden
Sonnabend, den 24.
können, ſei aber doch lieber unter die Armen gegangen, und habe ihre Kinder erzogen und habe ſogar mit ihnen gehungert. Endlich aber habe man ihm doch geholfen, ſo daß ſogar ein Kaiſer ihn beſucht habe, allein er hätte viele Feinde gehabt und die hätten ihm das Leben ſauer gemacht, und hätten gethan, als wenn gar Nichts an ſeiner Lehre wäre. Aber nun, wo der Mann todt ſei, wiſſe man Das beſſer, und muͤſſe ihn ehren, denn er ſei es eigentlich ge— weſen, welcher uns beſſere Schulen gebracht, und die alte Zucht mit Prügeln und Auswendiglernen abgeſchafft habe. Und deßwegen ſollten wir ihm zu Ehren unſere Kinder jetzt auch gut erziehen.
Nach Dieſem kam ein Anderer ohne Brille. Der muß bei dem Peſtalozzi geweſen ſein, denn er erzählte gar Vieles von ihm haarklein, und weinte ordentlich über den guten Mann, von dem er ſo viel gelernt hatte. Weil er ſeine Rede ſo ſchoͤn gemacht hatte, ſo klatſchten ſie mit den Händen als er fertig war.
i Nun kam ein junger Menſch, der las Verſe, die er ſelbſt gemacht hatte, und die immer wieder von dem Peſtalozzi handelten.
Hernach ſangen ſie ein ſchönes Lied, das aber kein Choral war. Die Leute hatten aber doch alle ihr Wohl— gefallen daran.
Als das fertig war, ſtellte ſich der erſte Mann mit der Brille wieder an den Pult, und ſagte: jetzt wollten ſie ausmachen, Was man thun müſſe, um den Peſtalozzi zu ehren und Was Der zu bauen angefangen habe, nun auch auszuführen. Denn zes wäre doch eine Schande, wenn die Menſchen nach hundert Jahren, das Gute nicht beſſer erkennten, und auszuführen ſuchten. Deßhalb wollte er einen Allgemeinen Peſtalozzi- Verein vorſchlagen, welcher Das alles thäte, was der Peſtalozzi gewollt hätte. Aber da waren doch viele Herren anderer Meinung und man weiß eigentlich nicht, warum ſie ſich zankten. Der an dem Pult ließ ihnen aber doch keine Ruhe, und einige Pfarrer ſagten auch, der Peſtalozzi ſei ein gar edler Mann geweſen, und die jetzigen Leute müßten Das erkennen und Etwas thun, daß man ſähe, die Erziehung der Kinder liege den Eltern und auch den Andern am Herzen. Und ſo wurden ſie zuletzt einig, einen Verein zu ſtiften, der Peſtalozzi-Verein heißen ſoll. Da wollen ſie Kinder ohne Eltern, oder deren Eltern ſchlecht für ſie ſorgen, beſſer zu erziehen ſuchen. Wer Etwas dazu geben kann, ſoll es geben, und Wer die Lehre und die Erziehung


