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Sie wollen„frei/ ſein: 1) Von aller Leidenſchaft; 2) Von allen(lüberfluͤſſigen) Beduͤrfniſſen; 3) Von Aberglauben, Irrthum und Unglauben; 4) Von Eitelkeit und Stolz; 5) Von Schmeichelei und Heuchelei; 6) Von Trug und Lug; l 7) Von dem Wahne, als brauchten ſie kein Geſetz und keine Ordnung..
Darum ſind ſie bei Freude und Leid nicht allzu laut, ſie ſpielen nicht, verabſcheuen und meiden namentlich Hazard⸗ ſpiele, wie den böͤſen Feind; ſie ehren das weibliche Geſchlecht ob ſeiner vielen Tugenden, ſind aber weit entfernt, es blos als Spielzeug zu betrachten, ſie verkehren gerne mit edlen Frauen und Mädchen und ſchleifen durch den Umgang mit ihnen ihre rauhen Seiten ab, ſie verachten indeß den Aus⸗ wurf des weiblichen Geſchlechts und diejenigen, welche ſich mit ihnen beſudeln; ſie entfernen aus ihrer Mitte die Zoten— reißer und meiden und verachten dieſe ekelhaften Spaßmacher der meiſten modernen Geſellſchaften; ſie ſchwören nicht, ſie fluchen nicht, ſie ſind mäßig im Eſſen und Trinken und glauben nicht, daß es den Mann mache, wenn ſie ſich bei feſtlichen Gelegenheiten durch größere Ausgaben zeigen, als ihre Verhältniſſe erlauben; ſie ſind einfach in Kleidung und Sitte, ſie haben nicht ſtets und uberall die Pfeife im Munde; ſie härten ihren Körper ab, daß ſie wandern können durch Berg und Thal und nicht bei Reiſen von einigen Stunden ſchon in einem dumpfen Wagen ſitzen; ſie ſuchen Aberglau— ben und Irrthum aus ihrer Mitte zu verbannen und die— jenigen, mit welchen ſie verkehren, über die Vorgänge in der Welt und Natur aufzuklären; ſie glauben an Gott und ſeine Geſandten, ſowie an ihre Lehren und leben nach ihnen, ſie ehren den Glauben anderer Confeſſionen und anderer Religionen; ſie glauben nicht, daß ſie's ſchon er griffen hätten, ſondern jagen ihm nach; ſie ſuchen ſich, ein Jeder in ſeiner Kunſt und Wiſſenſchaft ſtets zu vervollkomm⸗ nen; ſie ſehen nicht ſtolz und hochmüthig auf anders Den⸗ kende herab, ſie ſuchen dieſelben aber durch Freundlichkeit und Belehrung zu ſich zu ziehen; ſie ſagen immer ohne Menſchen⸗ furcht dem Schlechten ihre Meinung ins Geſicht, ſie ſprechen nimmer anders, als ſie denken, ſind nicht hinterliſtig, und ihre Rede iſt immer und unter allen Umſtänden ja! ja! nein! nein!, dem Lügner ſagen ſie immer ins Geſicht, wofür ſie ihn hal— ten, denn, wer lügt, verachtet den, zu welchem er ſpricht, und Verachtung darf ein Ehrenmann nicht dulden; ſie fügen ſich ſtets unter das Geſetz, ſowohl auf dem Turnplatze, als im bürglichen und amtlichen Leben, ſie beweiſen durch die That, daß ſie überzeugt ſind, ohne Geſetz und Ordnung kann keine Geſellſchaft, kein Stagt beſtehen, ſie machen keine Schulden, ſie fangen keine Händel an, ſie prozeſſiren nicht, ſie befolgen die Vorſchriften des Geſetzes, ſo ſind ſie„frei“ von Gerichtsboten und Dienern der Polizei, ſo ſind ſie freie Männer, es kaun ihnen Niemand etwas anhaben, und die höchſte Obrigkeit des Staates wird nimmer und nir— gends bravere, folgſamere, treuere, zuverläſſigere, kräftigere Bürger finden, als in den Reihen der Turner, und das Wohl der einzelen Familien und ſomit das des ganzen Staates wird befördert werden und kräftig gedeihen, wenn der Turner in dem Sinne frei iſt, wie er wünſcht und mit einem herzlichen Gut Heil ausſpricht.“)
Der Bruder des hinkenden Boten.
*) Wäre in Vorſtehendem noch der Höflichkeit und beſcheidenen Zuvor⸗ kommenheit, überhaupt der Achtung vor dem, was die Sitte gehei⸗ ligt hat, Erwähnung gethan, dann möchte es als Turnerſpiegel
betrachtet werden können; Jeder, der den Namen„Turner/ und deſ⸗
ſen Kleidung trägt, betrachte ſich alſo in dieſem Spiegel und prüfe ſich, ob er wirklich iſt, was er heißt und was er ſein ſoll.—
Judenwörter in der Wetterau. (Schluß) 0
190. Der Sechel(das erſte e wird lang geſprochen), d. i. Einſicht, Verſtand. Unſere Juden ſprechen Säichel. Das Wort iſt das gleichbedeutende hebräiſche séchel.
11. Der Stuß,(sprich: Schtuſſ) meiſt aber in
der Mehrzahl die Stuß(das u wird immer geſchärft ge⸗ ſprochen) heißt ſo viel als: Spaß, Poſſe, Narrheit. Bei den Juden bedeutet schtuss, wie ſie das Wort immer aus ſprechen, nur„Narrheit.“ Es iſt nicht eigentlich hebräiſch, ſondern jüdiſch-rabbiniſch, wird schtüͤth geſchrieben, bedeutet „Narrheit“ und iſt die Mehrzahl eines Wortes, welches abgeleitet iſt von jüdiſch-rabbiniſch schata(d. i.„ein Narr werden, unſinnnig ſeinz“ im Talmud auch»ſich närriſch ſtellen, Späſſe machen,).— Von Stuß hat man dann weiter gemacht das Wort: beſtußt(ſprich: beſchtuſſt) d. i. mit närriſchem Weſen behaftet.
12. Der Schote, d. i. der Narr, wer alberne lächer⸗ liche Streiche macht aus Gefallen daran. Unſre Juden und wir Wetterauer ſprechen dieſes Wort: Schoude aus. Auch dieſes Wort iſt nicht hebräiſch, ſondern jüdiſch-rabbiniſch, wo es schôteh lautet und den Narren, den Unſinnigen be⸗ deutet. Es kommt aber ebenfalls von dem vorhin genann⸗ ten jüdiſch⸗rabbiniſchen Worte schatah, welches unſre Juden schôte ſprechen und das„ein Narr werden ꝛc.“ bedeutet.
13) meſchuge(der Ton liegt auf der zweiten Silbe) bedeutet: hirnverrückt, aber in gelinderm Sinne, etwa wie wir ſagen„nicht recht geſcheid.“ Man ſpricht das Wort in der Wetterau miſchukke aus, und macht ſogar davon das Hauptwort: ein Miſchukken er, d. i. ein Hirnverrück⸗ ter in gelinderm Sinne. Es iſt das hebräiſche Wort mschugaàh Irrthum, welches von hebräiſch schagah irren herkommt. Meſchuge ſoll alſo wohl ſo viel ſagen als: im Irrthum, dann unſinnig.
14. broges, d. i. verdroſſen über etwas, aufgebracht über etwas. Unſre Juden ſprechen: bröges, wir Wetter⸗ auer„brouges.“ Das Wort iſt das hebraͤiſche bröges welches„im Zorn“ bedeutet und aus b(d. i. in) und roͤges (d. i. Zorn) zuſammengeſetzt iſt.
15. Der Kanuff(der Ton liegt auf der letzten Silbe) iſt ſo viel als: der Heimtückiſche, Hinterliſtige, wer unter der Maske der Freundlichkeit böſe Abſichten und Ränke verbirgt. Das Wort iſt hebräiſch und jüdiſch-rabbiniſch, wo es chanéf lautet und den Heuchler, eigentlich den Schmeichler, Fuchsſchwänzer bedeutet, und hebräiſch chanufa iſt Heuchelei, Ruchloſigkeit. Es iſt abgeleitet von hebräiſch und jüdiſch-rabbiniſch chanaf ſchmeicheln, den Heuchler machen, ſich in böſer Abſicht verſtellen, gottlos ſein.
16. Der Dalles, d. i. die Armuth, größte Duüͤrftig⸗ keit. Das Wort iſt das hebräiſche dallöth Armuth, Nied⸗ rigkeit, welches unſre Juden dalloss ausſprechen, aber ſo, daß das o kaum hörbar iſt, weshalb die andern Leute Dal⸗ les ſagen. Dallôth aber iſt die Mehrzahl von dalläh Armuth, Niedrigkeit, und dieſes ſtammt von hebräiſch dalal, welches ſchwach, gering ſein, dann niedrig, elend ſein bedeutet.
17. Der Gaſcht, d. i. 1) der heimatlos umherziehende
arme Bündeljude; daher dann Y als Schimpfwort ſo viel
Turner haben aber zum Wahlſpruch nicht blos das Wort frei, ſon⸗ dern auch die Worte fromm, friſch, fröhlich und es wäre zu wünſchen, daß des hinkenden Boten geehrter Herr Bruder auch den Sinn dieſer letzten Worte deuten möchte, damit die Jugend immer genauer erkennen lernt, was den Turner macht.
Die Redaktion.


