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redberg Buß bach
Hungen 3
Intelligenz- Blatt
ſür die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
Amtlicher Theil.
Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Friedberg an die Großh. Bürgermeiſter dieſes Kreiſes.
Betreffend: Die Vertilgung der Feldmäuſe.
Es iſt zu meiner Kenntniß gekommen, daß ſich hin und wieder die Feldmäuſe in nicht unbeträchtlicher Zahl zeigen ſollen. Unter Hinweiſung auf meine Ausſchreiben in Nr. 11 des Intelligenzblatts von 1834 und Nr. 30, 78 und 84 von 1842 weiſe ich Sie zur Anordnung der deßfalls noͤthigen Vertilgungsmittel an.
Die Uebertretung Ihrer Anordnungen haben Sie mit einer Polizeiſtrafe von 1—5 fl. zu bedrohen.
Friedberg am 16. Oktober 1846.
Küchler.
Der Großherzoglich Heſſiſche Rentamtmann des Rentamts Schotten an die Grßh. Buͤrgermeiſter des Bezirks.
Sie wollen Ihren Feldſchützen bekannt machen, daß die Feldſtraf⸗Gebühren von der II. Periode d. J. an den bekannten Zahltagen hier in Empfang genommen werden könnten.
Schotten den 14. October 1846.
Prätorius.
Offener Brief an einen Volksfreund vom Hüttenberg.
Ihre Bemerkungen in Nro. 77. d. Bl. habe ich, wie es die Wichtigkeit des Gegenſtandes verlangt, mit Aufmerk- ſamkeit geleſen. Anfangs wollte ich mich ereifern, daß Sie
mit ſpöttiſchen Witzeleien eine Sache behandelt haben, welche, wie verſchieden auch die Anſichten ſind, nach dem Ausſpruche aller Edeldenkenden, eine ernſte, würdige Be⸗ leuchtung verdient. Doch bald legte ſich mein Aerger; ich erkannte es wohl, daß wir eigentlich auf demſelben Wege uns fänden, nämlich, ein frohes, zufriedenes Leben
Mittwoch, de
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Oktober
unter dem Volke zu befördern. Unſer Standpunkt iſt nur verſchieden, und ich bekenne es gerne, daß der Vorzug der Volksgunſt auf Ihrer Seite ſich findet. Sie predigen, wie man es gerne höret, und darum konnen Sie zu allen Zeiten auf Beifall und Theilnahme rechnen. Mit Freude⸗ jauchzen wurde(wie ich mir denken kann) Ihre Rede be⸗ ſonders in den Wirthsſtuben von den zahlreichen Gäſten vernommen. Das iſt doch ein Mann, ſo hieß es, wie wir ihn brauchen können. Ein Viertelchen, Herr Wirth, um des Ehrenmannes Geſundheit zu trinken. Mir auch für einen Kreuzer, der Mann hat Recht, rief ein Anderer. Ein Dritter ſprach: Der Branntwein ſoll leben, und ließ ſein Glas wiederholt ſich füllen. So kann es denn nicht anders ſein, Sie werden vielleicht von hier und dort eine Dank— adreſſe erhalten, daß die Einnahme für verzapftes Lebens- waſſer eine größere geweſen ſei. Ob auch die Familien, denen in dieſer theuren Zeit hierdurch ein Nothpfennig ent⸗ zogen wurde, damit einverſtanden ſind, dafür mag ich mich freilich nicht verbürgen. Doch, was thut es? Sie haben nicht Wenigen einen genußreichen Abend verſchafft. Laſſet dem Bauer den Branntwein, ſo predigen Sie, wenn Sie auch dem vagabundirenden Fuſelgeiſte entgegentreten wollen, und Ihre Worte werden von tauſend Zungen wiederholt. Laſſet uns den Branntwein, ſo rufen die Ar- beiter aus, täglich greifen ſie 1mal, Amal und mehr nach dem Schnäppschen, ſie gewöhnen ſich daran, es wird ihnen Bedürfniß, bald genügt ihnen nicht mehr die bisherige Por⸗ tion, ſie verdoppeln dieſelbe, und— doch Sie erlaſſen mir die Forſetzung dieſer unerfreulichen Schilderung, welche, wenn auch nicht für Alle, doch für Einzelne paßt. Laſſet uns den Branntwein, ſo rufen die Jünglinge aus, wenn ſie beiſammen ſind, ſie überſchreiten nicht ſelten das gebüh⸗ rende Maß und beſonders bewähret es ſich auch ſpaͤter bei ihnen:„Gewohnheit iſt eine andere Natur.“ Laſſet uns den Branntwein, ſo ſchreien auch die Trunkenbolde, die man zur Buße mahnet, wir ſind es nun einmal gewohnt. Auch iſt es Verläumdung, daß wir Saufer wären. Nur ſelten ſind wir berauſcht, wir kennen das Wort: Wer niemals einen Rauſch u. ſ. w. Laſſet uns den Branntwein, ſo ſpricht Dieſer und Jener, wenn es ihm unwohl iſt, das iſt
eine Arznei, wie ich bedarf. Das Unwohlſein kommt wie—
der, vielleicht ſchon der Arznei wegen. Bald genüget das urſprünglich Quantum nicht mehr, aus dem Glaͤschen wird ein Glas, und auch dieſes wächſt bisweilen mit den Jahren. Auch Kinder wollen nicht zurückbleiben, wo Tauſende in


