Ausgabe 
21.3.1846
 
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Intelligenz-Glatt

für die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

Vom Hüttenberg, im März 1846.

Mit Freude können wir Allen denen, welchen der in dieſen Blättern ſchon mehrmals zur Sprache gebrachte Wet terauer Peſtalozziverein am Herzen liegt, die Nachricht geben, daß die auf den 11. d. M. anberaumte Berathung Statt gefunden und der Verein hiemit ſeinen erſten Schritt in das Leben gewagt hat. Der Hauptzweck dieſer Berathung war zunächſt der, vorläufige Kenntniß zu nehmen von dem Anklange, den die heilige Sache bis dahin in den Wetter auer Gemeinden gefunden habe und auf Grund deſſen die weiteren Vorſchläge und Anordnungen zur feſteren Begruͤn dung derſelben anzuhören und vorzunehmen. Im Allgemeinen muß man lobend anerkennen, daß bereits zahlreiche Unter ſchriften aus allen Gegenden der Wetterau dem Vereine eine ſichere Bürgſchaft ſeiner baldigen Blüthe geleiſtet haben und verdient beſonders der thätige Eifer, mit welchem die Stadt Butzbach allen übrigen Gemeinden vorausgeeilt iſt, hervor gehoben zu werden. Nachdem ſich die Verſammlung von der vorläufigen, erfolgreichen Wirksamkeit des Vereines uͤber zeugt hatte, ging man zur Beſprechung der Regeln und Vorſchriften über, welche demſelben fur die Zukunft zur Lei⸗ tung und Ausführung ſeiner Thätigkeit dienen ſollten und hatte dabei beſonders die von dem Frankfurter Bruderverein bereits getroffenen Maßregeln ins Auge gefaßt. Natürlich konnte eine Berathung von Stunden nicht die Vollen dung eines ſo wichtigen Werkes zum Zwecke haben, ſondern ſollte nur im Allgemeinen die Geſinnungen und Anſichten der dem Vereine günſtigen Anweſenden anhören, damit der aus ihrer Mitte zu wählende Ausſchuß daraufhin fur die Zukunft im Namen und Intereſſe des Vereines die geeig neten Schritte thun könne. Sofort ſchritt man auch zur Wahl eines Ausſchuſſes, nachdem man ſich darüber verſtän⸗ digt hatte, daß die Zahl der Mitglieder deſſelben vorläufig auf 9 beſchränkt werden könne und von dieſen 9 wenigſtens 5 in Friedberg, als dem urſprünglichen Sitz des Vereines, wohnhaft ſeien. Um ſo mehr verdient dieſe Anſicht Billi gung, als ſonſt, wenn die Mitglieder des Ausſchuſſes in

den weiter oder näher liegenden Gemeinden zu ſehr aus⸗ einander wohnen, die Thätigkeit und der Geſchäftsgang des Vereines gar leicht gehemmt werden würde, ſo aber, wenn auch nicht alle auswärtigen Mitglieder des Ausſchuſſes einer jedesmaligen Sitzung beiwohnen, rechtsgültige Beſchlüͤſſe ge⸗ faßt und die nothwendigſten Anordnungen durch Stimmen⸗ mehrheit getroffen werden können. Von den in Friedberg wohnenden Mitgliedern des Vereines wurden in den Aus⸗ ſchuß gewählt: 1) Herr Director Curtman, 2) Herr Con- rector Lauckhardt, 3) Herr Prof. Dieffenbach, 4) Herr Domänenrath Buß, 5) Herr Seminarlehrer Roth. Als weitere Mitglieder des Ausſchuſſes, welche nicht in Fried⸗ berg wohnhaft ſein ſollen, wurden gewählt: 1) Herr Decan Blum hof von Melbach, 2) Herr Conrector Steinberger von Butzbach, 3) Herr Pfarrer Strack von Oberrosbach, J) Herr Lehrer Perron von Vilbel. Dieſe Wahl kann nur eine glückliche und zweckmäßige genannt werden, weil ſie ſowohl tüchtige Erziehungsmänner getroffen hat, als auch die ein zelnen Gegenden unſerer Wetterau, in welcher unſer Ver⸗ ein bis jetzt feſten Fuß faſſen konnte, verhältnißmäßig ver⸗ treten ſind und dadurch eine lebendige und thätige Weiter verbreitung der guten Sache möglich geworden iſt. Nach beendigter Wahl ging die Verſammlung auseinander und zwar ohne Zweck- oder Feſteſſen und mit dem feſten Vertrauen und der freudigen Ueberzeugung, daß das erſte Lebenszeichen des Vereines ein hoffnungsvolles war und uns bald von dem eifrigen Wirken des Ausſchuſſes die erfreulichſten Nachrichten werden zu Theil werden. Möch ten auch unſere Nachbarkreiſe Hungen und Grünberg, die ſich ſo gerne Wetterauer nennen, wenn ſie gleich oft von dem ſcharfen Oſtwinde an die Nähe des Vogelsberges erinnert werden, dadurch ihre ächte Wetterauer Geſinnung an den Tag legen, daß auch ſie uber kurz oder lang ihre Vertreter nach Friedberg ſenden, um Rechenſchaft abzulegen von ihrem Wirken im Intereſſe des Peſtalozzivereines. Ein Mann ohne Brille!