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ichtet:
kirche:
Intelligenz-Blatt
ſür die Provinz Oberheſſen im Allgemeinen,
die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Gruͤnberg
an ſämmtliche Großh. Bürgermeiſter dieſes Kreiſes.
Betreffend: Die Entfernung der Knaben Martin und Johann Konrad Horſt von Oberohmen.
Die rubricirten Knaben, wovon der eine 14 und der andere 12 Jahre alt iſt, haben ſich von Haus entfernt und treiben ſich zwecklos umher. Ich weiſe Sie an, auf dieſel⸗ ben fahnden, ſie im Betretungsfalle arretiren und anher einliefern zu laſſen.
Grunberg am 13. Augnſt 1846. i übt ier
Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Friedberg an ſämmtl. Gr. Bürgermeiſter dieſes Kreiſes.
Betreffend: Die Aufſtellung der Gemeindevoranſchläge für 1847.
Der Einſendung der rubricirten Voranſchläge ſehe ich bis zum 15. September d. J. bei Meidung eines Wart⸗ boten entgegen.
riedberg am 15. Auguſt 1846. 5 5 l Küchler.
Vom Hüttenberg im Auguſt 1846. Peſtalozzi auf einem Kinderball.
Du erwarteſt gewiß, lieber Leſer, in den folgenden Zeilen eine ſchöne Geſchichte von unſerm alten und doch noch ganz neuen Freunde, Peſtalozzi, wie er, der Kinder⸗ freund, auch einmal auf einem gemüthlichen Kinderbällchen war und ſich amüſirte unter den Kleinen und ſich freute über ihre Knixchen und ſich todlachen wollte uͤber die ſchönen Complimente und Schmeicheleien, welche ſich dieſe Herrchen und Dämchen ſchon zu machen wußten, und über die zier⸗ lichen und gewandten Stellungen und Verdrehungen ihrer
Füßchen und Glieder! Wenn du das glaubſt, ſo biſt du noch kein Mitglied des Peſtalozzivereines, oder wenn auch ein ordentliches doch nur ein zahlendes und nicht pädago⸗ giſch mitwirkendes oder gar ein außerordentliches, zumal du etwas Außerordentliches von mir erwarten würdeſt! Auch haſt du alsdann nicht die in dieſem Blatte gemachte Anzeige eines Kinderfreundes geleſen, welches die Ueberſchrift trug „Eingeſendet“.“) Endlich kennſt du dann aber auch mich nicht, was freilich nicht viel heißen will; denn was kann dir daran liegen, daß ich auf dem Hüttenberg wohne, den du vielleicht nicht einmal findeſt, und daß ich von Zeit zu Zeit einige dürre, nackte, kahle Worte in das Intelligenzblatt ſende über die Peſtalozziſache, dieſem ewigen Einerlei, das mein einziges Steckenpferdchen in meiner augenblicklichen Penſionirung ohne Gehalt geworden zu ſein ſcheint. Doch, zur Sache! Ein Kinderbällchen! Eine freundliche Einla⸗ dung eines freundlichen Tanzmeiſters zu einem freundlichen Kinderbällchen! Liebe Frau! Da müſſen wir in jedem Falle hingehen; nicht unſertwegen, ſondern unſerm Auguſt, Karl, Adolph, Wilhelm— unſerm Nettchen und Settchen und Kättchen und Bättchen zu Liebe dürfen wir uns und ihnen das Vergnügen nicht verſagen. Nun ſo tretet ein in den hell erleuchteten Saal! Die Muſik hat begonnen, es tönet der Ruf, der kinderfreundliche Ruf des maitre de danse: engagez, Messieurs! Engagiren Sie, meine Herrn! O, ich freue mich, daß wir nicht einmal einen deutſchen Kunſtaus druck hierfür haben! Messieurs, meine Herrn! das iſt der erſte Saame, den der Meiſter auf den fruchtbaren Boden ſeiner Kinderverziehung ſtreut! Messieurs meine Herrn! das kitzelt die Herrchen bis in die große Fußzehe und klinget ganz anders als der„Lausbub, Faul⸗ kenzer, Bengel, Range,(nicht Ronge) Tagdieb,“ wenn ein⸗ mal Karlchen nichts gelernt hat. Und nun eilen ſie hin zu den Bänken, wo die kleine ſchöne Welt da ſitzt, voll⸗ kommenſte Muſter von 30 jährigen Koketten, mit zugeſpitztem Mündchen, mit zärtlichem Lächeln und ſchielenden Blickchen, ob ſie wohl ein ſchöneres Bändchen oder ſchöneres Kleidchen ziert als die Nachbarin! Dank dir, o maitre de danse über deine neue Sittenlehre, daß du ſchon ein bischen Neid und Miß⸗ gunſt, und Schadenfreude in das kleine Herzchen haſt einge⸗ ſetzt— freilich nur ein Reischen! doch es wächſt allmälig.— Glücklich hat das Herrchen ſeine wohleinſtudirte— lang vorbe⸗ reitete Anrede gehalten: Kann ich das Vergnügen, die Ehre
*) Nr. 60 dieſes Blattes.


