Ausgabe 
18.4.1846
 
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licher, als dieſer in eine Zeit ftel, wo der Landwirth gegen die in Folge deſſen drohenden Verlegenheiten durch Nach⸗ pflanzung anderer Gewächſe ſich nicht wohl mehr ſchüͤtzen konnte. Beſondere Beſorgniſſe hatte ſie aber hervorgerufen in Beziehung auf die Fortpflanzung eines der heutigen Be⸗

voͤlkerung ſo unentbehrlich gewordenen Naturproductes wie

der Kartoffel. Hat das Uebel ſich glücklicherweiſe in dem befuͤrchteten Maaße nicht verwirklicht, haben weiſe Einſchrän⸗ kungen, größere Wirthſchaftlichkeit im Haushalte ꝛc. dem dro⸗ henden Mangel ſo ziemlich begegnet; ſo können wir uns doch in Beziehung auf den andern Punkt: die Sicherheit der Fortpflanzungsfähigkeit der vorjährigen Kartoffel, um ſo weniger außer aller Gefahr halten, je weniger über äͤhn⸗ liche Fälle aus fruͤherer Zeit Erfahrungen zur Hand ſtehen, welche uns dießfallſigen Beſorgniſſen zu entheben geeignet wären. 1

Um wie viel dringendere Aufforderung daher zur eig⸗ nen größten Aufmerkſamkeit ſowohl, wie zur gegenſeitigen Ermunterung in Allem, was uuſerer neuen Kartoffelſaat irgend zum Frommen gereichen kann. Iſt es doch leider ohnehin nur zu wahr, daß im Allgemeinen gerade mit dem für die menſchliche Geſellſchaft beinahe unentbehrlichſten Producte des Bodens der Kartoffel am rückſichts⸗ loſeſten verfahren zu werden pflegt. Um ſchon an der Saat zu beginnen, d. h. ſchon hier zu ſparen, ſcheut man ſich nicht, die Kartoffel in aller erdenklichen Weiſe zu verſtuͤm⸗ pfen bei Vielen iſt dieſes zum eigenen Studium gewor⸗ den. Von Vielen werden ſie Jahr aus und Jahr ein immer in derſelben Weiſe gepflanzt, ohne Ab⸗ und Zugeben nach den jedesmaligen Umſtänden. Viele Kartoffeläcker des dorigen Jahres zeigten bei der Ernte das Anſehen der größ⸗ ten Verwilderung, einen Boden, mitunter ſo feſt wie Tenne. Wie leicht hätte man da und dort dem Uebel durch Auf⸗ lockern des Bodens, in welchem die Kartoffeln wie einge kittet lagen, vorbeugen können!

Dazu noch ihre Behandlung bei der Ernte, im Keller u. ſ. w. Wäre die Kartoffel aus Stein oder Eiſen, für⸗ wahr jene könnte manchmal nicht ſchonungsloſer ſein.

Warum aber auch nicht jede Muͤhe bei einer Pflanze anwenden wollen, welche, wie beinahe keine andere, dafür ſo reichlich lohnt! War doch ihre aufmerkſamere Behandlung, in Folge der Nachtheile durch Mangel an Keimkraft, welche man vor einigen Jahren da und dort zu erdulden hatte, nicht ſo bald eingetreten, als jener Mangel ſchon wieder zu verſchwinden begann.

Unſere Mahnungen beziehen ſich auf folgende Punkte: 1. Auswahl der Kartoffeln zur Saat.

Höchſt räthlich erſcheint vor Allem die völlige Aus⸗

ſchließung aller und jeder anſcheinend nicht ganz geſunden Kartoffel. Iſt es ſchon ein allgemein gültiger Satz:Wie die Saat, ſo die Ernte,, ſo muͤſſen wir uns zu jener Vorſicht um ſo mehr aufgefordert ſehen, als nach ſicheren Erfahrungen(wie in der Thierwelt, ſo auch im Pflanzenreiche) unter allgemein ungünſtigen Verhältniſſen

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aufgewachſene, ſelbſt anſcheinend geſunde Gewächſe fur fernere ungünſtige Einwirkungen vorzugsweiſe eine beſondere Em⸗ pfänglichkeit zu zeigen pflegen. Und mögen auch ſelbſt er⸗ krankte Kartoffeln aus vorjähriger Ernte ſich keimungsfählg gezeigt, ja ſelbſt ſchon neue Früchte hervorgebracht haben, wo haben wir die Garantie dafür, daß dieſe nicht den Keim neuen Verderbens in ſich tragen?

Der geſuͤnderen Kartoffel giebt es dermalen ſo viele und der Preis der auserleſenen Waare à 1 fl. 45 kr. bis 2 fl. pr. Malter iſt ſo mäßig, ja dieſer ſcheint nach allen Anzeichen noch ſo herabzugehen, daß kein Abhaltungsgrund dazu vorliegt. Hat man ja dieſen Preis in Jahren ohne allen Mangel an Lebensmitteln, reſp. mit geringeren Prei⸗

ſen derſelben, zu bezahlen keine Anſtand genommen.

Nie und nirgends wäre ſodann das Sparen

an Saatgut, durch Ausſchneiden der Keime, Zer⸗

ſchneiden der Kartoffeln und andere Künſteleien, womit man ſo gerne bei der Hand iſt, weniger am Orte, als diesmal, bei einem Saatgute, deſſen völliger Geſundheit wir nicht gewiß ſind, in einer Zeit wie der jetzigen, die nun ſchon ſeit einer Reihe von Jahren in dem Charakter der Witterung die ſo wohlthätige nöthige Abwech⸗ ſelung ſo wenig zu zeigen pflegt, wo Näſſe oder Trocken⸗ heit, Kälte oder Wärme je immer nur zu lange anzuhalten pflegen, wo ſomit der dem Schooße der Erde anvertraute Keim der ihm von der Natur angewieſenen Hülle, als Schutz⸗ mittel gegen ſolche Unbilde, nur um ſo nöthiger bedarf. Darum unterlaſſe man auch das ſonſt weniger unſichere Auslegen größerer Stücke, zumal bei nicht ganz entſchieden geſunden Kartoffeln, als, nach allen Erfahrungen, die auf ungewöhnliche Näſſe oder Trockenheit zuerſt zuruͤckbleibenden Kartoffelſtöcke immer zu denjenigen gehören, wo Stücke ausgelegt wurden.

Auch die Auswahl ganzer Kartoffeln verdient, in Be⸗ ziehung auf die Größe, eine ganz beſondere Beherzigung und ganz andere Rückſichten, als die, von denen man ge⸗ wöhnlich auszugehen pflegt. Um ebenfalls an der Saat zu ſparen, werden gar häufig kleine Kartoffeln verwendet. Durch ſichere Verſuche iſt es aber längſt erwieſen, daß auf gleicher Fläche, bei gleichem Gewichte oder Quantum kleiner Saatkartoffeln die Ernte von dieſen immer etwas geringer iſt, als von dem gleichen Gewichte und Quantum größerer Saatkartoffeln. Kleine Kartoffeln, als ohnehin häufig durch Nachwuchs entſtanden, vermeide man daher um ſo pflicht⸗ licher, je weniger ihre geringe Größe in der Art der Kar⸗ toffeln ſelbſt liegt. Kartoffeln mittlerer Größe unzer⸗ ſchnitten zu legen, bleibt darum nach allem dieſen gewiß immer das Beſte.

Daß man, wie in dieſen Blättern ſchon mehrmals angeregt, die Saatkartoffeln auch noch zur Zeit des Steckens vor aller Gefährdung, wie z. B. Stehenlaſſen in Säcken ꝛc., ſorgfältig zu ſchüͤtzen habe, bedarf wohl kaum einer Erinne⸗ rung. Insbeſondere huͤte man ſich vor Verletzungen der bei der gelinden Witterung des verfloſſenen Winters zum Theil ſchon ſehr vorangeſchrittenen Keime; denn mit dieſem iſt das