Ausgabe 
17.1.1846
 
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Als er wieder zu den Knaben kam, fragte er: Was iſt denn der Arnold eigentlich? Habt ihr ihn auch lieb?

Er iſt Actuar beim Vater, ſagte Ernſt und er hat ihn gar lieb, weil er ein guter Freund vom Bruder Karl geweſen iſt. Wir haben ihn auch alle lieb und unſer Mal chen beſonders.

So ernſt auch das Geſicht des Fremden und ſo weh müthig ſeine Stimmung war, ſo fuhr doch, als Ernſt das Letzte ſagte, ein Lächeln darüber hin und er mochte wohl denken, daß ſo kleine Augen oft weit ſchärfer ſehen, als Andere.

Der Kranz war nun fertig geworden, aber auch das Tageslicht ſeinem völligen Uebergange in die Nacht ſehr nahe. Es entſtand für die Knaben eine neue Unannehmlich keit. Sie konnten den Kranz nicht wohl tragen, weil er nun über ihr Erwarten groß und reich geworden war.

Wie bringen wir ihn nun fort? fragte Fritz.

Ich werde Euch tragen helfen, ſagte der Fremde, ſonſt zerreißt er Euch am Ende und alle Eure Muͤhe und Freude iſt hin. Was wollt Ihr denn damit machen?

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Um des Vaters Bild wollen wir ihn hängen! ſagten

ſie beide fröhlich.

Vielleicht, ſprach der Fremde, gönnen mir Deine Eltern ein Nachtlager. Nach der Stadt ſind's zwei Stun den und ich bin müde. Mit Herrn Arnold muß ich reden.

O gerne, gerne! rief Fritz. Ueberdieß haſt Du es ja auch ganz ehrlich verdient, denn ohne Dich wäre unſer Kranz noch nicht fertig.

Unter dieſen und anderen Geſprächen gingen ſie dem Forſthauſe zu. Als ſie in deſſen unmittelbare Nähe gekom⸗ men waren, ſprach Ernſt leiſe: Hier müſſen wir bleiben. Ich rufe Arnold, der muß ihn hineintragen, daß es der Vater nicht merkt. Sie ließen dem Fremden den Kranz und liefen beide davon.

Als ſie weg waren, und das gemüthliche Haus unter den uralten Linden ihm wieder vor den Blicken lag da ergriff den Fremden eine Macht, die ihn überwältigte. Er

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faltete ſeine Hände und betete leiſe. Sie leben noch, ſie lieben mich noch, Herr, wie dank ich Dir! Wie preis ich Deine Liebe, die mich dieſe Stunde erleben ließ! O laß mich glücklich werden an ihrem Herzen, daß ich vergeſſe das Leid vergangener Tage! Es zitterte ihm Hand und Stimme und das Auge ſah nichts mehr. Bebend ſchlich er nun zur Hainbuchenwand, die den Garten umſchloß. Ja, da war die Laube noch, die er einſt mit jungen Hainbuchen geſetzt und mit ſorglicher Pflege zur Kuppel gewölbt hatte. Da konnte er beim matten Lichte noch die Raſenbank ſehen, die er einſt in einer Mondſcheinnacht gefertigt hatte, weil am Abend vorher der Vater den Wunſch geäußert, hier eine zu haben. Da ging noch im Gehege ſeine Lilly, das zahme ſchlanke Reh! Aber da drinnen im Hauſe ſchlugen die Her zen mit Luſt; denn Morgen war des Vaters Geburtstag, des Hauſes Feſt- und Ehrentag. Und er kam und brachte ſich ſelbſt, den verloren geglaubten, tiefbetrauerten Sohn, den man unter Rußlands Schneefeldern begraben glaubte.

Bald darauf trat aus der Hofthüre ein junger ſtatt licher Mann dem Fremden entgegen.

Der geneigte Leſer wird nun ſchon wiſſen, wen er in dem Fremden zu vermuthen hat. Ich bin auch gar nicht der Meinung das länger zurück zu halten, daß es Karl, der älteſte Sohn des Forſtmeiſters Werner war, der mit den Franzoſen nach Rußland hatte ziehen müſſen, dort ver⸗ wundet und gefangen wurde und nach Sibirien wandern mußte. Er war endlich frei geworden, bettelte ſich durch, weil er anders nicht konnte, und kam nun nach raſtloſem Wandern an, denn er kannte ja das Familienfeſt, das Mor gen ſeyn ſollte, und ſein Herz bebte vor Luſt. Karl war ein feſter, ſtarker Menſch. Seine Schickſale hatten ihn vollends Selbſtbeherrſchung gelehrt. Auch jetzt mußte er ſich wohl zuſammennehmen, denn der Jugendfreund trat vor ihn hin und ſagte: Die beiden Knaben haben mir geſagt, Ihr kämet aus meiner Heimath? Iſt dem ſo? Was bringt Ihr Gutes?

(Fortſetzung folgt.)

Bekanntmachungen von Be⸗ hörden.

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Edietalla dung.

(2) In der Fortſetzung des allgemeinen In⸗ telligenzblattes zu Nr. 316 der Gr. Zeitung vom 14. November 1845 iſt in ausfübrlicher Bekanntmachung veröffentlicht, daß die Revi⸗ ſion des Ortshypotbekenbuchs des hieſigen Bezirksortes Bettenhauſen durch beſonderen Commiſſär vollzogen und daß zur Beſeitigung der ſich ergeben habenden Anſtände, die Inter⸗ eſſenten unter den geeigneten Präjudicien aufgefordert und geladen werden.

Unter Verweiſung auf jenes einmalige In ſerat in der Landeszeitung, werden alle Die jenigen, ſo bei der fraglichen Reviſton ſich be theiligt erachten, ſtatt ſpecieller Inſinuation, hiermit öffentlich bedeutet, daß die beſtimmte

riſt auf 2 Monate von heute an erſtreckt ſein olle, übrigens die verſchiedenen Auflagen ſo⸗ gewiß pünktlich zu erledigen ſeien, als ſonſten ohne weitere öffentliche Bekanntmachung, die angedrohten Folgen verwirklicht werden ſollen.

Hungen den 27. Dezember 1845.

Grßh. Heſſ. Fürſtl. Solmſ. Landgericht Hofmann.

Deffentliche Aufforderung.

() Johann Konrad Geiß und Anna Eliſa detha, deſſen Chefrau, ſodann Chriſtine Kratz zu Oberohmen, als Intercedenkin, haben am 12. Zuli 1823 bei Bürgermeiſter Johann Geo r

Stritter zu Oberohmen 85 fl. zu 5% verzins⸗ lich entliehen und 7 Grundſtuͤcke mit folgen⸗ den Kennziffern:

8 32⁴ 55** 3% 2, verpfändet. Geſagt iſt, die Grundſtucke ſtun den im Flurbuch vor David Ritzels Namen, deſſen alleinige Erbin die Chr. Kratz ſei.

Das Fortbeſteben der Schuld wird wider ſprochen und von Georg Stritter iſt deren Abfübrung nachgegeben. Da dermalen um Löſchung des Eintrags im Ppfandbuche ange ſtanden wird, ſo ſind Einſpruͤche hiergegen ſo gewiß binnen 6 Wochen dahier zu erbeben, als ſonſt der Eintrag geloͤſcht werden wird.

Grünberg am 20. Dezember 1845.

Grßb. Heſſ. zum Landgericht daſelbſt gehöriges Patrimomalgericht der Freiherrn Riedeſel zu Eiſenbach.

Welcker.

Wide ung

(39) Da die ſtädtiſche Schaͤferſtelle erledigt iſt, ſo werden diejenigen ſoliden Schäfer, welche Luſt haben, fragliche Stelle zu übernehmen, hiermit aufgefordert, ſich bei Un erzeichnetem binnen 14 Tagen von heute an zu melden und haben die Meldenden ein von den btr. Grßh. Bürgermeiſtereien beglaubigtes Sitten zeugniß bei der Anmeldung zu überreichen. Friedberg am 10. Januar 1846. Der Grßh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.

MobilienVerſteigerung.

(410 Montag den 19 Zan. l. J., Morgens 9 Uhr anfangend, wird der Nachlaß der Kreis⸗

bote Kiſter's Wittwe in der Wohnung des Familienkutſchers Heinrich Briel in der Kloſter gaſſe, beſtebend in Holzwerk, Bettung, Weiß⸗ zeug, Kupfer, Zinn, Blech u. ſ. w., öffentlich meiſtbietend verſteigert werden. Friedberg am 10. Januar 1846. In Auftrag Gr. Heſſ. Landgerichts Friedberg: Der Grßb. Heſſ. Bürgermeiſter de

Edietalladung.

(48) Heinrich Steins Wittwe, Anna Maria, geb. Georg, zu Köddingen hat nachbezeichnetes in dortiger Gemarkung gelegenes Grundſtück XVI/G2. 255[IKlitr. Wieſe in der Lenzen⸗ wies an Heinrich Plock, verkauft. Da ſie keine genügende Erwerbs urkunde darüber beſitzt, ſo fordert man alle Diejenigen, welche Eigenthums oder ſonſtige Rechte an dieſes Grundſtück glauben anſpre chen zu können, zu deren Anzeige binnen 4 Wochen um ſogewiſſer biermit auf, als ſonſt der Kaufbrief deſtatigt wird. Ulrichſtein am 10. Januar 1846. Großb. Heſſ. Landgericht daf. Zimmermann.

Frucht⸗Verſteigerung.

(49) Donnerſtag den 22. d. M., Vormittags 10 Uhr, werden auf der Falkenſtein'ſchen Muhle dahier verſteigt: 50 Malter Waizen und 60 Malter Korn. Obererlenbach am 10. Januar 1848. Der Rentmeiſter Staus.