Ausgabe 
16.9.1846
 
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berg; 23. Diſtrietseinnehmen Hoffm ann in Lampertheint; 28, der 1. Mädchenſchullehrer Su ppes zu Schlitz; 6. Aug. penſ. Fapſtſchütze Türck

zu Hainchen; 7. penſ. Hoforganiſt und Kammermuſikus Dr. Rinck da⸗ hier, penſ. Kanzleidiener Wittich dahier; 9. penſe Hauptſtaatskaſſe⸗Buch⸗ halter Kuhlmann dahier. l

Sendſchreiben an den Mitarbeiter vom Hüttenberg.

Lieber Mann vom Hüttenberg, Du ſcheinſt auch ein Turner zu ſein, darum begrüße ich Dich mit dem brüder⸗ lichen Du. Es freut mich, daß Du in deinen ſcharfge⸗ laugten Reden manche ſchöne Wahrheit in unſere Wetterau hinein ſchickſt, und magſt Du auch manchmal die Schellen⸗ kappe aufſetzen, ſo ſchadet Dieß der guten Sache nicht, denn Du weißt, Wer nach einem bekannten Sprüchwort die Wahrheit ſagen darf. Du haſt zu deinen Beobachtungen

einen guten Standort gewählt, denn der Hüttenberg ein

Landſtrich zwiſchen Wetzlar, Gießen, Lich und Butzbach muß einem Manne, wie Du biſt, eine unerſchöpfliche Fund⸗ grube darbieten. Bleibe daher hübſch auf deinem Poſten, und ſei wachſam in deinem Revier; da Du ohne⸗ hin nach einem Schreiben in Nr. 64 dieſes Blattes keine Storchbeine haſt, auch ohne Gehalt penſionirt biſt, ſo laß größere Wanderungen ſein, und ſage deinen vier Städten, wo es nöthig iſt, die Wahrheit, ſchaue um Dich nach allen Seiten, doch heute einmal vorwärts und rückwärts.

Vorwärtsja vorwärts ſchaue; da liegt an Deinem

Fuße ein Städtchen deſſen Bewohnern Du neulich wegen

eines Kinderbällchens den Staäar geſtochen haſt. Laſeſt Du auch in Nr. 58 dieſes Blattes unrer R. 1143 ber Inſerale eine Warnung? Wo nicht, ſo hole es nach, und laß Dir vom Warner ſelbſt die Auszunft-gehen Der. Warner hatte

ein Pflegkind, dem er und ſeine Frau mit väterlicher und

mütterlicher Liebe zugethan waren. Die liebe Pflegetochter macht Schulden und erfrecht ſich hierbei, den Namen ihrer Wohlthäter in der ſchamloſeſten Weiſe zu mißbrauchen. Der Krug geht ſo lange zum Waſſer, bis der Henkel bricht.

Der Henkel brach, es erfolgt Verhör, Geſtändniß und die

genannte Warnung. Das Mädchen wird ſeiner Großmut⸗ ter zurückgeſchickt, weil die Pflegeeltern glaubten, den Ge⸗ fahren, welche ihm drohten, nicht genug entgegen wirken zu können, und weil der ſchnöde Undank ſie zu tief geſchmerzt hatte, als daß ſie das Kind mit der früheren Liebe hätten behandeln können. e

In ſeinen Geſtändniſſen erzählt das Kind es ſei von einer Bürgersfrau in ihr. Haus gerufen worden, und dieſe habe ihm in dem Zimmer einen Chevauxlegers gezeigt, mit dem es ein paar Worte geſprochen. Bald darguf· all die Frau geſagt haben:Ich habe Dir Anm einen ſchmͤcken Burſchen gefreit; Du mußt Dich auch dankbär beweiſen. Das Mädchen kaufte Ellenwaaren, Pfeifen, Spezereien und eine Brieftaſche, natürlich auf Borg und auf den Namen ihrer Pflegeeltern. davon erhalten und Was ſie wieder herausgegeben hat, weiß ich nicht; aber der Chevauxlegers erhielt die Brief⸗ taſche, auf welcher mit goldenen Buchſtaben ſein Namen

Was die Kuplerin

31 2** ſtaud. Der 1 ſie bei ihm, der Rittmeiſter gab ihm einen derben Verweis. Da in den Kriegsartikeln nicht verboten iſt, eine Brieftaſche als Geſchenk von einem 15 jährigen Mädchen anzunehmen, ſo war eine andere Be⸗ ſtrafung nicht ſtatthaft.

Mehr kann ich Dir nicht ſagen, doch reicht das Ge ſagte hin, um Dich zu weiterer Nachforſchung anzuregen; dieß wird Dir um ſo leichter ſein, da Du an der Quelle ſitzeſt. Es wird ſich der Mühe lohnen, und Du kannſt dann wieder vortreffliche Nutzanwendungen machen, kannſt Eltern und Erziehern und Deinem noch ungebornen Pflegkinde, dem Peſtalozzi⸗Verein, das Buch der Wunder zeigen. Rege auch die Behörden an, ein wachſames Auge auf Haupt⸗ ſtraßen, Seiten- und Nebengäßchen zu haben. Die Ver führerin ſoll ſchon öfter den Verſuch gemacht haben, dürch einen ſchönen Reitersmann ſich den Säckel zu, füllen. Sie iſt klug und erſpäht die Opfer ihres Gewerbes aus der Zahl ſolcher Mädchen, die kaum der Schule entwachſen ſind, dieſe Kinder erhalten von ihren Eltern wohl die Erlaubniß, Abends einmal auszugehen, und man fragt nicht: Wohin? Sie ſelbſt ſind zu arglos, um die Schlingen zu merken, welche die ſchlaue Hexe ihnen legt, und gerathen leicht ins Garn. Demohngeachtet ſend' ihre Verſuche auch ſchon geſcheitert, und deß bin ich fröhlich. Aber wirke dahin, daß die Seelenverkäuferin beſtraft werde. Thue Das, Du er⸗ wirbſt Dir ein Verdienſt um die Menſchheit.

Rückwärts, Hüttenberger, hätteſt Du auch einmal

ſchauen ſollen. Hinter Dir liegt Gießen an der Lahn, Mit⸗

Gehe doch einmal hin, ich bleibe fein draußen, denn ich würde nimmer herauskommen, weil jeder Pflaſterſtein und jeder Laternenpfahl mich zu Betrachtungen veranlaſſen würde. In Gießen gab es neulich auf einem Kinderbällchen Auftritte, welche die Studirenden zu einem Auszuge veran⸗ laßten. Willſt Du nicht einmal Deinen Vater Peſtalozzi nach Gießen bringen? Das neue Colleggebäude hat er doch wohl noch nicht geſehen! 5 Vielleicht hinke'ich band zu Dir. Nachſommer 1846. Gut Heil! 4 Der hinkende Bote.

4 , 2 *

2

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3 ee. In der Wetterau, in Oberheſſen und auf dem Vogels⸗ berg kommt von naſſem ſumpfigen Gelände, welches ſich

nicht zu Fruchtbau eignet, öfters der Name Seife vor, und man ſagt bald die Seife, bald das Seifen, bald

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zz im Seifen. Eine Anzahl ſolcher Seifen in jenen Ge⸗ genden führt Pröfeffor Dieffenbach in der zweiten Abtheilung

ſeines Auszuges aus dem Tagebuche einer im Auftrag des

Zucker zeug. hiktoriſchen Vereins unternommenen Reiſe S. 124 an. Ich

will hier Einiges über die Bedeutung des Namens bemerken. Urſprünglich lautet er:der Seife, wie man noch auf dem Weſterwald ſagt; vor 600 Jahren ſprach man ihn: der siſe aus. Die Bedeutung aber von dieſemder sife, jetztSeife, war: 1) ein von einer Quelle, ge⸗ ſchmolzenem Schnee und dergleichen herrührendes rinnendes

telpunkt geiſtiger Beſtrebungen der mannigfaltigſten Art.