boden die Klinge zu fuͤhren, und im Kampfe mit geſchärften
laſſen, aber nie ſuchte er Händel, ſtets ſprach er gegen die Raufluſt auf den deutſchen Hochſchulen; mit Gewandtheit und Kraft ſchwang er ſich auf Barren und Reck, aber dem geübten Turner fiel es nie ein, unter ſeinen Genoſſen Die— jenigen zu verachten, welchen das Turnweſen fremd war; durch ſeine Heiterkeit und ſeinen muntern Geſang wußte er angenehm zu unterhalten, aber nie überſchritt ſtine muntere Laune die Grenzen der Sitte und Ordnung; manche Früchte ſeines Fleißes beurkunden ſein Talent als Zeichner, doch nie war ihm die Zeichenkunſt ein Mittel, um leicht— fertigem Spotte oder gemeinem Spaſſe zu dienen. Er dachte ernſtlich daran, ſich zu einem Examen in ſeinem Fach⸗ ſtudium vorzubereiten, aber nicht um einſeitige Bildung in
Dem allein, was ihm Brod ſchaffen ſollte, galt es ihm; er
ſtrebte nach jener Allſeitigkeit, wie ſie jeder junge Mann auf der Univerſität durch Umgang mit ſtrebſamen Männern von andern Fächern gewinnen ſollte. Der Studioſus Brau-
bach wurde von Vielen geliebt und geachtet, mit der Uni⸗
verſitätspolizei bekam er nie Verdruß, das elterliche Haus war ihm theuer, wie in den Tagen ſeiner Kindheit, Vater und Mutter hatten um ſeinetwillen Kummer und ſchlafloſe Nächte noch nicht empfunden..
Das Jahr 1833 war in B's. Leben bedeutungsvoll. Er gehörte zum Studentenverein der ſ. g. Burſchenſchaft, einem Verein, der zur Ungebühr geprieſen und verläſtert worden iſt. Ohne Zweifel war aber demſelben ein kindlich⸗ reiner, ſtreng-ſittlicher, wiſſenſchaftlicher Sinn eigenthümlich, und daß ſeine Mitglieder den Fragen der Zeit eine größere Aufmerkſamkeit ſchenkten, als der Anwendung und Entwick⸗ lung des Bier- und Pauk⸗Comments, kann wohl nicht ge⸗ tadelt werden. Wer ſich in jene Zeit zu verſetzen weiß, wird ſich erinnern, daß man ganz offen auf Univerſitäten von einer bevorſtehenden Umgeſtaltung der bürgerlichen Ver hältniſſe ſprach und ſprechen durfte. Auf dem Wege der fortſchreitenden Bildung und der erſtarkenden Ueberzeugung ſollte dieſes Ziel erreicht werden, doch zeigte das Attentat in Frankfurt, daß manche Jünglinge auch die Macht der Waffen nicht verſchmähten, und ſeit dieſer Zeit war die Aufmerkſamkeit der Univerſitätsgerichte zwar auf alle Stu⸗ dentenvereine, namentlich auf den der Burſchenſchaft gerich— tet; ja Leute, welche als vollgültige Beurtheiler der ſtaat— lichen Verhältniſſe angeſehen wurden, ſprachen ſich dahin aus, daß die Mitglieder der Burſchenſchaft ſchwerlich auf eine Anſtellung im Staate rechnen dürften. Unter dieſen Umſtänden verließ Braubach mit Anfang des Sommer⸗ halbjahrs 1833 Gießen und arbeitete zu Hanau in der Werkſtätte eines Mechanikus. In politiſche Unterſuchung gezogen, wurde er in demſelben Sommer verhaftet und
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i brachte einige Monate in dem Gefängniſſe zu Gießen Waffen hätte er gewiß den Gegner nicht ungezeichnet ge⸗ kn i en een
in dem zu Friedberg zu, bis er im Frühjahr 1834 auf freien Fuß geſtellt wurde. Durch einen Ausflug nach der
Schweiz im Frühjahr 1835 entging er einer zweiten Ver⸗
haftung. Er lebte in der Schweiz und in Frankreich als Mechanikus, und als 1839 der Landesvater nach Beendigung der politiſchen Unterſuchungen von dem ſchönen Vorrechte der Begnadigung Gebrauch gemacht hatte, ſchlug auch die heißerſehnte Stunde, welche Braubach in das Vaterhaus zurückführte, im Jahr 1841. Ja, die Regierung that ver⸗ ſöhnende Schritte, welche beweiſen, wie ſehr Braubach ſich ihres hohen Vertrauens zu erfreuen hatte. Nachdem das Reſultat des gerichtlichen Prozeſſes für B. günſtig ausge⸗ fallen war, wurde ihm auf ſein Nachſuchen geſtattet, das Geometerexamen zu beſtehen, und er auch als Geometer 1. Klaſſe für den Kreis Friedberg beſtätigt. Im Jahr 1846 wurde er zum Geometer der Eiſenbahnſtation Friedberg er—⸗ nannt, und freudig wirkte er mit gewohnter Thätigkeit in ſeinem neuen Beruf, bis ihn am 28. Juni der Unfall traf, in Fauerbach II. bei der Rückkehr von dem Kirſchenfeſte zu Oſſenheim aus der Chaiſe geſchleudert und ſtark am Kopf verletzt zu werden. Die nöthig gewordene Operation des Trepanirens ertrug Braubach mit Faſſung und Heiter— keit; die gute, durch keine Ausſchweifungen geſchwächte Natur, die ſtarke Energie des Geiſtes hielt ihn aufrecht, und wohl dieſer moraliſchen Kraft allein iſt es zuzuſchreiben, daß er bis zum 22. d. M. das Bewußtſein behielt und durch Scherz ſogar die Seinigen aufrecht erhalten konnte. Vielleicht war aber eine vollſtändige Geneſung nicht zu hoffen; denn von jenem Tag an verlor ſich die Klarheit des Bewußtſeins, und am 26. Juli, Morgens 9 Uhr trat der Tod ein.„
Seine Freunde, deren er im Staude der Gelehrten und Beamten, der Geſchäftsleute, Künſtler und Handwerker viele zählt, weihen ihm eine Thräne und ehren den Schmerz der Eltern über den Verluſt eines Sohnes, der ihnen ſchon öfter genommen und dann wieder geſchenkt, zuletzt aber gerade durch ein herbes Geſchick zu einer Zeit entriſſen wurde, in welcher die Ausſicht in die Zukunft ſich freundlich ge⸗ ſtaltet hatte. i
Eben, nachdem wir dieſe Zeilen geſchrieben haben, vernehmen wir, daß ſich bei ſeinem Begräbniß in Friedberg eine außerordentliche Theilnahme gezeigt hat. Der 34jährige Mann, ſo reich an Erfahrung und Kenntniſſen, durch Lei⸗ den geprüft, milde und feſt zugleich, hatte an ſeinem neuen Wohnort Liebe und Achtung gefunden, und mit Denen, welche über ſeinem Grabe geſungen und geſprochen haben, ſagt auch Einſender Dieſes: Friede ſeiner Aſche!
Geſchrieben am 27. Juli 1846.
Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.
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Bekanntmachung.
(1132) Kaſpar Dillemuth von Rommel⸗ haufen iſt ſeines liederlichen Lebenswandels wegen unter Curatel geſtellt und ihm Hein⸗ rich Füngſt von Rommelhauſen als Curator beigegeben worden. 5 Man bringt dieſes unter dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß, daß alle ohne Mitwir⸗ kung des genannten Curators vorgenommenen Geſchäfte rechtlich keine Gültigkeit haben werden. Groskarben den 21. Juli 1846. Großb. Heſſ. Landgericht daſ. Jäger. Limpert.
Edietal ladung.
(1185) Anſprüche an die Verlaſſenſchaft des Peter Löchel von Odenhauſen, ſind im Termine Donnerſtag den 17. September l. J., Vormittags 9 Uhr, 3 ſogewiß dahier anzumelden und zu begründen, widrigenfalls ſie bei der Ordnung dieſer Ver⸗ laſſenſchaft keine Berückſichtigung finden werden. Grünberg den 21. Juli 1846, Großh. Heſſ. Landgericht daſ. Welcker.
Edictalla dung.
(1150 Nachdem Grßb. Hofgericht dahier uͤber den ſehr verſchuldeten Nachlaß des zu Heldenbergen verſtorbenen Pfarrers Bertram das Concursverfahren angeordnet, und dem Unterzeichneten die Einleſtung deſſelben über⸗
tragen hat, ſind Anſprüche jeder Art, auch wenn ſie ſchon bekannt oder bereits angemel⸗ det ſein ſollten, ſammt etwaigen Vorzugs⸗ rechten in dem Freitag den 25. September d. J., Vormittags 8 Uhr, zu Heldenbergen abzubaltenden Termine anzumelden und zu begründen, widrigenfalls Ausſchluß von der Maſſe erfolgt. Gießen den 21. Juli 1846. 5 In Auftrag Gr. Heſſ. Hofgerichts: Völker, Hofgerichtsrath.
Edietalladungen.
(1130) Jobannes Nickel von Ils⸗ dorf entlieh lt. Eintrag im gerichtlichen Pfand⸗ buche für Ilsdorf am 14. Februar 1805 bei Peräquator Semmler 50 fl. zu 5% und verpfandete/ Flrbch. Wohnhaus u. Scheuer.
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