Ausgabe 
12.8.1846
 
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19888 rere

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W

Intelligenz-Glatt

für die

Provinz Oberheſſen im Allgemeinen, die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen

5 und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

W 62.

Amtlicher Theil.

Das Großh. Heſſ. Landgericht Gruͤnberg an ſämmtliche Gr. Bürgermeiſter des Landgerichtsbezirks. Betreffend: Die Aushändigung von Gerichtsacten an Private.

Es iſt zu meiner Kenntniß gekommen, daß Gerichts⸗ acten, welche an einen Gr. Bürgermeiſter von hier aus zur Berichterſtattung geſendet worden, von dieſem an einen Be⸗ theiligten ausgehändigt worden ſind. Dieſe Ungehörigkeit, wodurch nicht allein unter Umſtänden das Dienſtgeheimniß verletzt, ſondern auch und hauptſächlich die Unverſehrt⸗ heit der Acten aufs Spiel geſetzt wird, hat bereits die verdiente Rüge gefunden. Um aber Aehnlichem für die Zukunft vorzubeugen, eröffne ich Ihnen, daß jeder derartige Fall, der gegen Erwarten wieder vorkommen ſollte, mit mindeſtens 5 fl. Strafe belegt werden wird.

Grünberg den 6. Auguſt 1846. Welcker.

Auszüge aus dem Regierungsblatte. Auszug aus dem Regierungsblatt Nr. 26.

. Eine Bekanntmachung Gr Miniſteriums der Finanzen vom 6. Juli, welche die zwiſchen dem Großherzogthume Heſſen, dem Groß berzogthum Baden und der freien Stadt Frankfurt vereinbarten Ta⸗ rife für den Transport der Perſonen, des Reiſegepäcks, der Wagen und Thiere auf der Main-Ne ckar⸗Eiſenbahn zur öffentlichen Kenntniß bringt. 5

II. Bekanntmachung Gr. Oberconſiſtoriums vom 23. Juni, dle Reſultate der Verwaltung der allg. geiſtl. Wittwenkaſſe in 1844 betreffend. Es betrug die ordentliche Einnahme 61,819 fl. 44 kr. (Eintrittsgelder 2554 fl. 13, jährliche Beiträge 9322 fl. 16, Capitalzinſen 24,054 fl, 1/8, Erträge erledigter geiſtl. Stellen 15,270 fl. 38 ½, Zu⸗ ſchüſſe aus anderen Caſſen 13,618 fl. 35); die außerordentliche 48,818 fl. 41% kr. Summe der Einnahme 110,638 fl. 25 ¾ kr. Die ordent⸗ liche Ausgabe 31,053 fl. 14% kr.(Verwaltung 2500, Wittwenpenſio⸗ nen 25,134 fl. 15¼, Waiſenpenſtonen 2181 fl. 39 ¾ kr. ꝛc. ꝛc.); die außerordentliche(ausgeliehene Capitalien) 50,810 fl. Zuß. die Aus gabe 81,863 fl. 14% kr. Verglichen bleibt Reſt 28,775 fl. 11 kr. Das Ca⸗ vüaloermögen war Ende 1844: 459,887 fl. 20/ kr.

Mittwoch, den 12. Auguſt

1846.

III. Ertheilung eines Patentes: am 17. Juni den Streich⸗ feuerzeugfabrikanten Ettling und Horſt zu Darmſtadt für das ganze Großherzogthum auf 5 Jahre, die von ihnen erfundene Maſchine, zu einer vereinfachten Production einer Sorte chemiſcher Feuerzeuge allein in Anwendung bringen zu dürfen.

IV. Concurrenz für: die Steuercommiſſärſtelle zu Gießen (binnen 14 Tagen bei Gr. Oberfinanzkammer 1. Section); die Brücken⸗ meiſterſtelle zu Gernsheim mit beiläufig 350 fl.(binnen 3 Wochen bei Gr. Oberbaudirection).

Zur Geſchichte des Branntweintrinkens,.

In dem AufſatzeUeber den Einfluß des Brannt⸗ weins auf den Wohlſtand, die Geſundheit und Sittlichkeit des Volkes ſagt Herr Pfarrer Strack, deſſen redlichem Streben jeder Edeldenkende volle Anerkennung geben und den beſten Fortgang wuͤnſchen wird:daß der Brannt wein erſt ſeit 100 200 Jahren als Getränk in Gebrauch gekommen iſt, Intelligenzblatt Nr. 53 S. 214). Aber der Branntwein, über deſſen Nutzen und Schaden 1493 ein Gedicht zu Bamberg gedruckt worden war, muß ſchon vor faſt 300 Jahren als Getränk im Gebrauch geweſen ſein; denn in einem im Jahr 1553 von dem berühmten Schuh machermeiſter Hans Sachs zu Nürnberg gedichteten Faſt nachtsſpiel ſpricht ein Bauer, Namens Clas, der närriſche Streiche macht, bereits:Verargt mir keins, Ich bin für war vol brents Weins. Vor 200 Jahren wurde das Branntweintrinken ſehr arg getrieben.) Dies erhellt z. B. aus einer im Jahr 1656 in der Kirche zu St. Jakob zu Hamburg von unſerm beruͤhmten Landsmann, dem ehe maligen Heſſen-⸗Darmſtädtiſchen Conſiſtorialrathe Dr. Johann Balthaſar Schupp, gehaltenen Katechismuspredigt über das dritte Gebot, in welcher er den Hamburgern folgende Worte mit Freimüthigkeit zuruft:

*) Es nahm dann durch das Brennen des Branntweins aus Kar toffeln zu, was bei uns Wetterauern im vorigen Jahrhundert auf kam, wo die Kartoffelzucht erſt ſpärlich dann im Großen getrieben wurde. Am meiſten ſcheint es nach Anweſenheit der Ruſſen 1813 und 1814 in Gebrauch gekommen zu ſein.