„Da kann Einem ganz ſchlimm werden,“ meinte ein ihm zunächſt Sitzender und nahm gelaſſen einen Schluck aus ſeiner Flaſche. 0 f
Der Lahme aber knüpfte ſein Wams auf, ſchob das Hemd zurück und zeigte auf der linken Seite der Bruſt abermals eine Narbe.„Seht,“ ſagte er,„der Stich ging hart an's Leben und das alles hat mir der Branntwein zu Leide gethan, darum hab ich's ihm geſchworen, und wo ich welchen haben kann, da muß ich ihn ausgießen, damit ich Rache an ihm übe.“
„Der Kerl iſt toll!“ meinte jetzt der Goliath beſänf⸗ „Schade um den guten Schluck, den ich an den
tigt. So geht's einem, wenn man zu
Narren weggeworfen. gutmüthig iſt.“
„Ich bin nicht toll,“ antwortete der Lahme,„ſondern habe meinen vollen Verſtand. Für eure gute Wohlmeinung danke ich euch und wenn ihr wollt, will ich euch dafür eine ſchoͤne Geſchichte erzählen.“ 8 a
„Na krame mal aus!“ ſagte der Einäugige, der heute bei guter Laune war, indem er ſich ſeinen Stummel ſtopfte und Feuer anſchlug.
Der Lahme holte aus ſeiner Bruſttaſche ein kleines, etwa handdickes Buch, ſchlug es auf, blätterte darin und las dann:„Er redete 5— zu ihnen durch ein Gleichniß und ſprach: er Ohren hat zu hören, der hoͤrel“ dann ſchlug er das Buch zu, ſteckte es wieder ein und begann: d
„Es war einmal ein mächtiger König über ein großes Reich, der hatte in ſeinem Lande allerlei Unterthanen, Fürſten und Herren, Grafen, Miniſter, Generale, Geheim⸗ räthe, Richter, Schreiber, Kaufleute, Handwerker, Bürger und Bauern, am allermeiſten aber arme Leute, Taglöhner und Handarbeiter, deren ganzes Vermögen keinen weitern Weg zu machen hatte, als von der Hand in den Mund, Leute von denen man zu ſagen pflegt, wenn Einer auf einen Baum ſteigt, ſo hat er auf der Erde Nichts mehr zu ſuchen. Der König aber ſprach bei ſich ſelbſt: In meinem Reiche iſt Alles recht und gut und Jeder iſt wohlbedacht, denn ob die Reichen und Vornehmen wohl eine beſſere Schüſſel und ein größeres Haus und koſtbarere Kleider ha⸗ ben, ſo haben ſie doch dafür mehr Aerger und Verdruß und eine ſchwerere Verantwortung und mehr ſchlafloſe Nächte und haben einen ſchwachen Magen, der nicht viel vertragen kann und ſind mit mancherlei Krankheiten behaftet, mit
Podagra und Zipperlein, Der Arme aber hat ein fröhliches Herz und einen geſunden Muth und kann Kälte und Hitze vertragen und was er ißt, das ſchmeckt ihm wohl und ſeine Kinder ſehen friſch aus und haben bei ihrem Schwarzbrod und Käſe doch rothere Backen, als die Kinder der vornehmen Leute. Und wie der König ſprach, ſo war es auch und ſein ganzes Volk lebte glücklich und zufrieden, denn Jeder hatte ſeine Freude und Jeder ſeine Laſt und wenn ein armer Mann ſah einen Geheimenrath, oder ſo etwas, ins Feld ſpazieren kommen, ſo wiſchte er ſich den Schweiß von der Stirn und dachte, der hat wohl heut einen beſſern Biſſen gegeſſen, als du, aber nun läuft er auch im Feld herum, damit er nur ſein gebratnes Hähnlein mit Noth verdauen mag; und wenn ein vornehmer Herr einen armen Holzhacker ſein Vesper⸗ brod eſſen ſah, ſiel ihm gleich bei, der hat wohl ſaure Arbeit und muß ſich viel plagen, aber was gäbeſt du doch darum, wenn du auch einmal mit ſolchem Appetit ein Stück Schwarzbrod hinuntereſſen könnteſt.— Danach zog der König ferne hin über Land. Nun wohnete an den Grenzen deſſelben Königreichs ein böſer Zaubrer und Schwarzkünſt⸗ ler, der war dem Könige gram und gedachte, wie er ihm wollte Schaden thun. Er hatte es aber vornehmlich auf
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Lande des
friedenheit, Eintracht,
von denen der Arme nichts weiß. a ö denn ob ihrer ſo
wollen wir ſie doch zu Boden ſchlagen.
die armen Leute abgeſehen, weil das des Königs meiſte Un⸗ terthanen waren und weil ſie ſo glücklich und zufrieden leb⸗ ten und weil er nicht leiden konnte, daß ein Menſch gluͤck⸗ lich ſein ſollte. Als nun der König fort war, berief der Zauberer einen böſen Geiſt und hieß ihn ausgehen durch alle Königs und in alle Hütten der Unterthanen. Und wo er hinkäme, da ſollte er den Menſchen Ruhe, Zu⸗ Geſundheit, fröhlichen Muth und ſanften Schlaf rauben. Der Böſe aber fing es pfiffig an und wenn er den Leuten mit der einen Hand die rothen Backen der Geſundheit abwiſchte, ſchmirte er ihnen dafür mit der andern ein ſchmutziges, ungeſundes Braunroth auf, und ſtatt des feſten Schlafes von Abends 9 bis Morgens um 3 oder 4, gab er ihnen oft ſchon am Tage einen halb⸗ wachen Taumel voll lüſterner, unordentlicher Bilder. Er handelte ihnen auch Butter, Speck, Wurſt und alles Zuge⸗ bröde ab, gegen Wickenbrode und Kartoffeln nebſt einem angenehmen Kitzeln und Brennen im Halſe, das aber keine Kraft gab. Für den geſunden Leib gab er ihnen einen engen, ſchwieligen Magen, der nicht mehr recht verdauen konnte, daß es der Arme in dieſem Stück auch nicht mehr beſſer hatte, als die vornehmen Herrſchaften, trotzdem er nimmer⸗ mehr gebratune Kapaunen und Aalpaſtete eſſen konnte und nach dem Eſſen kein Mittagsſchläſchen machen durfte. Und wo ſich Mann und Frau vertrugen und in Fried und Einigkeit lebten, da fuhr er dazwischen und ſandte Zwie⸗ tracht und Zank und warf mit Fluchwörtern und groben Redensarten um ſich und ruhete nicht und brachte es hier und da zu Mord und Todtſchlag. Dabei that er immer ſchön mit den Leuten und hatte immer eine Ausrede, damit Niemand merken ſollte, daß er es wäre, der ſolches thäte. So war er bald in alle Häuſer und Hütten eingezogen und Jeder hatte ihn lieb, denn er trieb allerlei Kurzweil und bei näherer Bekanntſchaft auch wüſte, ſchandbare Dinge, an die ſich die Leute gewöhnten und ihren Gefallen daran hatten. So ſtand der Gräuel der Verwüſtung bald an allen Orten. Als nun der König wiederkam, hob er ſeine Augen auf und ſahe ſein Land an und weinete ſehr. Da traten zu ihm ſeine Geterale und ſein Feldmarſchall und ſprachen zu ihm: Mache Dich auf und laß uns hin, daß wir den Feind aus dem Lande ſchlagen. Der König aber ſprach: Mein Volk kennet mich nicht mehr, denn der Feind hat ſeine Augen verblendet und ſein Herz verkehrt und ſo ihr hingeht, wird es ſich zu dem Feinde thun und wider mich ausziehn. Da ſprachen die Kriegsleute: Laß uns hin, viel wären, als der Sand am Meere, Der König aber „Darum klage ich nicht, daß ich ihrer nicht Herr werden ſollte, denn die Macht iſt mein; aber darum jammere ich, daß ich wider mein eigenes Volk ausziehen muß und muß es ſchlagen mit der Schärfe des Schwerts, daß ihrer Keiner entrinne.“
„Wer Ohren hat zu hören, der höre! Der Kö⸗ nig iſt Gott, ſein Reich iſt die Welt, das Volk ſeid ihr, der Zauberer iſt der Teufel,
Branntewein. Wo die Branntweinsflaſche regiert, da wird dem Teufel gedient ſtatt Gott, geflucht ſtatt gebetet, geläſtert ſtatt geſegnet. Der Herr aber wird über euch kommen zum Gericht, und euer Urtheil ſchon an die Stirn geſchrieben mit den Wor⸗ ten: Die Säufer und Trunkenbolde werden das
Reich Gottes nicht ererben!⸗ FCFortſetzung folgt.)
Für die Brandbeſchädigten zu Betzenrod
ſind bei dem Unterzeichneten ferner eingegangen: von Hr. W. Mela, israel. Religionslehrer in Büdesheim, 30 kr.; von S. H. d. i. 1 fl. Friedberg den 8. November 1846. C. Bindernagel.
ſprach weiter:
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