Ausgabe 
11.11.1846
 
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K Intelligenz-Blatt

ſür die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

Amtlicher Theil. Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Gruͤnberg

an ſämmtliche Großh. Bürgermeiſter dieſes Kreiſes.

Betreffend: Die Arretirung des Johannes Kaul, ledig, von Nieder⸗ moxſtadt.

Auf Requiſition Grßh. Kreisraths des Kreiſes Bü⸗ dingen beauftrage ich Sie, auf den nachbeſchriebenen Ru⸗

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brikaten invigliren und ihn im Betretungsfalle arretiren

und an mich abliefern zu laſſen. Grünberg, am 3. November 1846. ür Signalement:

Alter: 43 Jahre. Größe: 7 2. Haare: blond. Stirne: hoch. Augenbraunen: blond. Augen: blau. Naſe: ſpitz. Mund: gewöhnlich. Bart: blond. Kinn: rund. Geſicht: voll. Geſichtsfarbe: geſund.

Derſelbe an dieſelben.

Betreffend: Anpflanzung von Obſtbäumen.

Sie wollen in Ihren Gemeinden bekannt machen laſſen, daß diejenigen Private, welche im nächſten Frühjahr Obſtbäume durch die Central-Behörde des Landwirthſchaft lichen Vereins zu beziehen wünſchen, ſich alsbald unter Angabe der Obſtgattung und der Zahl der Stämmchen bei Ihnen anzumelden haben. Dieſe Beſtellungen werden Sie in ein Verzeichniß zuſammenſtellen, den Bedarf der Gemeinde hinzufuͤgen, und das Ganze binnen 4 Wochen an mich einſenden.*

Grünberg am 2. November 1846.

Ou brei er.

Der Großherzoglich Heſſiſche Rentamtmann des Rentamts Schotten an die Grßh. Buͤrgermeiſter des Bezirks.

Sie wollen in ihren Gemeinden alsbald bekannt machen laſſen, daß die Berichtigung der Martini d. J. fäl⸗ ligen Domainialgefälle als Holzgelder, Grasgelder, Erblei⸗

zinſen, für Heu und Grummetgras ꝛc. ꝛc. binnen 8 Tagen an den bekannten Zabltagen Mittwochs und Donner ſtags erfolgen müſſe, widrigenfalls nach Ablauf dieſer Friſt den geſetzlichen Beſtimmungen gemäß zuerſt Mahnung und dann Pfändung eintreten müſſe. Schotten den 4 November 1846. MWrätori us.

Einlagen

(1610) bei dem Mathildenſtifte werden wieder zu 4% Zinſen angenommen.

Die Geſchichte vom lahmen Fried. Mitgetheilt von G. J. (Fortſetzung.)

Laßt den Mann ungeſchoren!/ rief jetzt in einer Anwandlung von Mitleid der Goliath.Ihr verſchont das Kind im Mutterleibe nicht! Seht ihr nicht, daß der arme Teufel ſo ſchon geſchlagen genug iſt?Und als wäre durch dieſe Rede die Gutmüthigkeit bei ihm erſt recht zum Durch⸗ bruch gekommen, reichte er dem unterdeß heran gekrückten und freundlich grüͤßenden Krüppel die faſt geleerte Brannt weinsflaſche mit den Worten hin:Da, Krummbein, ſchmiere mal die Räder, daß du beſſer fortkommſt. Sauf den Reſt vollends aus!

Ich dank euch! ſagte der Lahme, ohne ſonderlich er freut zu ſcheinen, zog darauf langſam den Propfen ab und ließ den ihm dargebotenen Branntwein bedächtig in den Sand laufen, worauf er die leere Flaſche gelaſſen zurück gab.

Kerl, ſitzt dir denn der Teufel mit ſammt ſeiner Großmutter im Leibe! fuhr jetzt der Schnapsgeber auf, der ihm mit offenem Munde zugeſchaut hatte. Drauf ſtieß er noch ein Paar kräftige Flüche heraus und rief dann ſei⸗ nen Kameraden zu:Soll ich ihm die Flaſche an dem ver⸗ rückten Hirnſchädel zerſchmeißen?,

Da ſtreifte der Lahme ſein weites Beinkleid aus grauem Drell in die Höhe und zeigte ſeine verkrüppelten, ganz nach einwärts ſtehenden Kniee. Längs der Schien⸗ beine herunter aber waren tiefe Narben und zogen ſich quer über die Waden hinüber, die jämmerlich verdreht und ver⸗ ſchoben waren. Das Fleiſch war überall roth und blau

unterlaufen, daß es gar nicht ſchien, als wären es menſch⸗ liche Füße, die man ſah.