Ausgabe 
11.7.1846
 
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ſich verſchaffen würde, ich glaube, er hätte ſeine Groſchen beſſer angewendet, als für ein jedenfalls entbehrliches, wo nicht ſchädliches Getränk.

Hiermit ſind wir auf dem zweiten Punkte, welchen Einfluß die Abſchaffung des Branntweins auf den Geſund⸗ heitszuſtand des Volkes ausüben würde, gekommen. Bis jetzt gilt der Trank noch bei einem großen Theile der Be⸗ völkerung als ein faſt unentbehrliches Stärkungsmittel. Auch Herr Weller ſcheint theilweise dieſe Anſicht zu hegen. Ich erinnere wiederholt daran, daß der Branntwein erſt ſeit 100200 Jahren als Getränk in Gebrauch gekommen iſt. In Nord⸗Amerika, in Irland, in Schweden und ich darf auch noch hinzufügen in Norddeutſchland und Schle⸗ ſien leben viele, viele Millionen Menſchen, welche dem Branntwein entſagt haben, warum ſollten es unſere Mitbürger nicht können? In den genannten Ländern herrſcht größtentheils eine größere Kälte, rauhere Witterung, als bei uns, die Bewohner leben in drückenderer Armuth, und können ſich noch viel weniger ein Erſatzmittel verſchaffen und dennoch ſind ſie zufrieden und preiſen Gott, der ſie von einem verderblichen Feinde erlöſte. Auch ich kann mich nicht hier in mediciniſche Erörterungen einlaſſen, die That⸗ ſachen mögen reden. Wohl wird mir Mancher die Ent⸗ behrlichkeit zugeſtehen wollen, aber zweifelnd ſein Haupt ſchuͤtteln, wenn ich auch den mäßigen Genuß für nachtheilig auf die Geſundheit erkläre. Herr Weller beruft ſich auf die allgemeine Gewohnheit, täglich ein Schnäpschen zu nehmen und auf den kerngeſunden Zu⸗ ſtand unſerer Landbewohner. Thatſachen gegen Thatſachen. Die Zahl der Aerzte hat ſich ſeit mehreren Jahrzehnten außerordentlich vermehrt, wie jeder bejahrte Mann zu er⸗ zählen weiß, die Bevölkerung iſt ebenfalls aber nicht in gleichem Maße gewachſen, und doch haben die meiſten Doctoren hinlängliche Beſchäftigung. Sollte das nicht auf Vermehrung der Krankheiten ſchließen laſſen? Gehen wir noch weiter in die Vorzeit zurück und laſſen uns von der Kraft und Geſundheit der alten Deutſchen erzählen, wie elend und ſchwach ſteht unſer jetziges Geſchlecht im Ver⸗ gleich mit unſeren Vätern da? Oder meint ihr, es wäre auch damals, ſo viel wie heute die Rede von Engbruͤſtig⸗ keit, kurzem Athem, Andrang des Blutes nach dem Kopfe, Herzklopfen, verdorbenem Magen, Appetitloſigkeit, Aufſto⸗ ßen, Zehrung in verſchiedenen Geſtalten und mit mancher⸗ lei Namen von Schlagfluß, Scropheln, der goldnen Ader u. ſ. w. u ſ. w. Sollte dieſer Zuſtand ein naturgemäßer ſein? Sollten dieſen zahlloſen Uebel in der urſprünglichen Einrichtung Gottes und nicht in den Verirrungen der Menſchen ihre Urſachen finden? Nehmen wir die Sterbe⸗ regiſter zu Hülfe, wie wenige überſchreiten die Hälfte eines Jahrhunderts? Wie raſch werden von jetzt an die Reihen der Altersgenoſſen gelichtet? Wie viele muß ein Sechszi⸗ ger von ſeinen Bekannten zu den Geſtorbenen zählen? Ein Siebziger ſteht oft vereinzelt, wie hier und da ein Baum in einem abgehölzten Walde ſtehen bleibt. Ob in vergangenen Jahrhunderten das Verhältniß ein viel günſti⸗ geres geweſen ſei, darüber will ich nicht entſcheiden aus Mangel an näheren Notizen, nur das füge ich hinzu, daß Beiſpiele von außergewöhnlich hohem Greiſenalter nur bei den Naturvölkern, welche unſere verfeinerte Lebensweiſe nicht kennen, angetroffen werden. Wer ſollte es noch läug⸗ nen, daß die Geſundheit auch der großen Maſſe bei uns in vieler Beziehung eine beſſere ſein könnte? So verblendet bin ich nun nicht, behaup⸗ ten zu wollen, daß das gebrannte Waſſer einzig und allein als die Urſache dieſes Zuſtandes anzuſehen ſei, allein daß er nebſt anderen diätetiſchen Fehlern dazu beiträgt, davon

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ſich ankaufen, oder von Zeit zu Zeit einen beſſeren Trank

bin ich ſo ſehr, wie von meinem Leben, uͤberzeugt. Ich kann mir nicht denken, daß ein Getränk, welches/ oder J Giſt enthält, auch in geringen Portionen ganz ohne Nachtheil genoſſen werden könne. Der Kartoffel ſchnaps hat außer dem noch das ſchädliche Fuſelöl, nicht ſelten Blauſäure; durch die kupfernen Blaſen wird der Branntwein bis weilen mit Grünſpan vermiſcht, betrügeriſche Wirthe und Brenner ſuchen ihn durch ſpaniſchen Pfeffer und dergl. zu verſtärken. In mehreren amerikaniſchen Städten iſt beobachtet worden, daß ſeit Einführung der Mäßigkeitsgrundſätze die Sterb⸗ lichkeit beſonders unter den erwachſennen Man⸗ nesperſonen ſich vermindert habe. Bei den Ma⸗ növern der hannövriſchen, oldenburgiſchen u. ſ. w. Solda⸗ ten erhielten 20,952 Mann Branntwein von ihren Regie⸗ rungen gereicht, ſie hatten 472 Kranke oder 1 auf 45; da⸗ gegen erhielten 7107 keinen Schnaps, ſie hatten nur 79 Kranke oder 1 Mann auf 90. In der Stadt Albani in Amerika ſtarben von 25,000 Perſonen, welche Branntwein tranken, an der Cholera 336 oder 1 von 74, während von den 5000 Mitglieder des Mäßigkeitsvereines nur 2 der

Seuche unterlagen oder 1 von 2500. Bei den wilden

Naturvölkern hat es ſich vielfach beſtätigt, daß durch Ein⸗ führung des Branntweins ihre Kraft gebrochen, ihre Geſundheit zerrüttet und die Sterblichkeit vermehrt worden ſei. Sie belegen daher dieſen Trunk mit dem bedeutſamen Namen Feuerwaſſer.

Vergl. S. 56 meines Schriftchens. Ein inländiſcher Arzt behauptete auf vieljährige Erfahrung ſich ſtuͤtzend, daß über die Hälfte der Menſchen, wenn ſie vom 20. Jahr an täg⸗ lich auch nur ein Glas des flüſſigen Giftes genöſſen, um

10 Jahre ihr Leben verkürzen Wurde. In meinem öfters angeführten Schriftchen ſind S. 44, 58, 133 und folgende

viele Zeugniſſe von Aerzten aus verſchiednen Ländern an⸗

geführt, welche alle die Entbehrlichkeit des Branntweins

behaupten und erklären, auch in geringem Maße könne er. bei täglicher Wiederhohlung nicht ohne verderbliche Folgen

bleiben. Seit dem ſind mir 125 verſchiedene Gut⸗

achten deutſcher Aerzte und die einfachen Erör⸗

terungen von mehr als 1000 zu Händen gekom⸗

men, welche das Ausgeſprochene beſtätigen und naher er⸗

klären. Namentlich weiſen ſie auch darauf hin, daß andre

Krankheiten, Fieber und dgl. bei dem, der ſeinen Naturzu⸗

ſtand durch Branntweingenuß verdorben habe, ſchwerer zu

heilen wäre. Fügen wir denn hinzu, wie Viele durch über⸗

mäßigen Genuß eines frühen Todes ſterben, wie Viele im

Rauſche durch Unglücksfälle ihr Leben verlieren.(Erſt neu⸗

lich wurden 3 aus hieſiger Gegend erwähnt,) wie Viele

dadurch dem Selbſtmord in die Hände fallen u. ſ. w. ſo

werden wir einen richtigen Maßſtab haben, den Einfluß

des Branntweins auf die Geſundheit des Volkes beurtheilen

zu können. Daß einzelne feſte Stämme dem Sturmwind

trotzen, widerlegt meine Behauptungen nicht. Ob ſie aber

nicht noch beſſer ſich befinden, ob ihr Alter ſich nicht noch

höher ohne Branntwein belaufen werde, mag ein Jeder bei

ſich ſelber bedenken.

Kürzer kann ich mich nicht faſſen, wenn ich nun ſchließlich noch den Einfluß des Branntweins auf die Sittlichkeit zu ſchildern ſuche, zumal da Weller ſelbſt erklärt, daß durch Vertauſchung des Branntweins mit einem anderen Getränke das Volk wieder ſittlich und beſſer werde. Ich will nicht einſtimmen in die Klage derer, die für eine ganz beſonders böſe Zeit die unſere halten. Doch was offen hervortritt wer ſollte das läugnen? Die Zucht⸗ und Beſſerungshäuſer ſind allenthalben gefüllt. Nach den übereinſtimmenden Erfahrungen der tüchtigen Unterſuchungs⸗ richter werden die ſchwerſten Verbrechen wie Mord u. ſ. w. uͤber die Hälfte in der Trunkenheit begangen, bei den an⸗

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bei Ver ſchluſez gehörig Butz! Gr, He

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