Ausgabe 
8.8.1846
 
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wetterauiſche Wort: die Lafel(mit langem a). Da wir Wetterauer aber ſtatt der Zweilaute au und ei, inſofern dieſe altdeutſch ou und ei ſind, ein langes a ſprechen, ſo ſchreibt Alberus in ſeinem Wörterbuche die leyff und verſteht darunter die äußerlich bedeckte grüne Nußſchale. Das wetterauiſche Zeitwort lafeln oder lafen(mit ver⸗ ſchlucktem 1) ſchreibt man laufeln und verſteht es von dem Auskernen der Erbſen, Bohnen u. dgl. und dem Aus⸗ ſchälen der welſchen Nüſſe, Kaſtanien aus der äußeren grünen Schale. Das mittelrheiniſch, EX quo genannte Wörterbuch von 1469 hat nyßleyfften(d. i. ausleiften) in der Bedeutung: die Haut abziehen. Das Wort lautet in älterer oberrheiniſcher Mundart louffen oder(loufften)

leüffeln(1538), welche vom Abmachen der äußeren grünen

Schale an zeitigen welſchen Nüſſen und Mandeln vorkommen. Das Stammwort aber iſt altdeutſch louft, welches die dicke Rinde als Schale des Baumes, auch die äußere grüne Nußſchale bedeuten.

56. Die Leicht, iſt das Leichenbegängniß mit Be⸗ gleitung; das Leicht iſt der Sarg(welcher fremdländi⸗ ſcher Ausdruck in der Wetterau nicht volksmäßig iſt). Aelter⸗wetterauiſch und noch zu Gießen heißt der Sarg das Leichkar(d. i. altdeutſch lichkar, welches eigentlich ſo viel als Leibesgefäß iſt). So wird Z. B. in der 1692 eführten Bürgermeiſtereirechnung eines faſt mitten in der

etterau gelegnen Dorfes ein Leichkaar für eine arme Frau verrechnet.

57. Die Trene, d. i. eine langſame Perſon über⸗ haupt wer langſam zum und im Thun, zum und im Ar⸗ beiten iſt. So ſchreibt man das wetterauiſche Wort: die Drehne, welches vielleicht ein bildlicher Gebrauch von alt⸗ deutſch treno d. i. die Drohne, Brutbiene,) könnte ſein oder vielmehr eine Ableitung von franzöſiſch trainer(ſprich: träne), d. i. ziehen, in die Länge ziehen, verzögern, die Worte dehnen.

58. Der Grat kommt nur in der Redensart vor: bis auf den Grat verderben, einen ausziehen u. dgl., d. i. bis aufs Aeußerſte, ganz und gar verderben. Wetter⸗ auiſch ſpricht manbis uff de Grod, aus. Die Redens⸗ art kommt ſchon bei Luther vor, wenn er z. B. an die Bürgermeiſter und Rathsherrn aller Städte deutſches Lan⸗ des ſchreibt: Vnd der ausländiſchen Waaren die uns we⸗ der Noth noch nütze ſind, dazu uns ſchinden bis auff den Grad, der wollen wir nicht zugerathen. Das Wort iſt das ältere deutſche: der grat, welches die Spitze wovon, den ſcharfen Rand u. dgl. bedeutet und das wir noch in Fiſchgräte, Rückgrat ꝛc. ꝛc. haben.

59. Das Schien kommt ebenfalls nur in der Re densart vor: ins Schien hienein verderben, verfahren u. dgl., d. i. gänzlich zu Grunde richten, durch Fahren z. B. einen Acker, eine Wieſe, ein Fuhrwerk, ein Geſchirr ꝛc. ꝛc. So ſchreibt man unſer wetterauiſches Wort Schin(mit langem i und ſtumpfem n), wie wir Wetterauer auch fuͤr Schienbein ſagen. Die Redensartins Schien hinein,

* Wetterauiſch heißt indeſſen dieſe Biene nur Broukbihn(das n iſt ſtumpf zu ſprechen) d. i. Brutbiene.

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heißt wahrſcheinlich urſprünglich ſo viel als: in die Haut hinein; denn Schien ſcheint hier zu ſeyn, was engliſch skin Haut. 1

60. grützegrau d. i. im höͤchſten Grade grau, eis⸗ grau. 3. B. ein grützegrauer Kopf. So ſchreibt man das wetterauiſche Wort greatzegro.) Urſprünglich bedeutet der Ausdruck:grau wie Grütze. Vgl. ritzeroth(In⸗ telligenzblatt 1845 Nr. 52), und blitzeblau(d. i. im höchſten Grade blau wie ein vom Blitze Getroffener.

61. Hermen. So ſchreibt man regelrecht das wet⸗ terauiſche Wort Hirmen, welches der Rufname des Zie⸗ genbocks iſt. Z. B.Hirmen dutz! d. h. Hermen(Geiß bock) ſtoß(wider die vorgehaltene flache Hand)! Man hat davon auch das Schimpfwort für eine ſteife männliche Perſon:ſteifer Hir me,, welches man alſoſteifer Her⸗ men zu ſchreiben hat. Es iſt dasſelbe ganz ſo gebildet, wie man auch ſagt:ſteifer Bock. Der Rufname der Ziege iſt Hetz), und man ſagt denn auch ſchlechthin für Ziegenbock: der Hermen, und für Ziege: die Hetz. Schon in dem alten plattdeutſchen Gedichte Reinecke Vos iſt der Name des Ziegenbocks Hermen oder auch(in dem Abdrucke vom Jahr 1549) Harmen. Das Wort iſt das altdeutſche: der herman uſammengeſetzt aus unſerm Herr und Mann), welches ſo viel wie Kriegsmann, Krie⸗ ger bedeutet. Fiſchart ſagt in ſeinem im Jahr 1575 erſchie⸗ nenen Gargantua:Wolt ich darumb nicht wöllen Herman oder German heiſſen, weil man dem Bock: Hermann ſtoß nicht! ſagt? f

*) Unſer wetterauiſches gro iſt genau altdeutſch gra, wie blo alt⸗ deutſch bla. Beide lange a der altdeutſchen Wörter ſprechen wir wie langes o aus, nicht das neudeutſche au.

44) Man ſchreibt das Wort, wie man es wetterauiſch ausspricht, und das e hat den hohen Ton. In Bayern ſagt man die Hett, die Hettel, nach Vilmar in Ober⸗ und Niederheſſen Hitz.

Kirchenbuchs-Auszug vom Juni 1846. i Ulrichſtein. Getraute: Keine. Get aufte: Ein Brautkind, Katharina Scharmann. Wurde dem hieſigen Bürger und Leinweber Johannes Repp ein Sohn tod geboren,

10. Dem Ortsbürger und Wollbereiter Philipp Wehr von Bebendorf im Königreich Preußen, Kr. Heiligenſtadt ein Sohn, Ernſt, geb. den 19. April.

17. Ein uneheliches Kind, Johann Adam.

24. Dem hieſigen Großhzl. Herrn Landrichter Ludwig Zim⸗ mermann eine Tochter, Konradine Auguſte Franziska Louiſe Emma, geb. den 19. April.

Beerdigte: 21. Anna Maria Eliſabethe Joſt, des hieſigen Buͤrgers und Ackermanns Kaspar Joſt II. eheliches Töchterchen, alt 1 Jahr, 1 Monat, und 2 Tage, t den 18. Mai.

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Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.

d νιιει

Edictalla dung.

(11320 Nachdem Grßb. Hofgericht dahier über den ſehr verſchuldeten Nachlaß des zu Heldenbergen verſtorbenen Pfarrers Bertram das Concurs verfahren angeordnet, und dem Unterzeichneten die Einleikung deſſelben über⸗

tragen hat, ſind Anſprüche jeder Art, auch wenn ſie ſchon bekannt oder bereits angemel⸗ det ſein ſellten, ſammt etwaigen Vorzugs⸗ rechten in dem Freitag den 25. September d. J., Vormittags 8 Uhr, zu Heldenbergen abzuhaltenden Termine anzuͤmelden und zu begründen, widrigenfalls Ausſchluß von der Maſſe erfolgt. Gießen den 21. Juli 1846. In Auftrag Gr. Heſſ. Hofgerichts: Völker, Hofgerichtsratb.

Edictal ladung. (11835) Anſprüche an die Verlaſſenſchaft des Peter Löchel von Odenhauſen, ſind im Termine Donnerſtag den 17. September l. J.,

Vormittags 9 Uhr, f ſogewiß dahier anzumelden und zu begründen, widrigenfalls ſie bei der Ordnung dieſer Ver, laſſenſchaft keine Berückſichtigung finden werden.

Grünberg den 21. Juli 1846. Großh. Heſſ. Landgericht daf.

Welcker.

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für 1400 laſten qu Kaufſchil geld des 27. Mai

300 fl. Fideicom. Juli 181! 5) am 7.

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