Ausgabe 
8.8.1846
 
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Ge oflan⸗ d ehe⸗ 54 kt. Janze 15 10 Jarlen, Aft.

Intelligenz-Olatt

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen, die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

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Amtlicher Theil.

Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Gruͤnberg

an ſämmtliche Großh. Bürgermeiſter dieſes Kreiſes.

Betreffend: Die Verlegung des auf den 26 Auguſt l. J. fallenden Vieh⸗ und Krämermarkts zu Grünberg.

Sie haben alsbald in Ihren Gemeinden zur öffent⸗ lichen Kenntniß zu bringen, daß der rubricirte Markt Don⸗ nerſtag den 27. Auguſt l. J. abgehalten werde.

Grünberg, den 4. Auguſt 1846.

In Beurlaubung Großh. Kreisraths: v. Rabenau.

Orthographie wetterauiſcher Woͤrter. (Beſchluß zu Nro. 26, Seite 102 vom Jahr 1846.)

50. Der Kelch, auch(z. B. zu Staden und in der Gegend) der Kalch oder Kalk d. i. die Haut und das dicke Fleiſch, welche zwiſchen Kinn und Hals des Men ſchen niederhangen und einen ſogenannten Doppelbart bil den. Iſt kein Doppelbart da, ſo wird jene Gegend unter dem Kinne nicht Kelch(Kalch, Kalk) genannt und hat dann überhaupt keinen beſonderen Namen. Von einer Perſon, welche durch einen ſolchen hervorgepreßten Doppel⸗ bart eine ſtolze Gebärde zeigt, ſagt man:ſe dreckt ſich'n rehchde Kelch(Kealch, Kalch, Kalk,) d. i. ſie drückt ſich einen rechten Doppelbart. Man hört das Wort einer⸗ ſeits bis auf den Vogelsberg, anderſeits über den Main in Starkenburg(3. B. in der Dreieich, zu Darmſtadt, bis an den Odenwald ꝛc. ꝛc.). Die eigentlich richtige Form iſt; der Kelch. Altoberdeutſch bedeutet Chelch(Chelich, auch Chelc) den Kropf am menſchlichen Halſe; aber ſchon 1540 hat der Wetterauer Alberus in ſeinem Wörterbuche bei den lateiniſchen Wörtern ingluvies, tori:die Haut under dem künn, das kelcklin(d. i. das Kelklein). Das Wort iſt von Kehle(altdentſch Chela) und hat mit dem anderen Worte Kelch, welches den Becher mit Stengel und Fußgeſtell bezeichnet, gar nichts zu ſchaffen.

51. Die Anke d. i. 1. der Nacken.(welches Wort

Sonnabend, den 8. Auguſt 1846.

man wetterauiſch gar nicht hat); dann 2. die Haare im Nacken, beſonders die langen weiblichen Haare, inſoweit ſie auf den Kopf unter die Haube zurückgeſchlagen, um den Nacken herum hohl und etwas bauſchig unten an der Haub hervorſtehend, beſtimmter die Haaranke genannt. Alberus überſetztank durch latein. occiput d. i. Nacken. Alt⸗ deutſch ſagt man: die ancha, und verſtand auch zuweilen die Hirnſchale darunter. Das Genick, welches das Hals⸗ wirbel⸗Gelenk am Hinterkopfe bedeutet, lautet in wetter⸗ auiſcher Ausſprache ds Gneack auch hie und da ds Gnäck.

52. Die Lumbe, d. i. die Lende, die Weiche und der Rückentheil daneben. So ſchreibt man das ſcherzhaft und verächtlich nur in der Mehrzahl gebrauchte wetterauiſche Wort Lombe; 3. B.Hah'm eann di Lombe,, d. i. hau ihm in die Weichen(unteren Seiten)! Es iſt nichts an⸗ ders als das latein. Wort lumbus(italieniſch lombo, franzöſiſch lombe d. i. Lende und kommt ſchon in dem auf der Uniwerſitätsbibliothek zu Gießen befindlichen, über 500 Jahre alten deutſchen Brevier(Blatt 111 S. 38, 8) vor: Wann mine lumpen ſint mit bekorunge erfült«, d. i. denn meine Lenden ſind mit Anfechtung erfullt.

53. Der Reihen, d. i. die Linie am Obertheil des Vorderfußes von der großen Zehe an bis an das Ge lenk, wo der Fuß an das Bein ſich ſchließt. So ſchreibt man unſer wetterauiſches Wort: der Raise, welches alt⸗ deutſch der riho, dann rihe lautet.

54. Die Dorſche, d. i. der Kohlſtengel, vornehm lich der ausgewachſene. So ſchreibt man unſer wetterau iſches Wort: die Doarſche. Eigentlich ſollte man Dorſe ſchreiben;) denn das Wort lautete früher deutſch: der torſo und turſo, und iſt vermittelſt italieniſch ii torso aus lateiniſch-griechiſch tyrsus entlehnt, welches im ſpäteren Latein den Pflanzenſtengel, den Kohlſtengel bezeichnet. Das weit verbreitete Wort Dorſe kam alſo fremdher mit dem Kohl(von latein. caulis, colis), welches Wort in der Wetterau nicht volksüblich iſt, ſondern die Namen der Kohlarten: Kraut(d. i. Häupterkohl), Wirſching(d. i. Wirßing), und Kihl, ſtatt Köhl,(d. i. Krauskohl).

55. Die Laufel, d. i. die äußere grüne Schale der welſchen Nuß, der Kaſtanie u. dgl. So ſchreibt man das

*) So ſprechen wir Wetterauer auch ſtatt Hirſe, Cours(Geldumlauf) a0. ꝛc. Hirſche, Curſch ic. ꝛc.