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1 Spruͤchwoͤrter und Sentenzen mit Randgloſſen.
26) Wenn man den Hund trifft, ſo bellt er.
Daraus, daß der Hund bellt, wenn man ihn trifft, geht hervor, daß es ihm unangenehm geweſen iſt, daß man ihn getroffen hat. Was iſt aber da zu machen?— das Beſte wäre, der Hund hätte ſich an Nichts gewöhnt, was Schläge verdient, ſo wäre es auch nicht nöthig, daß man ſie ihm gäbe. Wohl, aber ſo ein armer Hund iſt doch ein unvernünftig Thier!— Allerdings, aber das Volk hat auch ſeine Sprüchwörter nicht für Hunde, ſondern, wenn es auch von Hunden redet, für Menſchen gemacht und ich auch meine Gloſſe.
27) Jedes Handwerk hat ſeinen goldenen Boden.
Es gibt Flüſſe, in deren Bodenſand Goldkörner ent⸗ halten ſind, die durch Ausſchöpfen des Waſſers, Waſchen des Sandes ꝛc. gewonnen werden. Mit ſolchen Flüſſen werden in unſerm Sprüchworte die Handwerke verglichen. So wie Einem aber der Goldſand im Waſſer nichts nützt, er werde denn herausgeholt, gereinigt, zubereitet ꝛc., ſo iſt auch der goldene Boden der Handwerke umſonſt da, wenn er nicht mit Geſchick und Eifer ausgebeutet wird. alſo der Handwerker, wenn ſein Handwerk für ihn einen goldenen Boden haben ſoll, ſein Geſchäft aus den FF ver⸗ ſtehen, daſſelbe dann mit Fleiß betreiben, ſeine Kunden höf⸗ lich und ehrlich behandeln, das Erworbene gewiſſenhaft zu Rathe halten und uber das Alles Den nicht vergeſſen, ohne den die Bauleute, die das Hans bauen, umſonſt arbeiten, auf daß Er ſeinen Segen geben und laſſen möge. Tüch⸗ tigkeit, Fleiß, Zuvorkommenheit, Ehrlichkeit, Sparſamkeit und frommer Sinn ſind die Werkzeuge, mit denen du den goldenen Boden eines jeden Handwerks ausſchöpfen und dir zu Nutze machen kannſt. Glaubſt du's nicht, ſo verſuch es nur!—
28) Friede ernährt— Unfriede zerſtört.
Dieß Wort erinnert, wenigſtens in ſeinem zweiten Theile, an des Heilandes Rede:„ein jegliches Reich, ſo es mit ſich ſelbſt uneins wird, das wird wuͤſte und ein Haus fällt über das andere.“ Ob es wahr ſei, davon kannſt du dich überzeugen, wenn du den Zuſtand der deutſchen Staa⸗ ten und des deutſchen Volkes, wie er während und kurz nach der Napoleoniſchen Zeit geweſen iſt, vergleicheſt mit dem, wie er jetzt iſt, wo ein 30jähriger Friede im Lande waltet; wenn du einen einzelnen Staat oder auch eine Ge⸗ meinde, in denen eine Provinz wider die andere, eine Fa⸗ milie wider die andere Partei macht, betrachteſt neben andern Staaten und Gemeinden, in welchen Alle, vom Geiſte der Einigkeit geleitet, das Wohl des Ganzen im Auge haben; wenn du in ein Hausweſen blickeſt, in dem z. B. die Ehe⸗ gatten oder auch Eltern und Kinder in Zwietracht leben und in ein anderes, wo Alle von dem Bande des Friedens umſchlungen ſind; wenn du einen Menſchen belauſcheſt, den die Pein des Gewiſſens foltert und ihn neben einen Andern ſtellſt, der den innern Frieden(das Wort nicht im pietiſtiſchen Sinne, ſondern gleichbedeutend mit„gutem Gewiſſen, ge⸗ nommen) hat. Wahrlich ohne Frieden iſt kein Glück auf Erden und kein- Wohlbehagen und doch gibt's ſo viele Men— ſchen, die denſelben ſo leichtſinnig, aus Empfindlichkeit, aus Spott— Tadel— Läſterſucht, um ſchnöden Gewinnes willen an Geld und Gut, aus Furcht vor dem Geſpenſte der(falſchen) Ehre, um auf kurze Zeit im Sinnenrauſch zu ſchwelgen u. ſ. w. opfern und das Wort des Apoſtels ver⸗ geſſen:„iſt's möglich, ſo viel an euch kt, ſo habet mit allen Menſchen(auch mit euch ſelbſt— der Einſ.) Friede“.— Von dem Werthe des Friedens handelt auch ein ſchwäbiſches
Es muß
Sprüchwort: 8 gut's Brühle— wir würden ſagen: Ruhe und Friede geht über gut Eſſen und Trinken.
Kirchenbuchs⸗Auszuͤge vom Dezember 1845.
Lich. Getraute:
4. Der hieſige Ortsbürger und fürſtl. Ziegler Chriſtian Gottlieb Helm, des Ortsbürgers zu Burkardsfelden, Kr. Gießen, und fürſtl. Zieglers dahier Johannes Helm ehelich lediger Sohn und Marie Eliſabethe Grobert, des hieſigen Burgers und Maurermeiſters Wilhelm Grobert ehelich ledige Tochter.
18. Der hieſige Ortsbürger und Zimmermann Friedrich Wiſſig, des hieſigen Ortsbuͤrgers und Zimmermanns Wilhelm Wiſſig ehelich lediger Sohn und Eliſabethe Becker von Groſenbuſeck, Kr. Gießen, des Philipp Becker von Staufenberg, Kr. Gießen, ledige Tochter.
27. Der hieſige Ortsbürger und Steindecker Joh. Chriſtoph Inſel, des hieſigen Bürgers und Schneidermeiſters Joh. Heinrich Inſel ehelich lediger Sohn und Wilhelmine Gerbich aus Schlitz, Kr. Alsfeld, der dortigen unver⸗ heiratheten Katharine Eliſabethe Reibern ledige Tochter.
28. Der Ortsbürger dahier und Ziegler zu Grünberg Joh. Georg Schmidt IV., des verſtorbenen hieſigen Bürgers und Maurermeiſters Joh. Georg Schmidt ehelich lediger Sohn und Marie Katharine Dickhard aus Grünberg des dortigen Bürgers und Schuhmachermeiſters Ludwig Dickhard ehelich ledige Tochter.
30. Der hieſige Ortsbürger und Leinwebermeiſter Philipp Jacob Meier, des verſtorbenen hieſigen Ortsbürgers und Schneidermeiſters Philipp Jakob Meier ehelich lediger Sohn und Eliſabethe Margarethe Brandhof von Als⸗ feld, Kr. Alsfeld, des dortigen Bürgers und Schuh⸗ machers Konrad Brandhof ehelich ledige Tochter.
30. Der hieſige Ortsbuͤrger und fürſtl. Gartenarbeiter Joh. Jacob Walz VII., des hieſigen Bürgers und Haͤfner⸗ meiſters Joh. Heinrich Walz ehelich lediger Sohn und Louiſe Eliſabethe Walz, des hieſigen Bürgers und Schneidermeiſters Joh. Georg Walz ehelich ledige Tochter.
Getaufte:
2. Dem hieſigen Ortsbuͤrger und Schneider Friedrich Philipp Schwenk eine Tochter, Marie Philippine, geb. den 19. Nov.
11. Dem hieſigen Ortsbürger und ſtädtiſchen Schäfer Carl Chriſtian Traum ein Sohn, Carl Chriſtian, geb. den 1. December.
26. Dem hieſigen Ortsbürger und Schneidermeiſter Peter Gerhard eine Tochter Katharine Eleonore Marie, geb. den 8. December.
26. Dem hieſigen Ortsbürger und Küfermeiſter Joh. Georg Jung ein Sohn, Carl Ludwig, geb. den 21. Dec.
28. Dem hieſigen fürſtlich Solms-Lichiſchen Bauinſpector Georg Mathes ein Sohn, Georg Ferdinand, geb. den 6. December. a
28. Dem hieſigen Ortsbürger, Gerbermeiſter und Kauf⸗ mann Philipp Chriſtian Fiſcher eine Tochter, Johannette Philippine, geb. den 11. December.
Beerdigte: 6. Marie Eliſabethe Krauß, des verſtorbenen hieſigen
Ein gut's Rühle iſt beſſer als ein


