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Intelligenz-Glatt
für die
Provin; Oberheſſen
im Allgemeinen,
die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
.„Intelligenz⸗Blatt für die Provinz Oberheſſen“ wird im Jahre 1846, ganz in derſelben Weiſe wie im Jahre 1845, wöchentlich
zweimal(Mittwochs und Samſtags) erſcheinen
Der Abonnementspreis, welcher ſtets bei der Beſtellung zu entrichten iſt, beträgt bei mir, wie bis ber, für 1 Jahr 1 fl. 12 kr.,
für ½% Jahr 40 kr.— Durch
alle Poſtverwaltungen des Großherzogthums Heſſen iſt das Jutelligenz-Blatt, nach einer
Verfügung des hochlöblichen Oberpoſtamts zu Darmſtadt, pr. Jahr für 1 fl. 24 kr. und pr. Semeſter für 48 kr. zu
beziehen).
Die Einrückungsgebühren betragen, wie bisher, für die geſpaltene erſte Zeile 4 kr, für die zweite 3 kr., für die dritte und jede folgende 2 kr.— Ein Beleg wird mit 2 kr. berechnet.— Alle Inſerate, welche von dem Donnerſtag Morgen bis den Sonntag Abend bei mir eingehen, ſinden in dem Mittwochs erſcheinenden Blatte eine Aufnahme; alle Inſerate, welche ich von dem Montag Morgen an bis den Mittwoch Abend erhalte, werden in das Samſtags erſcheinende Blatt aufgenommen.— Gemeinnützige Auffätze werden ſtels mit Dank für mein Blatt angenommen.
Friedberg.
C. Bindernagel.
Der Gevattersmann fuͤr 1846. Von B. Auerbach Zweiter Jahrgang.
Die Frau Bürgermeiſterin.(Schluß.)
Es ſind jetzt mehr als zwanzig Jahre, da kam der Bürgermeiſter eines Abends mißmuthig und verſtimmt nach Hauſe, ſetzte ſich an's Fenſter, trommelte an die Scheiben und pfiff leiſe dabei, wie er das oft thut, wenn ihm etwas quer gegangen iſt. Die Frau läßt ihn eine Weile gewäh⸗ ren, denn ſie weiß ſchon, daß er auspacken wird, wenn's Zeit iſt. Sie verrichtet ihr Hausgeſchäft ſorglich und ſtill, und kommt dann endlich mit der Lampe in's Zimmer. Sie ſetzt ſich nieder und beginnt Strümpfe zu ſtopfen.
„Es iſt doch jämmerlich, jämmerlich, ſagt der Mann, die Stube auf⸗ und abgehend.„Man kommt doch oft zu dem Vorſatze, ſich gar nichts mehr um das Gemeinweſen zu bekümmern, und Gluͤck und Frieden nur in ſeinem Haus⸗ weſen zu ſchaffen.
„Was iſt denn geſchehen/ fragt die Frau und legt die Strümpfe weg.
„Da ſind heute Nacht wieder nahe an dreißig Bäume in der Anlage beſchädigt, die Blumenbeete faſt alle muth⸗ willig zertreten worden. Wir haben mit ſo viel Mühe und Koſten den Stadtgraben ausgefüllt, die Anlagen gemacht, um einen vergnüglichen Spaziergang zu ſchaffen, fuͤr Alle, und aus purem Muthwillen zerſtört man das.
„Freilich, Aufſicht iſt da ſchwer⸗, ſagt die Frau.
„Es kann hier gar keine Aufſicht geben /, ſagt der Bürgermeiſter,„die Sache iſt zu weitläufig. Und dann, ſoll man einen Büttel hinſtellen, um die Leute davon abzu⸗ halten, und zu ſtrafen, daß ſie ihre eigene Luſt und Augen⸗ weide nicht zerſtören? Iſt das nicht erbärmlich? Wir haben uberall Tafeln angeſchlagen, worauf es heißt, daß die An⸗ lagen unter den Schutz des Publikums geſtellt ſeien. Sie wurden doch beſchädigt. Wir haben das Wort Publikum wieder weg gethan, weil Jeder glaubt, er ſei nicht damit gemeint, und haben das Wort: Bürgerſchaft, dafür geſetzt. Und jetzt werden die Pflanzungen wieder gleicher Weiſe be— ſchädigt.— Es iſt kein Gemeinſinn unter den Menſchen. Sie fühlen und erkennen es nicht, daß es ihre eigene Sache iſt, die ſie hier beſchuͤtzen und in Obhut nehmen.“
„Gewiß⸗, ſagt die Frau,„der Gemeinſinn fehlt leider noch ſehr. Der Sinn fur das Allgemeine, Gemeinſame, das Niemand allein, ſondern Allen angehoͤrt, iſt nur in Wenigen wach und lebendig. Ich habe das auch ſchon oft an den Schulen und bei der Suppenanſtalt erfahren. Es iſt aber nicht immer Schuld der Leute, wie Du ja auch ſchon oft geſagt haſt, daß ihnen der Gemeinſinn fehlt. Man uͤberläßt ihnen ja nichts Allgemeines, an dem ſie ſich freiwillig be— theiligen ſollen; Alles ſoll von beſonders dazu Angeſtellten und Beſoldeten beſorgt werden. Der Gemeinſinn wird nicht


