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Möchte man nur das Sprichwort bewahrheitet finden: Was lange währet, wird gut. Das aber wage ich zu behaupten, daß ein Verein wie der genannte für unſere Zeit und unſere Gegend Bedürfniß geworden iſt. Sehet euch um, meine Brüder, ihr, die ihr es wohlmeinet mit Euresgleichen, ſolltet ihr nicht Mitleid haben und Erbar— men? Ich brauche keine einzelne Gemeinde zu nennen, ihr findet in allen Urſache der Klage und Betrübniß. Bettelnde Kinder begegnen euch auf der Straße, zerlumpte, oftmals mit hungerigem Angeſichte, oftmals auch mit blühen⸗ den Wangen zum Zeichen, daß bisweilen das Bettlerbrod eine kräftige Nahrung bietet. Es iſt gerade Schulzeit, während ihr die Kleinen, um Brod bittend, umherwandeln ſehet. Ihr fraget den Lehrer, ob denn der heutige Tag eine Ausnahme bildet, und höret, wie dergleichen Verſäum— niſſe etwas Alltägliches wären, wie manches Kind aus ei— ner armen oder trägen Familie in jeder Woche einigemal zu den Abweſenden gehöre. Ihr ſehet Knaben und Mäd⸗
chen von 10— 14 Jahren noch bei den unterſten Schü-
lern, vielleicht bei den A. B. C. Schützen ihre Stelle ein⸗ nehmen; findet ihr Gelegenheit, ſo fraget ihr ſie, über die erworbenen Kenntniſſe. Sind ſie nicht von Natur ausge— zeichnet begabt, ſo wiſſen ſie keine genügende Antwort zu geben; ſie haben Nichts gelernt. Doch nein, ich irre mich. Folget ihnen von Ferne, wenn ſie mit ihren Genoſſen zu⸗ ſammen ſind. Sie können fluchen, wie ein Alter, ſchand⸗ bare Reden kommen in häufiger Wiederholung aus ihrem Munde. Sie ſind noch mit andern Dingen bekannt, Ver—
ſtellung und Lügen iſt ihnen durch Gewohnheit zur andern
Natur geworden. Wie könnet ihr euch wundern darüber, da ſie von ihren Aeltern zu dergleichen trüge⸗ riſchen Künſten angehalten werden, damit deſto reichlicher das erbetene Almoſen ausfallen möge? Die Kleinen wollen auch etwas haben für ihre Mühe, al⸗ lerlei Naſchereien u. ſ. w. werden herbeigeſchafft und weil ſie zu Haus die verdiente Züchtigung fürchten, ſo verdrängt eine Lüge die andere. Noch aber bin ich nicht zu Ende mit der Schilderung der jungen Bettler. Gelegenheit macht Diebe. Sie kommen hierhin und dorthin, finden wonach ſie gelüſtet und laſſen es nicht liegen, wenn ſie ohne Be⸗ obachter ſind. Und warum ſollten ſie es thun? Kommen ſie zu den Aeltern mit dem Geſtohlenen in der Hand, fo ſind ſie vielleicht zweifach willkommen. Sie werden gelobt, daß ſie die etwa erhaltenen Lehren oder gegebenen Winke ſo ſorgfältig beherziget haben. Die Folgen ſind leicht zu errathen. Unwiſſende Menſchen an keine Arbeit und nützliche Beſchäftigung gewöhnt, mit Lug und Trug ſchon frühe vertraut, dem Sinnenge nuſſe fröhnend, wohl gar in Diebereien erfah— ren.— Was ſoll aus ihnen werden? Was hat die Ge— meinde die menſchliche Geſellſchaft von ihnen zu erwarten? Und denken wir ſie als Chriſten zu höherem Daſein beru⸗ fen; wie können ſie würdig werden das Reich Gottes zu ererben? Iſt nicht Hilfe von Nöthen? Sollte nicht Jeder, welcher nur ein Scherflein darbieten kann, es gerne ein— legen in dieſen Gotteskaſten des menſchlichen Elenbs? Was iſt hierbei zu thun? das iſt eine ernſte Frage, deren Be— antwortung kein Menſchenfreund ſich entziehen kann. Viel könnet ihr leiſten; ihr Gemeindevorſteher und Armenpfleger! Erkennet es doch, daß ihr ſchon um der Gemeinde willen, damit nicht die Taugenichtſe in derſelben ſich mehren, nicht zurückhalten dürfet mit der nöthigen Gabe. Erkennet es doch, wie viel darauf ankommt, die Unterſtützung zweckmäßig zu verwenden. Hat eine Wittwe wenig oder gar kein Ver⸗ mögen, dagegen 3— 4 und mehr unerzogene Kinder, fraget euch, iſt es möglich, daß die Mutter ſie mit ihrer Hände Arbeit nähre und erziehe? Verlanget nichts
Unmögliches, ſondern helfet wie ihr köunet, damit nicht der Ausſpruch: Noth kennt kein Gebot, euch und euren Nachkommen verderblich werde. Habt ihr das Eure ge⸗ than, habt ihr der bedrängten Familie ihr Fortkommen er⸗ leichtert und möglich gemacht, daun aber, auch erſt dann wehret der Bettelei, und ſehet beſonders darauf, daß nicht das Betteln der erſte Schritt auf den Laſterpfad werde. Es brauchen nicht blos Wittwen zu ſein, welche eure Theiluahme alſo in Anſpruch nehmen. Es gibt auch Familienväter, die nicht im Stande ſind, den Ihrigen den Unterhalt zu verſchaffen. Unſere Armen— verwaltung ſollte auf die ſittlich verwahrloſte Jugend ein beſonderes Augenmerk richten, ſonſt ſteht 11 befürchten, daß von Tag zu Tag die unglücklichen Geſchöpfe ſich mehren, welche aus jugendlichen Bettlern alte Müßiggänger, wo nicht Verbrecher werden. Namentlich ſollte man, ſoweit es irgend möglich, dafür ſorgen, daß es den Hilfsbedürf— tigen nicht an Arbeit fehle.“) Koſtet eine ſolche Fürſorge auch manches nicht unbeträchtliche Opfer, nimmt ſie die beſondere Aufmerkſamkeit der Behörden in Anſpruch, ſo daß ſie als eine mühevolle erſcheinet, ſo glaube ich doch, daß menſchenfreundlicher Eifer, mit Einſicht und Ausdauer verbunden, die Schwierigkeiten größtentheils beſeitigen werde. Die Armencommiſſionen ſollten nicht blos in denjenigen Fällen einſchreiten, wo polizeiliche Beſtimmungen es gebie— ten, ſondern ſie ſollten fürſorgend wirken, die Quelle der Armuth zu verſtopfen ſuchen, und darum Fleiß und Thä⸗ tigkeit befördern.(Schluß folgt.)
) Ich erinnere an die Knabenarbeitsanſtalt zu Darmſtadt und die Beſchäftigung der Jugend durch Strohflechten, wie ſie anderwärts verſucht worden iſt.
Kirchenbuchsauszug vom September 1846. 5 Laubach.
Getraute:
17. Johann Konrad Seitz, Burger und Platzmeiſter auf der Friedrichshütte, des weiland Johs. Seitz ehelich lediger Sohn und Katharina Chriſtiane Jochem, des weiland Hartmann Jochem ehelich ledige Tochter.
17. Ludwig Karl Walther, Bürger und Kaufmann, des Grß. Pſarrers Gottlieb Walther in Eſcholbrücken ehe⸗ lich lediger Sohn und Margaretha Katharina Juſtine geborne Hold, Friederich Wilhelm Jakob Weihl's hin⸗ terlaſſene Wittwe. f
27. Johs. Momberger, Bürger und Wagnermeiſter, des Heinrich Wilhelm Momberger ehelich lediger Sohn und Eliſabetha Lotz, des Johs. Lotz in Betzenrod ehelich ledige Tochter.
ö Getaufte:
13. Dem Bürger und Schuhmachermeiſter Johs. Goldmann eine Tochter, Anna Katharina Mathilde, geb. den 25. Auguſt.
13. Georg Schreiner— von Georg Schreiner und Maria Wilke, geb. den 3. September. i
13. Dem Schäfer Heinrich Theiß aus Flenſungen ein Sohn Georg geb. den 8. September.
Beerdigte:. 6. Eliſabethe Katharina Hofmann, des weiland Georg Hofmann hinterlaſſene Wittwe, alt 43 Jahre, 4 Mon. und 9 Tage, 1 den 4. September.
9. Margretha, des Joſ. Georg Rühl, eheliches Töchterchen,
alt 12 Jahre, 4 Mon. und 22 Tage, 1 den 6. Sept.
10. Der Maria Katharina Sireau, ungetauftes uneheliches
Söhnchen, alt 21 Tage, 7 den 8. September.
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