Ausgabe 
4.7.1846
 
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nern, die bei Erfuͤllung ihres Vorſatzes auf halbem Wege ſtehen bleiben, das ſind die Geſundheitsturner. N Leute, die ſich zu der Idee ſittlicher Tüchtigkeit noch nicht aufgeſchwungen haben, die aber ihre körperliche Untüch⸗

Dieſe turnen vorzugsweiſe nur, um der Leibeskraft und um des Leibes Wohlbehagens wil⸗ len; inſoweit ſind ſie allerdings für uns unſchädlich; wiſſen wir ja doch, daß mit der fortſchreitenden Leibesbildung ge⸗ wöhnlich die ſittliche Bildung gleichen Schritt hält, und daß ſchon mancher ehemaliger Geſundheitsturner jetzt mitten unter den Beſſeren eine ehrenvolle Stelle einnimmt. aber der Geſundheitsturner als Beſpöttler unſerer ſitt- eins. lichen Beſtrebungen auf, erturnt er ſich gar wohl deshalb die größere Kraft, um im Dienſte der Ueppigkeit deſto reich⸗ licher frohnden zu können, dann wird er uns verächtlich,

tichkeit recht wohl fühlen.

und die Gemeinde ſtößt ihn aus.

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Es ſind ihr dieß?

Tritt

bleiben? wollt ihr ſie zu Zeugen deſſen aufrufen? Wollt

Bei dieſer Frage erhoben ſich die Turner, wie Ein Mann und riefen ein Ja, ſo herzlich und ſo kräftig, daß es eine Luſt war. Ein Gaſt bemerkte: Wenn doch vor dem Altare Braut und Bräutigam auch ſo herzlich ihr Ja rufen wollten!

Wohlan denn, ſo ſeid ihr wahrhaft eingetreten in

den Kreis der Turngemeinden. einfachen, aber feſten Grundlage, die ihm gegeben iſt, blühen und gedeihen. Und nun ergreift mit mir die Gläſer und laßt uns ſie leeren auf das Wohlergehen des neuen Ver⸗ Er lebe dreimal hoch! Turner Jaffé von Friedberg, aufgefordert, das von ihm verfaßte, noch nicht ſämmtlichen Turnern bekannte Ge⸗ dicht: Was iſt ein Turner? vorzutragen, entſprach dieſer Aufforderung, und ſeinem kräftigen und feurigen Vortrag dankte ein vielſtimmiges Bravo.

Möge euer Werk auf der

Ihr wißt nun wohl auch in Proſa was das iſt, ein Turner, ſeine Abarten ſind auch ſcharf gezeichnet, die Feinde, die uns gefährden, ſind auch kenntlich gemacht, damit ihr ſie beſſern oder meiden mögt. Nun aber laßt uns auch von unſern Freunden ſprechen und von ihrer Be⸗ ziehung zu dem jungen Vereine, den wir heute begrüßen. Liebe Turner, das ſind die ehrenwerthen Männer des Bür⸗ ger⸗ und Beamtenſtandes, deren wir mik Freuden Mehrere in unſerer Mitte ſehen, das ſind die Staatsbehörden ſelbſt, die unſerem lebensfriſchen Treiben ihren Beifall zollen, Män⸗ ner, die ihrer Jahre und Würde wegen nicht glauben, un⸗ mittelbar in unſere Reihen eintreten zu können, die uns aber als Stammhalter der Turnvereine und Ehrenmitglieder derſelben nahe ſtehen, Männer, die zum Theil früher ſelbſt Turner, der Jugend als Vorbild zur Nacheiferung vor⸗ ſchweben ſollten.

Wollt ihr denn, ſo frage ich jetzt zum Schluſſe die angehenden Turner aus Butzbach, vor dem geiſtigen Ange⸗ ſichte jener Männer, deren gerade dieſe Stadt ſo ausge⸗ zeichnete beſitzt, und unter den Augen ihrer hier anweſenden würdigen Vertreter das Gelöbniß ablegen, den guten Vor⸗ ſätzen, die ihr heute gefaßt, treu und von Abwegen fern zu

Gegen 5 Uhr verließen die Friedberger Turner unſere Stadt, nachdem vorher die Turner von Siegen und Dillen⸗ burg die Heimreise angetreten hatten, und ſpäter ſchieden auch Ra venſtein mit ſeinen Begleitern aus Frankfurt und die Turner von Gießen.

Das Feſt war ſchön, ſehr ſchön, und die Erinnerung an daſſelbe wird ſich noch lange friſch und lebendig erhal⸗ ten. Aber wir hoffen, daß ſolche Feſte zu einer richtigeren Beurtheilung und Würdigung, ſowie zur weiteren Verbrei⸗ tung und Aufnahme des Turnens dienen, und daß ſich nicht nur in Städten, ſondern auch in Landgemeinden Turnver⸗ eine bilden möchten. Im Einklang mit Geſang⸗, Muſlk⸗ und Leſevereinen werden ſie zu einem erfreulichen Aufſchwung eines kräftigen Volkslebens beitragen, die geſelligen Freuden veredeln, der Ueppigkeit und Verweichlichung, ſowie einem wüſten Genußleben entgegen wirkend, Achtung vor dem Ge⸗ ſetz und Liebe zu Fürſt und Vaterland befeſtigen.

Freunde der Zucht und Ordnung, Beförderer des wah ren Volkswohls werden gerne das Turnweſen unterſtützen. Möchten ſie daher anregen, rathen und begründen, wo es Noth thut!

Bekanntmachungen von Be⸗ hörden.

rr

Edietalladung.

(9083) ueber das Vermögen des Ludwig Petzinger zu Langenhain iſt der Concurs er⸗ kannt worden. Es werden deßhalb Alle, welche Anſprüche an denſelben zu haben glauben, aufgefordert, dieſelben im Termin Freitag den 7. Auguſt l. J.,

5 Vormittags 9 Uhr, bei Vermeidung des ſtillſchweigenden Aus⸗ ſchluſſes von der Maſſe dahier auzuzeigen und gehörig zu begründen.

Butz bach den 20. Juni 1846.

Gr. Heſſ. Freihl. von Löwiſches Landgericht

Mosler. Dr. Jrle.

Arbeits ⸗Verſteigerung.

(998) Montag den 6. Juli d. J, Vormit⸗ tags 10 ubr, werden nachſtehende an den hie⸗ ſigen gemeinheitlichen Gebäuden erforderlichen

kr.

Bauarbeiten, als: 2 fl.

1) Maurerarbeit, veranſchlagt zu 10 2) Steinhauerarbeit, 1 44 3) Schloſſerarveit, 15 5 90 4) Spenglerarbeit,* 46 35 5) Weißbinderarbeit, 0 11 5 60 Pflaſterarbeit, 135 54

1 7. 7 7) die Anlieferung von 6,7 Köklftr. Pflaſter⸗ ſteinen,

8) desgl. die Anlieferung 6 Koklftr. Sandes, 9) der Steine und das Sandmeſſen, unter den im Termin eröffnet werdenden Bedingungen wenigſtnehmend in Akkord ge⸗ geben. Niederros bach den 27. Juni 1846. Der Grßh. Heſſ. Bürgermeiſter Bullmann.

Bekanntmachung.

(993) Das Konſiſtorialguk, oder die ſoge⸗ nannten Kirchheimiſchen Aecker in Dorheimer und Fauerbacher Feldmark, welche mit Petri tag k. F. leihefaͤllig werden und überhaupt 21 Morgen, 2 Viertel, 24½ Rutben halten, ſollen abermals entweder zuſammen, oder theil⸗ weiſe mit Genehmigungsvorbehalt auf 9 Jahre verpachtet werden. Hierzu iſt Termin auf Mittwoch den 15. Juli d. J, des Vormittags um 11 Uhr, in das Bingel'ſche Gaſthaus zu Dorheim anberaumt worden, wozu die Pacht⸗ liebbaber hierdurch eingeladen werden. Hanau den 26. Juni 1846. Der Kirchenverwalter Rühl. Verſteigerung von Bauarbeiten.

(999) Die zur Einrichtung des Rathhauſes zu Großenlinden zu einem Schulhauſe erfor⸗ derlichen Arbeiten und Lieferungen, beſtehend in fl. kr. Mauer- und Steinhauerarbeit, ver⸗

anſchlagt zu 1536 8 Zimmerarbeit, veranſchlagt zu 1469 20 Dachdeckerarbeit,. 381 23

Schreinerarbeit, veranſchl. zu 1145 15 Schloſſerarbeit, 1 888 53 Glaſerarbeit, 1* 382 28 Weißbinderarbeit, 2 672 20 Spenglerarbeit, 15 5 73 48

Oann Brechen und die Beifuhr von 12.8 Kuübikklafter Mauerſteinen aus den Stein- brüchen auf der Lohr bei Kirchgöns,

Die Beifuhr von 3 Kuübikklafter Mauerſand aus der Lahn,

und die Lieferung von 50 Bütten Kalk

ſollen Montag den 6. Juli d. J, Vormittags

um 10 Ubr, auf dem Ratbhauſe zu Großen linden wenigſtfordernd verſteigert werden. Die Riſſe, der Voranſchlag und die Ver⸗ ſteigerungsbedingungen können auf dem Bureau des Unterzeichneten eingeſeben werden. Großenlinden den 23. Juni 1846. Der Grßb. Heſſ. Bürgermeiſter Menges. Bekanntmachung.

(1010) Mittwoch den 8. Juli, Vormittags 10 Uhr, ſoll dahier ein der Gemeinde zuſtehen⸗ der Kirſchbaumſtamm von circa 12 Fuß Lange und 2 Fuß Dicke im Durchmeſſer, welcher ſich für Schreiner ſehr eignet, öffentlich meiſtbie⸗ tend verſteigert werden. Rendel den 30. Juni 1846. Der Grßh. Heſſ. Bürgermeiſter Beck.

Bekanntmachung.

(1011) Montag den 6. Juli, des Vormit⸗ tags 11 Uhr, werden in Loco Niederrosbach