Ausgabe 
2.5.1846
 
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Lager in veißem üte wir len ſon⸗

e. Blumen-

Intelligenz-Blatt

für die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

Vierte Generalverſammlung des Vereins zur Unterſtützung und Beaufſichtigung der aus den Gr. Heſſiſchen Landes- und Provinzial-Strafanſtalten Entlaſſenen, zu Darmſtadt, am 3. Februar 1346.

(Aus der Gr. Heſſ. Zeitung Nr. 62 vom 3. März 1846.) (Zu vergleichen Nr 82 u. 83 der Großb. Heſſ. Zeitung von 1842,

Nr. 314 von 1843 u. Nr. 336 von 1844.) (Fortſetzung van Nro. 32 d. Bl.)

Es entſpann ſich eine Discuſſion über Zweck und Wirken des Vereins. Mehrere Mitglieder der Verſammlung hoben durch aus dem Leben gegriffene Beiſpiele hervor, wie ſchwierig das Amt der Ueberwachung der einzelnen Pfleg⸗ linge ſei, wie aber auch gerade Alles darauf ankomme, daß es mit Liebe zur Sache, mit Umſicht und Geduld geübt werde, daß die Bezirkscommiſſionen aus erfahrenen und in jeder Beziehung für das ſchwere Amt geeigneten Männern beſtünden; wie ſehr es deßhalb wünſchenswerth wäre, daß überall die Geiſtlichen, deren göttlicher Beruf es ohnedies zunächſt ſei, auf Beſſerung der Gefallenen zu wirken, als Mitglieder dem Vereine beitreten und, gleich vielen ihrer Amtsbrüder, für deſſen edle Zwecke mit chriſtlicher Liebe und regem Eifer thätig wären. Ebenſo hielt man es für wün⸗ ſchenswerth, daß die Sanitätsbeamten überall thätigen Antheil an dem Vereine nähmen, da ihnen ebenfalls vermoͤge ihres Amtes vielfach Gelegenheit geboten iſt, für den Zweck des Vereins erſprießlich zu wirken. Es wurde ferner berührt, wie immer noch Vorurtheile einem ſegensreicherem Wirken des Vereines entgegenſtünden. Klar hob man wie⸗ derholt hervor, wie es nicht Unterſtützung des Verbrechers e während ſo mancher brave redliche Mann ſich ohne olche kümmerlich behelfen müſſe; ſondern wie es Zweck ſei,

Menſchen, welche ihre Vergehen gegen die bürgerliche Ge⸗

ſellſchaft durch die geſetzlichen Strafen abgebüßt, wieder durch Fleiß, Arbeitſamkeit und Sittlichkeit) einen Weg zu öffnen, gebeſſert unter ihre Mitbürger zurückzukehren, zu

verhindern, daß ſie, überall abgeſtoßen, ohne ehrliches Un⸗

terkommen, nicht gezwungen wären, den Weg neuer Ver⸗ brechen zu betreten, und ſo, ſtatt reuiger, gebeſſerter Men ſchen, noch verderbtere, gefährlichere Glieder der menſchlichen Geſellſchaft zu werden. Der Geſunde bedürfe keines Arztes,

*) Immer nur hierdurch ſucht man auf angemeſſene Weiſe auf die nachhaltige Beſſerung des Pfleglings zu wirken. Directe baare Geldunterſtützungen werden nur in ganz beſonderen Fällen verwilligt.

wohl aber der Kranke, wurde mit Recht bemerkt, und ab ſchrecken dürfe man ſich nicht laſſen, wenn auch ſelbſt die Wenigſten, denen man ſorgfältiges Heilverfahren widme, vollſtändig geneſen ſollten. Selbſt wenn von Zehen, ja von Hundert nur Einer gerettet würde, von dem Wege des Laſters, wenn ſo die Verbrechen verhindert würden, die er ſonſt wohl wieder begangen hätte, ſo ſei das Wirken des Vereins kein vergebliches, ſondern ein gutes um wie viel mehr jetzt, wo weit erfreulichere Reſultate ſchon mit Beſtimmtheit vorlägen! Darum mögen alle Freunde des Gemeinwohls, beſonders unſere wackeren Herren Geiſtlichen, ſich veranlaßt fühlen, dem Verein als thätige, ausdauernde Mitglieder beizutreten, welche ſich auch nicht durch erfolg⸗ loſe Bemühungen, die freilich bei Manchen nicht ausbleiben werden, in dieſen edlen Beſtrebungen für das Wohl ihrer Mitmenſchen abſchrecken laſſen! Das Wirken des Vereins wird um ſo ſegensreicher, je mehr brave Männer ſich dabei betheiligen.

Das Vereinsmitglied Großh. Stadtrichter Strecker von Darmſtadt ſtellte den Antrag:daß jedem Pflegling eine Belehrung über den Zweck des Vereins und über die Bedingungen, unter welchen die Aufnahme ſtattfinde, gedruckt eingehändigt werden möge,, welch' zweckmäßiger Antrag allſeitige Unterſtützung fand und ſofort zum Beſchluß erhoben wurde, auch, wie wir vernehmen, von der Central behörde bereits in Ausführung gebracht worden iſt.

(Schluß folgt.)

Die Entlaſſung der Candidaten aus dem Prediger Seminar zu Friedberg am 15. April 1846.

Die Entlaſſung der Candidaten aus dem Prediger Seminar iſt immer eine anziehende Feierlichkeit für Jeden, der die Erſcheinung des Heilandes lieb hat und ſeine Freude daran findet, in den Reihen ſeiner ewigen Eidgenoſſenſchaft gegen das Böſe und für das Gute zu kämpfen.

Dießmal war dieſe Feier durch die Entlaſſungsrede, welche Herr Profeſſor Sell hielt, noch beſonders bedeu tungsvoll und belehrend. Er hatte die Worte des Heilandes zum Grunde gelegt:Niemand faſſet Moſt in alte Schläuche; anders zerreißet der Moſt die Schläuche und der Wein wird

verſchüttet und die Schläuche kommen um. Sondern man

ſoll Moſt in neue Schläuche faſſen(Mark. 2, 22.) und ſprach darüber:wie die jüngere evangeliſche Geiſtlichkeit das