Ausgabe 
1.8.1846
 
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238.

in Obermörlen und Laubach empfunden wurde. Schreiber dieſes, welcher den erſten Stock ſeines Hauſes bewohnt, empfand mit ſeinen Angehörigen die Erſchütterung ſehr ſtark. Stühle, auf denen man ſaß, Tiſche, Betten ꝛc. zit⸗

terten. Die lautloſe wellenförmige Bewegung war zu- und

abnehmend und währte 34 Secunden. Andere, welche in einem höheren Hauſe im zweiten Stocke wohnen, haben, der Beſchreibung nach, die Erſchütterung ſtärker empfunden, und zwar ſo, daß ſie aus Aengſtlichkeit das Haus verlie ßen. Wir hatten dabei Windſtille und heiteren Himmel.

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über den Stand der Guſtav⸗Adolf⸗Stiftung, vorgeleſen bei der Verſammlung) des Wetterauer Zweig⸗Vereins am 22. Juli 1846 von dem Secretär des Vereins, Dr. L. Chr. Matthias,

evang. Pfarrer zu Fauerbach II. Hochgeehrte Verſammlung! Geliebte in dem Herrn!

Beinahe fünf Jahre ſind es jetzt, daß das begeiſterte Wort eines begeiſterten Mannes, der die Noth evangeliſcher Brüder den Glaubensgenoſſen ans Herz legte und ſie zur Erweiſung einer werkthätigen Liebe aufforderte, daß dieß Wort durch Deutſchlands Gaue gedrungen iſt. Man ſah es damals, was der Einzelne ſagte, das hatte lange ſchon, wenn auch unbewußt, wenn auch im Stillen, in der Seele gar Mancher Wurzeln geſchlagen, denn kaum, daß derAufruf an die prot. Welt, der an ſeiner Stirne des Apoſtels Mahnung trug:laſſet uns Gutes thun an Jedermann, allermeiſt aber an des Glaubens Ge noſſen, von der Hauptſtadt unſeres Landes ausgegangen war, da traten in den meiſten deutſchen Landen, von den Geſtaden der Oſtſee bis zu den Höhen der Alpen, Vereine zuſammen, die es ſich zum Ziele ſetzten, jenes apoſtol. Wort an ihnen ſelber, ſoweit ſie es vermöchten, zur Wahr⸗ heit zu machen und Hülfe zu tragen in die Wohnungen der Armen und Elenden, namentlich zu den Armen, die Mangel litten an dem Brode, das vom Himmel gekommen iſt, namentlich zu den Elenden, welchen das Licht der Welt nicht in voller Klarheit leuchtete. Ja über die Grenzen unſeres Vaterlandes hinaus, ja über das Welt⸗ meer hinüber tönte jenes Wort, und allüberall, wo Her⸗ zen ſchlugen für die, welche Mangel litten an den Mitteln des kirchlichen Lebens, obwohl auch ſie auf den Grund evangeliſcher Freiheit erbauet waren, reichte man ſich die Hände zum gemeinſchaftlichen Werke heiliger Bruderliebe.

Seit jener Zeit ſind, wie geſagt, faſt 5 Jahr ver⸗ floſſen; der Sturm, der die Begeiſterung für die Sache, um deretwillen auch wir uns jetzt verſammelt haben, über die Lande trieb, hat ſich gelegt, aber die Begei ſterung ſelbſt iſt geblieben, zum ſicheren Zeichen, daß das Feuer, das der Sturm angefacht, kein Strohfeuer, ſon⸗ dern wirklich die Flamme chriſtlicher Liebe war und iſt, chriſtlicher Liebe, von der geſagt iſt, daß ſie die höchſte der geiſtigen Gaben ſei und daß ſie in Ewigkeit nicht auf⸗

) Vielfach aufgefordert, den nachfolgenden Bericht zu veröffentlichen, babe ich um ſo weniger Anſtand genommen, es zu thun, als auch ich die Hoffnung habe, daß damit vielleicht etwas Gutes gewirkt werden könne.

Die Verſammlung, um 10 Uhr Morgens beginnend und bis gegen 1 Uhr während, war ziemlich zahlreich, auch von Mitgliedern vom Lande, beſucht. Der Präſident des Vereins, Herr Direktor Dr. Crößmann eröffnete ſie, nachdem mehrere Verſe des Liedes Nr. 485. geſungen waren, mit einer in hohem Grade erbaulichen Anſprache über 2. Kor. 8, 811, in welcher er von dem Segen, den die Unterſtützung der Glaubensgenoſſen uns ſelber gebe, redete. Der Segen wurde gefunden 1. in dem Gefüble befriedigter Liebe, 2. in dem Gefühle der Gemeinſchaft und 3. in dem Bewußtſein, am Ausbaue des Reiches Gottes mitgewirkt zu haben, welches Alles denn. natürlich ezu unſerer Beglückung und Beſeligung weſentlich beiträgt

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höre, ob nun die Winde wehen oder ob das Wetter ruhig geworden. f

Daß aber in der That die Begeiſterung für das Werk der Liebe, das der ev. Verein der G.⸗A.⸗St. treibt, nicht aufgehöret habe, ſondern vielmehr fort und fort be⸗ ſtehe und wirkſam ſei, wie könnte ich, der von Amtswegen die Pflicht der Berichterſtattung übernommen hat, es an⸗ ders, wie könnte ich es beſſer zeigen, als wenn ich in zwar wenigen, doch aber möglichſt ſcharfen Umriſſen vor Ihren Augen ein Bild entwerfe von der Lage und den Verhältniſſen des Bundes, deſſen Mitglieder zu werden und zu bleiben auch uns die Gnade Gottes, der in dem Menſchen Beides wirkt, das Wollen und das Vollbringen, getrieben und geſtärket hat!

Wollen Sie zunaͤchſt mit mir Ihre Blicke werfen auf das große Ganze, von dem ich um ſo weniger

ſchweigen mochte, als es wohl nicht Jedem vergönnt iſt,

von dem Standpunkte aus, den er einnimmt, den weiten Kreis zu überſchauen, den der Baum des Herrn beſchattet. So viele einzelne Staaten ſind in dem geliebten Lande, wo die deutſche Zunge klingt, und Gott im Himmel Lie⸗ der ſingt, faſt ſo viele Aeſte hat der Baum und der Aeſte Zweige dehnen ſich aus über die meiſten Kreiſe und Gemeinden, in denen proteſtantiſche Ehriſten wohnen; ſchon im Anfange dieſes Jahres hatten mehr als 400 Zweigver⸗ eine dem Centralvorſtande zu Leipzig von ihrem Beſtehen

Hund Wirken Nachricht gegeben. Allerdings iſt auch noch

ein im Verhältniß zu andern großes deutſches Reich dem Vereine zugeſchloſſen, aber nicht aus Mangel an Theil⸗ nahme bei denen, deren Mitwirkung zunächſt in Anſpruch genommen würde, ſondern in Folge geſetzlicher Beſtim⸗ mungen, deren endliche Beſeitigung aber um ſo gewiſſer erwartet werden kann, als ſie nicht aus etwaiger Feind⸗ ſchaft gegen die Sache ſelbſt, ſondern aus untergeordneten Gründen hervorgegangen ſind. Fragen wir aber: was hat der Baum, von dem wir reden, für Früchte getragen? ſo iſt wirklich unverkennbar der Segen des Herrn, der auf ihm gelegen hat, denn, ungerechnet die Gaben, welche die einzelnen Hauptvereine ſelbſtſtändig verwendeten?), ſo hat der Centralvorſtand zu Leipzig im Jahre 1844 mit 42,000 fl. 48 Gemeinden in Frankreich, Belgien, N.⸗Ame⸗ rika, Preußen, Hannover, Heſſen, ganz beſonders in Oeſter⸗ reich, und im Jahre 1845 mit mehr als 70,000 fl. 70 Ge⸗ meinden, 54 in Oeſterreich, 3 in Frankreich, 2 in Amerika, 2 in Belgien ꝛc. ꝛc. unterſtützt, ſo daß in dem letztver⸗ floſſenen Jahre weit über 100,000 fl. zur Verwendung ge⸗ kommen ſind. Damit ich Ihnen einen Maasſtab gebe zur Beurtheilung deſſen, was in unſerm Lande geſchieht, füge ich noch beiſpielsweiſe die Bemerkung hinzu, daß in Württemberg im letzten Jahre 18,400 fl., in Naſſau 5,000 fl. beigetragen wurden und daß dem Vereine unmittelbar nach der Hauptverſammlung zu Stuttgart im vorigen Jahre

von Seiten eines Stuttgarter Bürgers ein Geſchenk von

1,000 fl. und erſt jüngſt in Berlin ein Legat von 6,000 Th. zugekommen iſt gewiß Beweiſes genug, daß die Theil⸗ nahme für die G.⸗A.⸗St. aller Orten auf höchſt erfreu⸗ liche Weiſe fortwährend im Zunehmen begriffen iſt. Abſichtlich habe ich mich bei meinen Mittheilungen über das Ganze auf das Nöthigſte beſchränkt, damit ich Ihre Geduld nicht über Gebühr in Anſpruch nehme und damit ich bei dem, was ich über unſer engeres Vater⸗ land zu bemerken habe, etwas ausführlicher ſein kann. Wahrlich, unſer Heſſenland braucht den Vergleich mit kei⸗ nem andern Lande zu ſcheuen, denn wenn irgendwo, ſo hat ſich in ihm das Intereſſe an der G.⸗A. St., das

*) In unſerm Lande zwei Drittheile der ganzen Einnahme.

Großgel, Reinheim, berg, wilt

Den Iweigverel und Colle welcher ich welded e Zweck ger ſammlung gekommen, bei dem e 100 fl., 1 auf der in Lerſammlu.

Dami dieſe Su 8061 fl., ſo verwe verwende zum Kirc rer 200 f Orgel, di bezeichnen 10 wer 0 iger N Geldihe Spieshe

150 fl. d ihrer irc