Ausgabe 
20.12.1845
 
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400.

Die ausgegangenen Doͤrfer Birx und Appelshauſen.

Laut Kaufbriefes vom Jahr 1405 verkaufte Johann, Herr zu Limburg, und deſſen eheliche Hausfrau Hilgard, geborne von Sarwerden, um 10500 Gulden erblich an Sie, bold Löw von Steinfurt, Eberhard Weis von Fauerbach⸗ Ritter Eppeche von Eleen und Henn von Stockheim das Schloß Staden, Burgk, Stadt und Burgkmann, mit Ge⸗ richten, Dörffern, mit Nahmen Mockſtatt und Mockſtatt, Heegheim, Birx, Stammheim, Floſtadt und Floſtadt, und Appelshauſſen, mit Lüden(Leuten), Wälden, Wildtpahnen, Mühlen, Waſſern, Fiſchereyen, Aeckern, und Weingarten, Wieſen, Weyden, Zehenden, Dienſten, Steuern, Kirchſätzen und mit aller Herrlichkeit und Zugehorden u. ſ. w. Jene Orte bildeten alſo damals das Gericht Staden. Zwei davon ſind nachher ausgegangen, nämlich Birx und Appels⸗ hauſen, über welche ich hier einiges darlege. Es ſcheint, daß ſich aus ihrer Geſchichte auch nicht mehr ſagen läßt.

Birx mag nur ein ganz kleines Dorf geweſen ſein, das hinter dem Florſtädter Walde ungefähr in der Richtung zwiſchen Sternbach und Appelshauſen lag. Von dem Orte ſelbſt iſt auch nicht die mindeſte Spur mehr zu finden; nur ſeine ehemalige Terminei heißt noch bei den Leuten das Burxter Feld oder ſchlechthin Burx und gehört zu Unterflor⸗ ſtadt. Dort ſagt man noch ſchlechthin z. B. nach Burx gehen, zu Burx geweſen ſein ic. Wie ich gehört habe, ſo zeigt ſich über dieſes Feld hin in dürren Jahren an dem Stande der Saaten noch die Spur, daß da hinaus eine Straße geweſen ſein möge. Birx kommt vor dem Jahre 1405 nur einmal vor, nämlich in dem Lehenbrief Johannes von Limburg 1308, unter Anderm Güter in den Dörfern Stamheim, Birchisheim(in einem Abdruck ſteht, was das ſelbe iſt, Birkisheym) und Ober- und Unter⸗Vlaſtadt als Lehensgüter der Abtei Fulda bezeichnet werden. Dieſes Vlaſtadt iſt Florſtadt, und Birchisheim iſt Birx. Hier ſehen wir den vollſtändigen Namen des Ortes, wodurch uns auch der Name ſeines älteſten Herrn kund wird. Das altdeutſche Wort der(oder die) Heim drückt den Wohnort, Beſitz aus, und Birchis iſt von dem Mannsnamen Birch, altdeutſch Piricho); alſo iſt Birchisheim ſo viel als: Wohnſitz des Birch(Birk), Beſitzung des Birch. Später ließ man das hintere Wort Heim ganz weg und kürzte den Namen des Ortes in Birchs oder, da chs gleich 1 geſprochen wird, in Birx, gleichwie die Leute in der Wetterau den Nachbarort Stammheim geradezu Stamm ausſprechen ohne heim. Bürx oder Burx zu ſchreiben, wäre alſo urkundlich falſch. Nach 1405 kommt Birx, ſo viel mir bekannt iſt, in keiner gedruckten Urkunde mehr vor und ſcheint im Verlaufe der Zeit bis 1500 oder etwas darüber ausgegangen zu ſein. In dem Altenſtädter Markbuch, das 1540 anfängt, werden auch einige Sternbacher und Engelthaler mit Bußen belegt, aber niemand von Birx oder Appelshauſen trotz der Nach barſchaft. Während des dreißigjährigen Krieges, wo die Orte des Stader Gerichts in den Regiſtern der Frucht-, Futter⸗ und Geldlieferungen einzeln benannt ſind, kommt weder Birx noch Appelshauſen mehr vor; ſie waren nicht mehr, während das benachbarte Sternbach damals ſeinen Untergang gefunden haben mag.

Appelshauſen, im Munde des Volkes Oppels hauſen genannt, kommt, ſo viel ich weiß, nur in dem obengenannten Kaufbriefe von 1405 vor. Wie der Name früher und vollſtändiger gelautet hat, läßt ſich alſo nicht

) Piricho, Bircho bedeutet im Grunde ſo viel als Bärchen und iſt Verkleinerungswort von altdeutſch der pero, béro(d. i. der Bär) als Mannsname. Statt Birgis, welches Genitiv iſt, müßte es eigentlich Birchin lauten; allein bei den Genitiven dieſer Art wird in Ortsnamen die Endſolbe ⸗in zuweilen in ⸗is umgetauſcht, wofür Beiſpiele vorhanden ſind.

angeben); mithin läßt ſich daraus auch nicht rein der Name des älteſten Beſitzers nennen, den Beſitz zeigt hauſen(d. i. zu den Häuſern) an. Es ſcheint dieſer Ort ungefähr zu gleicher Zeit, wie Birx, ausgegangen zu ſein. Die Bewoh⸗ ner mögen ſich wohl nach Stammheim übergeſiedelt haben, wie die von Birx vermuthlich nach Florſtadt. Vor etwas mehr als hundert Jahren, erzählten mir alte Leute, hätten zu Oppelshauſen, welchen Namen das Feld dort behalten hat, noch ein Haus und eine Scheuer auf dem Flecke des Ortes geſtanden. Das kann nur ſpäter Anbau geweſen ſein, nachdem der Ort ſchon lange eingegangen war, ſonſt wäre gewiß Appelshauſen mit unter den einzelen Orten des Gerichts Staden in den oben genannten Zahl- und Lie⸗ ferungsregiſtern während des dreißjährigen Krieges erwähnt. Seit etwa 12 Jahren ſteht ungefähr da, wo man das aus⸗ gegangene Dorf Appelshauſen ſuchen will, ein neu erbauter Pachthof, nach dem alten Namen des Ortes der Oppels⸗ häuſer Hof genannt. W.

) Vielleicht hat der Rame früher Abbelineshüsen(Appelineshüsen) gelautet, d. i. zu den Häuſern des Abbelin(Appelin). Abbelin war ein altdeutſcher Mannsname. Appelshauſen wäre dann ähnlich zu⸗ ſammengezogen, wie Büdesheim aus Budinesheim.

Kirchenbuchs⸗-Auszug vom November 1845. Friedberg. Getraute:

9. Johann Konrad Werner, Ortsbürger und Schneider zu Kohden, Kr. Nidda, des daſigen Ortsbürgers und Acker⸗ manns Conrad Werner ehelich lediger Sohn und Mar⸗ garetha Scheig, des hier verſtorbenen Bürgers und Fuhrmanns Joh. Georg Scheig nachgelaſſene eheliche ledige Tochter.

11. Jakob Jakobi, Bürger und Schuhmacher dahier, des weiland hieſigen Bürgers und Hirten Philipp Jakobi nachgelaſſener ehelich lediger Sohn und Eliſabetha Muͤhl von Weckesheim, Kr. Hungen, des daſigen Ortsbürgers und Grubenarbeiters David Mühl eheliche ledige Tochter.

16. Georg Martin Philippi, hieſiger Bürger, Conditor und Bäckermeiſter, des hieſigen Bürgers und Gaſtwirths, wie auch Gemeinderaths Philipp Philippi ehelich lediger Sohn und Johanna Maria Philippine Bechſtein, des hieſigen Burgers und Lederhaͤndlers Jakob Bechſtein eheliche ledige Tochter.

17. Emmerich Dörr, hieſiger Buͤrger und Weißgerbermeiſter, des hier verſtorbenen Bürgers und Weißgerbermeiſters Heinrich Dörr nachgelaſſener ehelich lediger Sohn und Dorothea Wilhelmine Schuſter, des weiland hieſigen Bürgers und Privatſcribenten Adam Schuſter nachge⸗ laſſene eheliche ledige Tochter.

23. Johann Philipp Schäfer, Ortsbürger und Schneider zu Heyhauſen, Kr. Vöhl, des daſelbſt verlebten Beiſaſſen und Schneiders Joh. Georg Schäfer nachgelaſſener ehelicher Sohn und Anna Margaretha Heller, der hier verſtorbenen Anna Margaretha Rübſaamen nachgelaſſene Tochter.

30. Adam Rauſch II., Bürger und Mehlhändler dahier, des weiland hieſigen Bürgers und Mehlhändlers Hein⸗ rich Rauſch ehelich lediger Sohn und Eliſabetha Bech ſtein, des hieſigen Bürgers und Lederhändlers Engel⸗ hard Bechſtein ehelich ledige Tochter.

Getaufte:

10. Ein unehelicher Sohn, Emil, geb. den 22. Oktober.

11. Dem hieſigen Burger und Inſtrumentenmacher Heinrich Ludwig Karl Glück eine Tochter, Henriette Karoline, geb. den 20. Oktober.

10.

28.