Intelligenz Olatt
für die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
————ſ—
Amtlicher Theil.
Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Gruͤnberg
an ſammtliche Bürgermeiſter dieſes Kreiſes. Betreffend: Anordnungen zur Vertilgung der Maikäfer.
Unter Bezugnahme auf die Ihnen mitgetheilte hoͤchſte Verfügung vom 16. Februar 1839 weiſe ich Sie an, ſich auch in dieſem Jahre angelegentlich um die Vertilgung der Maikäfer zu bemühen und über den Erfolg bis zu Ende Juni l. J. ohnfehlbar zu berichten.
Grünberg am 8. Mai 1845.
In Abweſenheit des Gr. Kreisraths v. Rüding, Gr. Kreisſecretär
Derſelbe an dieſelben.
Betreffend: Verlegung des auf Dienſtag und Mittwoch nach Egidi fallenden Marktes zu Düdelsheim, Kr. Büdingen.
Der rubricirte Markt iſt auf den erſten Dienſtag und Mittwoch im Monat Auguſt verlegt worden, was Sie in Ihren Gemeinden zur öffentlichen Kenntniß zu bringen haben.
Grünberg am 9. Mai 1845.
In Abweſenheit des Gr. Kreisraths
v. Rüding, Gr. Kreisſecretär.
Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Hungen
an ſaͤmmtliche Großh. Buͤrgermeiſter dieſes Kreiſes. Betreffend: Die Portofreiheit der Collecten⸗ Sendungen im Intereſſe der Waſſerbeſchädigten in den Provinzen Starkenburg und
Rheinheſſen im Jahre 1845.
Nach einer Benachrichtigung Gr. Provinzial-Commiſ— ſärs der Provinz Starkenburg hat der Herr Fürſt Erbland⸗ poſtmeiſter Durchlaucht die Portofreiheit für die Correſpon⸗ denz in Betreff der höchſten Orts angeordneten Landes⸗Col⸗ lekte für die Waſſerbeſchädigten, ſowie für die zu dieſem Zwecke eingeſendet werdenden Geld-Sendungen bewilligt. Die in Rede ſtehenden Sendungen ſind mit der Aufſchrift „für die Waſſerbeſchädigten“ und der Namensunterſchrift des Aufgebers zu verſehen. Sollte irgend wo ſchon Porto für ſolche Briefe und Geldpaquette bezahlt worden ſein, ſo iſt Gr. Provinzial⸗Commiſſar für die Provinz Starkenburg unter Anſchluß des Couverts, davon in Kenntniß zu ſetzen, damit der Erſatz des Porto's reclamirt werden kann. Hungen den 8. Mai 1845. Follenius.
Sonnabend, den 17. Mai
Die Katze am Hochzeitstage.
Es herrſcht in Deutſchland, auch unter uns Wetter⸗ auern noch hie und da, der Aberglaube, daß derjenige, welchem es auf den Hochzeitstag regnet, die Katze nicht gefüttert habe. Nun iſt es leicht, über dieſen Aberglauben zu lachen, eben weil er ein Aberglaube iſt; aber daß in demſelben, wie faſt in jedem Aberglauben, etwas Tieferes liegt, daran haben wohl noch gar Wenige gedacht. Wer kann auch bei allem auf die Tiefe ſehen! Jacob Grimm gibt uns über dieſen Aberglauben von dem Füttern der Katze am Hochzeſtstage guten Aufſchluß und zeigt uns, daß derſelbe uralt deutſch iſt und alſo noch aus dem deutſchen Heidenthniierahe Die Deutſchen, nämlich als ſie noch Heiden ware, verehrten eine Göttin, Namens Freyja“), als Liebesgöttiz, und unter den Thieren war ihr die Katze heilig, weshalb auch von dem Wagen dieſer Göttin, auf welchem ſie nach der altdeutſchheidniſchen Götterlehre aus— zog, geſagt wird, er ſei mit zwei Katzen beſpannt. Sagen wir nun noch:„Wem es auf den Hochzeitstag regnet, der hat die Katze nicht gefüttert“, ſo bedeutet dieß ſo viel als, der hat die Botin oder Dienerin(das heilige Thier) der Liebesgöttin beleidigt, dadurch dieſe erzuͤrnt und darum kein ſchönes Wetter zum Hochzeitstag. Im Gegentheil verhält es ſich damit, wenn wir von einem Manne, der die Katzen gern hat und ſtreichelt, ſagen, er bekomme eben, weil er die Katzen gern habe, eine ſchöne Frau. Denn dieſer erwirbt, nach dem heidniſchen Glauben, dadurch, daß er gegen die Katze als das der Liebesgöttin heilige Thier freundlich iſt, die Gunſt eben dieſer Liebesgöttin, ſo, daß ſie ihm zu einer ſchönen Frau verhilft und ihn ſo belohnt.
Der Freitag hat übrigens nicht von dieſer Frey ja ſeinen Namen,
ſondern von der Göttin Frigg oder Fria, welche als die Ge⸗
mahlin des höchſten Gottes(Odin) verehrt wurde, den Rang vor allen übrigen Göttinnen hat und beſonders die Ehegöttin iſt. Die geehrteſte Göttin, neben der Frigg iſt aber die Frepja.
Fur die Waſſerbeſchädigten
iſt bei C. Bindernagel eingegangenen: durch Großh. Heſſ. Kreisrath dahier v. d. G. Bepenheim 4 fl. 45 kr., v. d. G. Bodenrod 4 fl. 31 kr., v. d. G. Heldenbergen 23 fl. 9 kr., v. d. G. Kleinkarben 16 f A r G. Langenhain 13 fl. 38 kr., v. d. G. Niedereſchbach 22 fl. 8 d. G. Obererlenbach 15 fl. 30 kr., v. d. G. Obereſchbach 27 fl. 24 kr., v. d. G. Oberrosbach 21 fl. 39 kr., v. d. G. Oberwöllſtadt 9 fl. 35¼. v. d. G. Ockſtadt 13 fl. 53 kr., v. d. G. Pohlgöns 30 fl. n d. G. Stammheim 21 fl. 1 kr., v. d. G. Vilbel 27 fl. 55 kr., v. d. G. Wickſtadt 4 fl. 27 kr., v. d. G. Wiſſelsheim 1 fl. 12 kr.


